Luisa Neubauer kämpft gegen Hatespeech in sozialen Medien "Was über mich geschrieben wird, ist schon krass"

Die Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer hat vor Gericht einen Erfolg gegen den rechtspopulistischen Autor Akif Pirinçci errungen, der sie im Netz beleidigt hatte. Hier erklärt sie, warum das nicht reicht.
Ein Interview von Max Hoppenstedt
"Es muss auch klar werden, dass es für die Poster rechtliche Konsequenzen geben kann." Neubauer klagt gegen Hetzer in den sozialen Medien und fordert von Techfirmen mehr Engagement

"Es muss auch klar werden, dass es für die Poster rechtliche Konsequenzen geben kann." Neubauer klagt gegen Hetzer in den sozialen Medien und fordert von Techfirmen mehr Engagement

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Hans-Christian Plambeck

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Das Landgericht Frankfurt am Main hat gegen den rechtspopulistischen Autor Akif Pirinçci eine einstweilige Verfügung wegen eines Facebook-Posts erlassen. Das geht aus Gerichtsdokumenten hervor, die dem SPIEGEL vorliegen. Pirinçci hatte ein Foto der Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer, das ein rechter Politiker gepostet hatte, mit einer sexistischen Erniedrigung kommentiert.

Für Neubauer ist es nur einer von unzähligen sexistischen und beleidigenden Kommentaren, die ihr in den sozialen Medien begegnen. Ihre Klage soll ein deutliches Zeichen gegen Hatespeech im Netz sein.

SPIEGEL: Frau Neubauer, seit wann haben Sie mit sexistischen Kommentaren in den sozialen Medien zu kämpfen?

Neubauer: Seit ich mich öffentlich politisch äußere, ist es ein Dauerphänomen. Sobald ich irgendwas auf Twitter oder Instagram poste, kommen nach wenigen Minuten die Hasskommentare.

Zur Person
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Hans-Christian Plambeck

Luisa Neubauer ist seit zwei Jahren einer der führenden Köpfe der deutschen "Fridays for Future"-Bewegung. Auf Twitter und Instagram hat Neubauer jeweils rund 150.000 Follower. Gegen strafbare Hassposts, die sie auf den Netzwerken bekommt, klagt sie mit Unterstützung der Betroffenenorganisation HateAid vor Gericht. Unter anderem in Berlin, Göttingen und Frankfurt strengte sie schon Verfahren gegen Nutzer an.

SPIEGEL: Was steht in diesen Kommentaren?

Neubauer: Da ist alles dabei: Beleidigungen, sexualisierte Memes, Erniedrigungen. Manchmal ist der Kommentar nur ein Wort lang, manchmal schreiben Leute ganze Aufsätze über ein Oberteil von mir, aus dem sie dann irgendwie ableiten, dass ich "untervögelt" sei. Der sexualisierte Hass in den Kommentaren geht irritierend oft über zu Foren, in denen über meine Vergewaltigung fantasiert wird.

SPIEGEL: Welche Strategie haben Sie, damit umzugehen?

Neubauer: Ein Teil meiner Strategie ist, hier zu sitzen und mit Ihnen darüber zu reden. Es geht mir nicht nur darum aufzuzeigen, was im Netz abgeht. Sondern vor allem darum aufzuzeigen, wie und dass sich gewehrt werden kann. Denn ein Teil des Problems ist auch, dass wir als Frauen gefragt werden: "Oh, was macht ihr damit und was macht dieser Hass mit euch?" Viel zu selten wird gefragt: "Woher kommt dieser Hass?" Wir reden hier nicht über einen Konflikt zwischen mir und dem Hater, sondern über strukturellen Frauenhass, Sexismus und Misogynie, die überall und immer radikaler zum Ausdruck gebracht werden.

"Weibliche Aktivistinnen kriegen ein Vielfaches an Hasskommentaren ab."

SPIEGEL: Facebook, Instagram oder Twitter: Auf welchem sozialen Netzwerk bekommen Sie die meisten Hasskommentare ab?

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