Krawalle in London Blackberry-Hersteller will der Polizei helfen

Haben sich Randalierer in London mit Blackberry-Nachrichten verabredet? Das will die britische Polizei herausfinden. Unter Jugendlichen sind Smartphones der Marke verbreitet. Nun versprach der Hersteller seine Hilfe - doch die Chatnachrichten werden verschlüsselt übertragen.
Blackberry Bold 9900 (Archivbild): Nachrichten werden verschlüsselt übertragen

Blackberry Bold 9900 (Archivbild): Nachrichten werden verschlüsselt übertragen

Foto: MARK BLINCH/ REUTERS

London - Wenn irgendwo auf der Welt etwas passiert vom Format der aktuellen Krawallen in London, dauert es meist nicht lange, bis irgendwer zu wissen glaubt: Diese Bewegung entstand über Facebook oder Twitter. In England deutet nun einiges daraufhin, dass die jugendlichen Randalierer sich vor allem über den Blackberry Messenger (BBM) verständigen, schreibt paidContent . Die darüber verschickten Nachrichten werden dann laut "Guardian"  via Social Media weitergereicht. Blackberry-Hersteller Research In Motion (RIM) kündigte bereits an, die Londoner Polizei unterstützen zu wollen.

Ein Drittel der britischen Jugendlichen nutzt einer aktuellen Ofcom-Studie zufolge ein Blackberry-Smartphone - der große Vorteil des Blackberry-Chatservices: Im Gegensatz zu Facebook und Twitter können die meisten Nachrichten von den Behörden nicht verfolgt werden, weil sie verschlüsselt abgeschickt werden.

Messenger-Nachrichten, die paidContent-Mitarbeitern von mehreren Quellen gezeigt worden sein sollen, legen nahe, dass am Wochenende über BBM gezielt Unterstützer gesucht und zusammengetrommelt wurden, um gemeinsam die Unruhen in zahlreichen Londoner Stadtteilen anzuzetteln. Die Absender fordern auf, Ladengeschäfte zu verwüsten und sich den Behörden zu widersetzen. Mehr als 40 Polizeibeamte sollen bei den Krawallen bislang verletzt worden sein.

RIM will angesichts der beunruhigenden Entwicklung in Englands Hauptstadt die Polizei bei ihren Ermittlungen unterstützen. Wie viel der Konzern jedoch tatsächlich unternehmen wird und kann, ist fraglich. Auch wenn die Behörden auf gesetzlicher Grundlage die Herausgabe von Daten fordern, könnte RIM sich dem möglicherweise widersetzen, schreibt der "Guardian". Von der Verschlüsselung der Nachrichten ganz abgesehen. Die Verschlüsselungstechnik bei RIM-Diensten, vor allem E-Mail, gilt als besonders sicher. Das Unternehmen hat wiederholt betont, keine Zugriffsmöglichkeiten zu haben.

Einigen Staaten sind Smartphones des Herstellers deswegen schon länger ein Dorn im Auge: Indien etwa verlangt, dass die Geheimdienste des Landes Zugang zu sämtlichen Diensten von RIM-Geräten bekommen. Die Regierung fürchtet, Extremisten könnten die Technik zur Vorbereitung von Anschlägen nutzen. Diversen Aufforderungen Indiens ist RIM bislang nicht nachgekommen, und jetzt hat die Regierung offenbar genug von Fristverlängerungen und Ablenkmanövern . Sie fordert sofortiges Handeln - andernfalls sollen RIM-Dienste im Land abgeschaltet werden.

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