Kritische Bloggerin Kuba verweigert Bloggerin die Ausreise

Sie ist eine der Hauptfiguren in einem Dokumentarfilm, doch zur Premiere nach Brasilien darf sie nicht kommen: Der bekannten Bloggerin Yoani Sánchez aus Kuba fehlt für den Trip die Genehmigung der Behörden. Die verhindern ihre Ausreise nicht zum ersten Mal.
Von Lukas Lauber
Kubanische Bloggerin Sánchez: Schon wieder keine Ausreiseerlaubnis?

Kubanische Bloggerin Sánchez: Schon wieder keine Ausreiseerlaubnis?

Foto: DESMOND BOYLAN/ REUTERS

Bis kommenden Montag möchte Yoani Sánchez Gewissheit. Dann will Kubas bekannte Bloggerin wissen, ob sie von den kubanischen Behörden die Ausreisegenehmigung für die Reise nach Brasilien bekommt. Dort ist sie zur Premiere des Dokumentarfilms "Conexão Kuba-Honduras"  (Verbindung Cuba-Honduras) ins brasilianische Jequié eingeladen. Yoani Sánchez ist eine Protagonistin des Films über die Pressefreiheit in Honduras und Kuba, der Filmemacher Cláudio Galvão da Silva hat die Verfasserin des Blogs "Generación Y"  zur Premiere eingeladen.

Die Beamten im Außenministerium Brasiliens haben der Einladung Folge geleistet und Yoani Sánchez ein Touristenvisum ausgestellt. Doch das Visum allein reicht eben nicht aus. "Kubaner sind wie kleine Kinder, sie brauchen noch die Erlaubnis vom Papa, wenn sie reisen wollen", erklärt Yoani Sánchez ironisch. Kubaner benötigen eine Ausreiseerlaubnis, permiso de salida oder auch tarjeta blanca genannt, um die Insel verlassen zu können. Die kostet nicht nur 150 Peso convertible, umgerechnet etwa 113 Euro, sondern ist auch nicht ohne weiteres zu haben.

Zumindest nicht, wenn man Yoani Sánchez heißt. In ihrem Pass befinden sich zahlreiche abgelaufene Visa, darunter auch ein deutsches. Siebzehn um genau zu sein, denn die Reise nach Brasilien ist ihr 18. Versuch in vier Jahren, eine Einladung ins Ausland anzunehmen. Nicht einmal haben die kubanischen Behörden die Ausreise der im Ausland mit zahlreichen Medienpreisen ausgezeichneten Bloggerin genehmigt. Eine offizielle Begründung gibt es nicht, aber ein Blick in die "Enciclopedia Cubana" , die kubanische Wikipedia, erklärt warum. Da wird sie als "Cibermercenaria", als Cybersöldnerin, geführt, die "enge Verbindungen zu der US-Interessenvertretung in Havanna hat".

Letzte Chance: Brasiliens Präsidentin

Das könnte der Grund sein, weshalb auch der 18. Anlauf Scheitern könnte. Es sei denn, Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff macht das Wunder der Ausreise in letzter Minute möglich. Ihr hat Yoani Sánchez einen Brief geschrieben und um präsidiale Unterstützung gebeten, Rousseff war am Dienstag zu einem Staatsbesuch in Kuba.

Unstrittig ist allerdings, dass die Bedeutung Brasiliens für Kuba in den letzten Jahren merklich gestiegen ist. So ist Brasilien der größte Investor beim Ausbau des Hafens von Mariel. Der Hafen, gerade fünfzig Kilometer von Havanna entfernt, wird derzeit zum modernsten Containerumschlagplatz für die Region ausgebaut. 680 Millionen US-Dollar hat Brasilien der kubanischen Regierung für das Projekt geliehen und mehrere brasilianische Unternehmen investieren derzeit in der Freihandelszone rund um den Hafen. Für das Funktionieren des Hafens ist allerdings auch eine moderne Kommunikationsstruktur unerlässlich und genau daran hapert es. Schnelle Internetleitungen sind Mangelware.

Yoani Sánchez attestiert der Insel eine "Kommunikationsinfrastruktur aus dem 19. Jahrhundert". Das Internetkabel, das 2010 von Venezuela nach Kuba gelegt wurde, sollte Mitte 2011 eingeweiht werden. Aber, so berichtet Yoani Sánchez, bislang hätte die offiziellen Medien nicht berichtet, warum es zu der Verzögerung gekommen ist und wann das Kabel in Betrieb genommen wird.

Beim ersten Staatsbesuch von Dilma Rousseff in Kuba sollte es vor allem um die ökonomische Zusammenarbeit gehen. Das haben die Diplomaten in Brasilia im Vorfeld der Reise mehrfach betont. Zu einem Treffen mit der unbequemen Bloggerin kam es nicht. Yoani Sánchez' 18. Versuch zur Ausreise hat wohl kaum mehr Aussicht auf Erfolg als die Anläufe davor.

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