Kölner Rizin-Fall Ermittler müssen gewaltige Datenmengen auswerten

Der Fall eines Islamisten, der an einer Rizinbombe gearbeitet haben soll, stellt die Ermittler vor Probleme. Die Handys des Verdächtigen sind voller Bilder, Chats und Videos, die sie nun begutachten müssen.
Durchsuchung in Köln-Chorweiler (Archivbild)

Durchsuchung in Köln-Chorweiler (Archivbild)

Foto: Henning Kaiser/ dpa

Im Fall des Kölner Islamisten Sief Allah H., der einen Anschlag mit einer Rizin- Bombe geplant haben soll, sind die Ermittler nach SPIEGEL-Informationen mit enormen Datenmengen konfrontiert.

Nach einer ersten Auswertung von zwei der drei bei dem Tunesier sichergestellten Handys gehen die Beamten von Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt derzeit von etwa 180.000 Bildern, mehr als 2000 Video- und Audiodateien sowie über 33.000 Nachrichten aus.

Allein auf einem Telefon fanden die Ermittler mehr als 9000 Chats, die nun übersetzt werden müssen, sowie diverse Anleitungen zum Bombenbau. H. hatte mehr als 11.000 Kontakte gespeichert.

Die Fahnder suchen unter anderem nach möglichen Mitwissern, die den Islamisten bei seinem mutmaßlichen Vorhaben, einen Anschlag mit einem biologischen Kampfstoff zu verüben , unterstützt haben könnten. Sief Allah H. war im Juni in Köln festgenommen worden. Beamte entdeckten bei ihm insgesamt 3150 Rizinussamen und 84,3 Milligramm des bereits hergestellten Gifts Rizin. H. soll sich bei der Herstellung des Rizins an einer Anleitung orientiert haben, die der "Islamische Staat" (IS) im Internet verbreitet.

Sief Allah H. hatte bei einem Internetversandhändler zudem mehrere Stoffe bestellt, die zur Herstellung einer Bombe geeignet gewesen wären. Auch soll der Tunesier eine Chemikalie gekauft haben, die man braucht, um aus Rizinussamen das hochgifte Rizin zu gewinnen. Rizin unterliegt als biologische Waffe dem Kriegswaffenkontrollgesetz.

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