BitTorrent Filesharer werden massiv überwacht
Netzwerk-Verbindungen: Forscher finden Hinweise auf Überwachung
Foto: Thomas Kienzle/ APOb "Hangover 2", "Men in Black 3" oder "Ice Age 4" - wer sich einen dieser Filme zum Beispiel über das BitTorrent-Verzeichnis "The Pirate Bay" besorgt, tut dies nicht unbeobachtet. Im Fall der genannten Filme wird die IP-Adresse innerhalb weniger Stunden registriert - denn es handelt sich um beliebte Filme, die momentan auf der Top-100-Liste von "The Pirate Bay" stehen.
Das ist das Ergebnis einer Studie (PDF) von Informatikern aus dem britischen Birmingham, die sie am Dienstag vorgestellt haben. Für die Langzeitstudie haben sie drei Jahre lang die Überwachung des BitTorrent-Vekehrs untersucht und herausgefunden, dass Nutzer viel stärker kontrolliert werden als bisher angenommen.
Die Kontrolleure und Überwacher sind zum Beispiel die sogenannten Logging-Firmen, die im Auftrag der Rechteinhaber herausfinden sollen, wer sich die geschützten Inhalte auf illegalem Wege beschafft oder sie für andere bereitstellt. Sind die entsprechenden IP-Adressen ermittelt, kann der Anschlussinhaber womöglich Post bekommen, zum Beispiel eine Abmahnung.
Wie genau diese Firmen arbeiten, ist laut der Studie nicht öffentlich bekannt, "tatsächlich scheinen die beteiligten Firmen bemüht zu verhindern, dass ihre Beweisführung vor Gericht geprüft wird".
Unschuldige Drucker abgemahnt
Den Forschern zufolge gibt es jedoch zwei Arten der Überwachung: die indirekte und die direkte Kontrolle. Bei der indirekten Kontrolle verlassen sich die Firmen auf Hinweise, dass von einem bestimmten Gerät Inhalte hoch- oder runtergeladen werden; zum Beispiel, wenn eine IP-Adresse in der Gruppe eines BitTorrent-Trackers zu finden ist. Die Tatsache, dass besagte Firmen die Möglichkeit der indirekten Kontrolle nutzen, wurde bereits in früheren Studien behandelt.
Die Methode ist bekannt - und tückisch, denn sie gilt als unzuverlässig: In der Vergangenheit habe es Irrtümer gegeben, bei denen sich die Post mit der Unterlassungserklärung auf "unschuldige Geräte" bezog, etwa Drucker oder W-Lan-Basisstationen, die für Filesharer gehalten wurden. Trotz ihrer Unzuverlässigkeit wird laut der Studie die Methode nach wie vor genutzt, um Urheberrechtsverletzer ausfindig zu machen.
Als erste haben die britischen Informatiker allerdings auch die Methode der direkten Kontrolle untersucht: Dabei verbindet sich sozusagen der Kontrolleur direkt mit den Filesharern (aktiv) oder stellt seine eigene Adresse bereit und wartet darauf, dass sich die Gesuchten verbinden (passiv).
Der Schwerpunkt der Überwachung liegt den Forschern zufolge auf dem Tausch von Filmen und Musikdateien. Je beliebter das heruntergeladene Werk ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die eigene IP-Adresse schon nach kurzer Zeit registriert wird. Dabei spielt es logischerweise keine Rolle, ob man gerade seinen ersten oder seinen tausendsten Film herunterlädt.
Wettrüsten zwischen Überwachern und Überwachten
Wer als Filesharer der Überwachung entgehen möchte, nutzt bisher womöglich eine der vielen Blocklisten, mit denen die Kontrolleure erkannt und außen vor gehalten werden sollen. Laut der Studie können die jedoch kein zuverlässiger Schutz sein, weil sie offenbar unvollständig sind. Die Forscher haben bei ihren Beobachtungen Überwachungssysteme entdeckt, die auf keiner Liste auftauchen.
In einer Erklärung stellen die Forscher übrigens klar: "Die Spannung zwischen BitTorrent-Nutzern und den Vollzugsbehörden wird oft als Wettrüsten beschrieben, bei dem die eine Seite versucht, Inhalte zu teilen und die andere versucht, das zu kontrollieren und zu stören", heißt es in dem 18-seitigen Bericht. "Wir stellen uns in diesem Wettrüsten auf keine Seite." Von den Ergebnissen der Studie könnten sowohl die Nutzer profitieren - indem sie zum Beispiel die Überwacher leichter erkennen und blocken können - als auch die Überwacher selbst - indem sie ihre Kontrollmechanismen verbessern.