Lamebook Facebook blockierte Links zur Facebook-Parodie

Netzwerk-Eingriff nach Gutsherrenart: Facebook streitet vor Gericht mit der Parodieseite Lamebook ums Markenrecht. Parallel dazu hat der Dienst seinen 500 Millionen Mitgliedern für einige Zeit jede Erwähnung des Begriffs Lamebook unmöglich gemacht.
Lamebook-Humor: Das Blog sammelt mehr oder weniger witzige Facebook-Fundstücke

Lamebook-Humor: Das Blog sammelt mehr oder weniger witzige Facebook-Fundstücke

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"Japaner sind doch keine Asiaten, oder?" fragt jemand bei Facebook seine Freunde, und nach etwas Hin-und-Her  ("Asiaten leben doch in Asien?") endet der Schlagabtausch mit einigen Beleidigungen unter Freunden ("Pfleger, sie ist wieder aufgestanden!"). Solche Facebook-Fundstücke (die "dümmsten und witzigsten" laut Selbstbeschreibung, einige dürften aber von Einsendern gut erfunden sein) sammelt die Seite Lamebook. Nun hat dieses Blog Ärger mit Facebook. Der Netzriese wirft der Satire-Seite vor, seine Markenrechte zu verletzen. Inzwischen tragen Anwälte die Sache aus.

Für einige Tage waren aber auch gut 500 Millionen Facebook-Nutzer von dieser Auseinandersetzung betroffen. Facebook hatte kurzerhand allen Mitgliedern die Möglichkeit genommen, Verweise auf die Seite Lamebook in ihren Profilseiten zu veröffentlichen. Inzwischen ist die Link-Blockade allerdings wieder aufgehoben.

Es geht hier zwar nur um ein kleines Blog, aber die Sache veranschaulicht ein grundsätzliches Problem einer Plattform wie Facebook: Das Netzwerk entwickelt sich für viele Menschen und auch manche Unternehmen und Medien zur wichtigsten Kommunikationsplattform. Dabei sind die meisten Äußerungen halb- oder ganz öffentlich. Doch bei Facebook kommentiert man nicht im öffentlichen Raum, sondern auf den Seiten eines Unternehmens, das Hausrecht genießt.

Facebook-Manager nennt die Blockade einen "Fehler"

Wie man dieses Hausrecht nicht nutzen sollte, demonstriert die Lamebook-Blockade. Facebook verbannt ein Unternehmen, mit dem es gerade einen Rechtsstreit ausficht, einfach so aus dem Netzwerk, ohne durch eine gerichtliche Aufforderung oder sonstige Rechtsmittel dazu verpflichtet zu sein. Dass das dem Ansehen des Unternehmens schaden könnte, hat die Firma inzwischen wohl erkannt. Die Totalblockade wurde aufgehoben, die Lamebook-Fanseite innerhalb von Facebook ist aber immer noch verschwunden. Facebooks Technikchef Bret Taylor bezeichnet das Vorgehen in einer Stellungnahme  als "Fehler".

Diesen Fehler erklärt der Facebook-Manager recht umständlich: "Im Zusammenhang mit einer normalen Markenrechtsverletzungs-Sache in Bezug auf einige Links, die bei Facebook veröffentlicht wurden, haben wir alle Erwähnungen des Ausdrucks 'Lamebook' bei Facebook blockiert." Aber, so versichert Taylor, man sehe sich der "freien Meinungsäußerung" verpflichtet, die wolle man auf Facebook fördern.

Die Markenrechts-Streitigkeiten um Facebook könnten ganz neue Formen annehmen - am Mittwoch stellte das US-Patentamt Facebook einen Erlaubnisbescheid  für die Wortmarke "Face" aus, gültig im Zusammenhang mit "mit Online-Chaträumen und elektronischen Foren".

Facebook ist ein Netzgigant

Facebook ist inzwischen weit mehr als nur ein Netzwerk von vielen. Der Dienst wird mehr und mehr Teil der Infrastruktur des Web, viele Seiten binden inzwischen Facebook-Dienste ein, damit Nutzer sich identifizieren, in Foren diskutieren und Freunden bestimmte Seiten empfehlen können.

Eigenen Angaben zufolge hat das Netzwerk derzeit mehr als 500 Millionen aktive Mitglieder weltweit, etwa 250 Millionen davon loggen sich täglich ein. Statistiken der US-Markforscher von Hitwise zufolge entfiel auf Facebook in der zweiten Novemberwoche jeder vierte Seitenaufruf von US-Internetnutzern. Das ist ein Zuwachs um mehr als 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wobei Hitwise die mobile Internetnutzung gar nicht erfasst, bei der viel Datenverkehr auf Facebook entfallen dürfte.

Angesichts dieser Konzentrationsbewegung warnt der Erfinder des World Wide Web Tim Berners-Lee in einem Aufsatz vor einer Fragmentierung des Netzes. Der Informatiker sieht den Grundsatz in Gefahr, den er vor 21 Jahren für das neue Netz aufgestellt hat: Ein "universelles, verbundenes Informationssystem" sollte das World Wide Web werden. Universell und verbunden sind die Informationen, die Facebook in seine Datenbanken saugt, bei weitem nicht. Nutzer konnten zum Beispiel ihre Google-Adressbücher bei Facebook einlesen, umgekehrt war das nie möglich. Der Web-Erfinder warnt: "Je weiter diese Art von Architektur sich verbreitet, desto fragmentierter wird das Web, und desto weniger können wir einen universellen, verbundenen Informationsraum genießen."

lis

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