Russische Software US-Geheimdienste nehmen Kaspersky ins Visier

Die Virenschutzprogramme von Kaspersky sind auch in den USA populär. Das macht US-Geheimdienste derzeit offenbar nervös. Die private russische Firma will vom Verdacht der Kreml-Nähe aber nichts wissen.

Kaspersky-Logo auf einem Konferenzstand im Januar
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Kaspersky-Logo auf einem Konferenzstand im Januar


Amerikanische Geheimdienste nehmen die Sicherheitssoftware des russischen Anbieters Kaspersky ins Visier. Zuvor hatten nationale Medien berichtet, die US-Behörden seien zunehmend besorgt, dass russische Dienste versuchen könnten, über Kaspersky-Programme Amerikaner auszuspionieren oder wichtige amerikanische Systeme zu sabotieren.

Die Frage nach einer versuchten Einflussnahme Russlands in den USA ist seit Donald Trumps Präsidentschaft verstärkt in den Fokus gerückt. In dieser politischen Gemengelage steigt nun offenbar die Skepsis gegenüber dem auch in den USA weit verbreiteten Anbieter von Virenschutzsoftware.

Ob es aber tatsächlich Gründe für diese Befürchtungen und indirekten Anschuldigungen gegen das private russische Unternehmen gibt, ist völlig unklar. Gegenüber SPIEGEL ONLINE erklärte die Firma, sie habe keine Verbindungen zu irgendeiner Regierung. Auch werde Kaspersky "niemals eine Regierung auf der Welt dabei unterstützen, Cyberspionage zu betreiben." In seiner 20-jährigen Geschichte in der IT-Sicherheitsindustrie habe das Unternehmen "immer die höchsten ethischen Unternehmenspraktiken eingehalten."

US-Politiker geben sich besorgt - Beweise fehlen

Bei einer Senatsanhörung über globale Sicherheitsbedrohungen am Donnerstag sagte US-Senator Joe Manchin von den Demokraten dagegen, die Abgeordneten seien "sehr besorgt" über Kaspersky. Nähere Details, warum das so ist, nannte er nicht. Man habe nachgefragt, ob auf den Rechnern der Dienste Software des Unternehmens laufe, so Manchin.

Der Direktor des Geheimdienstes DIA, Vincent Stewart, verneinte dies. Er wies aber darauf hin, dass es schwierig sei, zu prüfen, ob dies auch für externe Vertragspartner der Dienste gelte. Der Chef des US-Auslandsgeheimdienstes NSA, Mike Rogers, gab an, er sei persönlich einbezogen in die Überwachung Kasperskys.

Der Sender ABC hatte berichtet, die US-Heimatschutzbehörde habe zu Kaspersky im Februar einen Geheimbericht verfasst und das FBI untersuche mögliche Beziehungen Kasperskys zu der russischen Regierung.

Die russische Firma schreibt in ihrer Stellungnahme, "dass es völlig inakzeptabel ist, dass das Unternehmen zu Unrecht und ohne einen echten Beweis für die falschen Behauptungen beschuldigt wird." Das Unternehmen sei aber bereit, die betroffenen Regierungsorganisationen bei laufenden Ermittlungen zu unterstützen. Und man sei sich sicher, dass "eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit Kaspersky Lab bestätigen wird, dass diese Behauptungen unbegründet sind."

Das Unternehmen bietet auch im deutschsprachigen Raum Programme zum Schutz von PC und mobilen Geräten an. Zu seinen Kunden zählt Kaspersky nach eigenen Angaben mehr als 400 Millionen Privatpersonen und rund 270.000 Unternehmen.

juh/Reuters

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analyst94 12.05.2017
1. alter hut
siehe: https://www.bloomberg.com/news/articles/2015-03-19/cybersecurity-kaspersky-has-close-ties-to-russian-spies
garfield53 12.05.2017
2. mmmm
Peinlich, wenn man das eigene Versagen vertuschen will, sind immer die anderen daran schuld. Warum haben wir denn heute Internet und alle anderen Weiterentwicklungen, ein Schelm, wer galubt, aus reiner Menschenfreude, nee, weil die amerikanischen Erfinder ohne das ok der Dienste niemals ihre Entwicklungen hätten realisieren können. Und die Ersten welche von Windos und Co. profitierten, waren NSA, CIA und FB, welch weltweit in unsere Privatsphäre "einbrachen", wo wir noch gar nicht wussten, was da passiert.. Alles andere ist Fake und Legende. Das die amerikanischen Dienste aufgrund ihrer Sammelwut mal an ihre machbaren Grenzen kamen, die eine oder andere Entwicklung vielleicht, im Größenwahn, "verschlafen" haben, liegt an ihnen selbst und nicht an den Russen oder Anderen.I
Uban 12.05.2017
3. ... sind die denn ...
.. mit Microsoft (Win), Google (Android) und Apple (MacOS, iOS) schon fertig ? Wohl nicht - denn dann würden ihre Rechner erst gar nicht booten können ...
Referendumm 12.05.2017
4. Die US-Dienste ärgern sich doch nur darüber,
dass Kaspersky wohl keine Backdoors und andere Offenlegungen ihrer Sofware den US-Geheimdiensten frei Haus anbietet. Deshalb ist es immer gut, vorab schon mal Dreck zu werfen, obwohl nichts dran ist. Und ich dachte, dieser uralte Kommunismushass und -phobie wären in den USA lange vorbei. Aber Geschichte wiederholt sich ja leider doch.
Nonvaio01 12.05.2017
5. wie immer
keine beweise, und jeden beschuldigen. Bisher gibt es keinerlei beweise fuer eine einmischung derRussen in den US wahlkampf, wuerde es die gebgen haette man die schon lange PR gerecht im TV zur besten sendezeit gezeigt. Kaspersky ist eine sehr gute Firma mit einer excellenten SW, besser als die ueblichen Symantec und Mc Affee programme.
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