Keine FBI-Hilfe Carrier IQ bemüht sich um Transparenz

Die Diagnose-Software Carrier IQ steht in der Kritik, Datenschützer fürchten die Ausspähung von Smartphone-Nutzern. Nun bemüht sich die Firma um Schadensbegrenzung - und auch die US-Bundespolizei hat etwas klarzustellen.
Android-Handy in Südkorea (Symbolbild): Versteckes Programm übermittelte Daten

Android-Handy in Südkorea (Symbolbild): Versteckes Programm übermittelte Daten

Foto: TRUTH LEEM/ REUTERS

Entwarnung für Verschwörungstheoretiker: Robert Mueller, der Direktor der amerikanischen Bundespolizei FBI, hat am Mittwoch vor einem Rechtsausschuss des US-Senats erklärt, den Hersteller des gleichnamigen Handy-Kontrollprogramms Carrier IQ niemals um die Herausgabe von Nutzungsdaten gebeten zu haben (Video der Anhörung , Carrier IQ ab Minute 85): Das FBI "habe zu keiner Untersuchung Informationen von Carrier IQ angefordert oder erhalten."

Was natürlich nicht heißt, dass von Carrier IQ erhobene Daten nicht doch über Umwege - denkbar wären Mobilfunkanbieter - auf Ermittler-Schreibtischen landen könnten: "Wir könnten Informationen erhalten, mit denen in irgendeiner Weise Carrier IQ zu tun hat," erklärte Mueller. Wenn also das FBI bei einem Mobilfunkanbieter um Daten ansteht, könnte es sein, dass der Anbieter Daten herausrückt, die zum Beispiel mit Carrier IQ erhoben wurden.

Die Fragen zur Kontrollsoftware beantwortete FBI-Chef Mueller als Teil einer größeren Fragerunde zu nationalen Sicherheitsproblemen. Aufs Tapet kam das Thema, nachdem zuvor das FBI auf eine öffentliche Anfrage  nach dem Informationsfreiheitsgesetz zur möglichen Verwendung der Mobilfunkdaten antwortete, dass man diese Frage "wegen laufender oder möglicherweise anstehender Ermittlungen" nicht beantworten  könne. Für viele Carrier-IQ-Kritiker war das ein Zeichen, dass das FBI die Diagnosesoftware als Spionagetrojaner missbraucht.

Für Carrier IQ könnten solche Datenschutzsorgen existenzbedrohend sein. Das Unternehmen, bislang ein millionenschwerer Nobody, bemüht sich um Schadensbegrenzung. Laut einer Pressesprecherin traf sich Carrier IQ mit Vertretern der amerikanischen Handels- und Kommunikationsbehörden FTC und FCC, "bemüht um Transparenz und Aufklärung".

Das Krisengespräch ist aus Sicht von Carrier IQ auch bitter nötig - zuvor sah sich das Unternehmen genötigt, einen Bericht der "Washington Post" zu dementieren , wonach Carrier IQ Ziel einer Untersuchung  der FTC geworden sei. Das Treffen mit FTC und FCC könnte so eine peinliche Ermittlung verhindern.

Und so scheint das neue Motto der bislang im verborgenen arbeitenden Firma "Transparenz!" zu sein. In einem Interview mit Cnet News erklärt Carrier-IQ-Marketingchef Andrew Coward, welche Lehren  in Sachen Öffentlichkeitsarbeit sein Unternehmen aus dem Fall gezogen habe: "Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir mit allem so offen und transparent umgehen müssen." Der Krise soll nun eine "Zeit des Verständnisses" folgen - über das, was Carrier IQ tut, und warum Mobilfunkanbieter dessen Dienste benötigen.

Dafür sorgt derweil schon einer der größten Carrier-IQ-Kritiker, die amerikanische Electronic Frontier Foundation. In einem ausführlichen Artikel erklärt sie, warum die Vorwürfe gegen Carrier IQ differenzierter betrachtet werden müssen, als sie es bislang oft werden. Carrier IQ sei nicht nur eine Firma und ein gleichnamiges Produkt, sondern eine ganze Reihe von Produkten , deren Kritik jeweils gänzlich neu gefasst werden müsse.

Und Deutschland? Die großen Provider T-Mobile, Vodafone, E-Plus, O2 und Freenet (Debitel/Mobilcom/Klarmobil/Callmobile) erklärten bei SPIEGEL ONLINE, dass ein Einsatz der Software von Carrier IQ hierzulande ausgeschlossen sei. Viele Leser von SPIEGEL ONLINE entdeckten aber auf Tablets und Mobiltelefonen des Herstellers Samsung Datenspuren von Carrier IQ. Die Software war aber nicht aktiv. Samsung sagt dazu: "Wir prüfen derzeit sorgfältig den Sachverhalt."

kno
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