Zwei-Klassen-Netz Kartellamt befragt Telekom zur DSL-Bremse

Nach der Bundesnetzagentur will sich nun auch das Bundeskartellamt näher mit den Drossel-Plänen der Telekom befassen. Der Konzern will künftig für schnelle Datendurchleitung auch von Anbietern kassieren.

Telekom-Logo in Köln (Archivbild): Kartellamt will genau hinschauen
REUTERS

Telekom-Logo in Köln (Archivbild): Kartellamt will genau hinschauen


Hamburg - Die von der Telekom für 2016 angekündigte Bandbreitenkappung, die nach Verbrauch bestimmter Datenmengen eintreten soll, interessiert jetzt auch das Bundeskartellamt in Bonn. Bereits Anfang Mai habe die Behörde der Telekom schriftliche Fragen zu ihren Drosselplänen gestellt, "Wir schauen uns das genau an", sagte Amtschef Andreas Mundt.

Das Kartellamt lege dabei sein Hauptaugenmerk auf eine mögliche Bevorzugung hauseigener Angebote wie Entertain gegenüber den Angeboten von Wettbewerbern. Die Telekom hatte auf entsprechende Kritik stets darauf verwiesen, ihre Kunden würden für Entertain gesondert bezahlen. Daher bestehe keine Veranlassung, das bei der Entertain-Nutzung aufgekommene Datenvolumen in den Gesamtverbrauch mit einzubeziehen. Außerdem handele es sich bei Entertain nicht um einen klassischen Internetdienst, sondern um Fernsehen.

Beim Kartellamt wartet man auf die Telekom-Antworten. Dann soll geprüft werden, ob ein formelles Verfahren eröffnet wird. Zwar sei grundsätzlich jeder DSL-Anbieter in seiner Entscheidung frei, wie er die Tarifstruktur gestaltet. Nur die Bevorzugung hauseigener Dienste könne einen unzulässigen Eingriff in den Wettbewerb darstellen.

Dennoch könnte die Nachricht vom erhöhten Interesse der Wettbewerbshüter am Gebaren der Telekom für vermehrten Druck sorgen. Denn das Amt reiht sich mit seinem Vorstoß bei Verbraucherschützern und der Bundesnetzagentur ein. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hatte der Telekom bis zu diesem Donnerstag Zeit zur Abgabe einer Unterlassungserklärung und zum Verzicht auf die Kappungsklausel gegeben. Andernfalls drohen gerichtliche Auseinandersetzungen.

Zusätzlich hatte die Bundesnetzagentur ebenfalls bis Mitte Mai nähere Auskunft über die Drosselpläne des Bonner Konzerns erbeten. Dass Thema Netzneutralität besitze hohe Priorität, hatte Agenturchef Jochen Homann erklärt. Bei Problemen im Netz gehe es nicht darum, das Tempo zu drosseln, so Homann.

Die Telekom hatte für Neukunden ab dem 2. Mai 2013 monatliche Volumenbegrenzungen für Festnetz-Flatrates eingeführt, ab denen die Internet-Geschwindigkeit drastisch gedrosselt werden soll.

meu/Reuters



insgesamt 30 Beiträge
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al2510 15.05.2013
1. Zu meiner Verwunderung läuft mein Telekom Vertrag aus
denke die Kürzung trifft wohl alle. Die Telekom ist auch relativ teuer. Und bei Entertain gibt es ja nur Kram. Denke heute sind Youtube und kirchliche Sender viel interessanter. Auch SpiegelTV ist interessanter. Dazu braucht man für Entertain noch Telekom Hardware und eine Festplatte zum speichern. Mobil TV ist vielleicht interessanter. Aber da gibt es keine Regionalsender. Denke ich werde bei aller Liebe zur Telekom, aber unter den Umständen, dass die Rate gekürzt wird, den Anbieter Wechseln. Kann nicht sagen, ob es bei 1&1 besser ist aber ich würde sonst hin gehen. Ich habe auch noch einen analog Telefon Anschluss und ich kann mich nicht für einen IP Anschluss entscheiden, das ist das 2. Telekom Argument. Ich habe einfach Angst, das auch das Telefonieren bei der Telekom dann gedrosselt wird wenn die Quote kommt.
jenny_340 15.05.2013
2.
Von mir aus kann die Telekom 100€ für ihren tollen bis zu..M/bits DSL-Anschluss verlangen. Abnehmer finden sich bestimmt. Ein Zwei-Klassen-Netz einzuführen geht aber definitiv zu weit und muss im Keim erstickt werden. Mich würde mal interessieren, was EA und Konsorten darüber denkt und wie die zukünftig vorgehen wollen. Lassen die sich wirklich erpressen? Wenden die sich vom deutschen Markt ab? Hoffen die auf den "Zorn" der Kunden? Wäre nett mal nachzufragen, SPON. Mir werden die leider keine Auskunft erteilen.
Powerfee60 15.05.2013
3. wer denn?
Wer soll denn bitte die Telekom-Abzocker bremsen? Die Politiker? Also die Lobby-Marionetten die es bei der Privatisierung von Post und Telefon zugelassen haben, dass die Altlasten wie Beamtenpensionen über den Steuerzahler sozialisiert werden, während der teuerste Anbieter fleißig kassiert? Politiker denen es nur Recht sein kann, wenn sich Bürger in befristeten Arbeitsverträgen und Aufstockmuss dank Niedriglohn keine Informationen aus dem Netz mehr leisten können? Das paßt doch - 2 Klassen - damit nicht zuviele anfangen zu denken. Die große Kundenflucht wird ausbleiben, weil es genug Dumme gibt, die die Preispolitik auch noch in Ordnung finden und jede Veränderung unbequem ist. Der Deutsche lies und läßt sich seine Freiheiten gerne nehmen und irgendwann ist es dann wieder niemand gewesen und hat niemand was gewußt oder geahnt. Wer schnelles Netz will wechselt zu Kabel - die bringen Leistung auch in Gebieten, wo die Telekom zwar für Leistungen kassiert, sie aber nicht erbringen kann. Und Kabel Deutschland bremst erst bei 60GB am TAG sowie Kabel BW überhaupt nicht. Nur ist es fast sinnlos dem Michel was zu erklären - er wählt wie schon Brecht sagte, seine Stricke selbst.
Flari 15.05.2013
4. Viel schlimmer sind die ganzen Hunger- und Krankheitstoten!
Zitat von Powerfee60Wer soll denn bitte die Telekom-Abzocker bremsen? Die Politiker? Also die Lobby-Marionetten die es bei der Privatisierung von Post und Telefon zugelassen haben, dass die Altlasten wie Beamtenpensionen über den Steuerzahler sozialisiert werden, während der teuerste Anbieter fleißig kassiert? Politiker denen es nur Recht sein kann, wenn sich Bürger in befristeten Arbeitsverträgen und Aufstockmuss dank Niedriglohn keine Informationen aus dem Netz mehr leisten können? Das paßt doch - 2 Klassen - damit nicht zuviele anfangen zu denken. Die große Kundenflucht wird ausbleiben, weil es genug Dumme gibt, die die Preispolitik auch noch in Ordnung finden und jede Veränderung unbequem ist. Der Deutsche lies und läßt sich seine Freiheiten gerne nehmen und irgendwann ist es dann wieder niemand gewesen und hat niemand was gewußt oder geahnt. Wer schnelles Netz will wechselt zu Kabel - die bringen Leistung auch in Gebieten, wo die Telekom zwar für Leistungen kassiert, sie aber nicht erbringen kann. Und Kabel Deutschland bremst erst bei 60GB am TAG sowie Kabel BW überhaupt nicht. Nur ist es fast sinnlos dem Michel was zu erklären - er wählt wie schon Brecht sagte, seine Stricke selbst.
Viele werden darauf verzichten, sich ihre lebenswichtige Pizza und Medikamente online zu bestellen, wenn sie damit befürchten müssen, dadurch 10min weniger im Internet daddeln oder Rtl über IPTV sehen zu können. Viele werden sterben.. Aber daran denken die von der Telekom natürlich nicht.
a-rudolf76 15.05.2013
5. optional
Dieses rumgejammer der Nutzer ist echt unerträglich, einfach mal bei Firmen mit Höhenflug mal kein Vertrag abschließen oder bestehenden kündigen. Die Telekom hat das vor Jahren schon mal gespürt wenn die Kunden auch mal nachdenken. Wobei das denken bei vielen scheinbar zu viel ist....
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