"Luxus-Highspeed-Surfen" Telekom wehrt sich gegen Flatrate-Urteil

Wo Flatrate drauf steht, muss auch Flatrate drinstecken: Ein Gericht hat der Telekom irreführende Werbung untersagt. Die Drosselung der Übertragungsgeschwindigkeit ab einem bestimmten Datenvolumen muss deutlich angezeigt werden. Die Telekom geht jetzt in Berufung.

Telekom-Logo: "Ohne Zeit- oder Volumenbeschränkung"
ddp

Telekom-Logo: "Ohne Zeit- oder Volumenbeschränkung"


Bonn - "Luxus-Highspeed-Surfen" versprach die Telekom - Verbraucherschützer sahen sich das Angebot genauer an und klagten. Ein Gericht hat der Deutschen Telekom irreführende Werbung für ihr Internet-Flatrate-Angebot "Call & Surf Comfort VDSL" untersagt. Das Landgericht Bonn befand, dass das Unternehmen mit hohen Übertragungsraten geworben habe, ohne deutlich über die Drosselung der Geschwindigkeit ab einem bestimmten übertragenen Datenvolumen hinzuweisen.

Diese Information bekomme der Verbraucher erst über einen umständlichen Internetpfad. Bei Zuwiderhandlung drohe dem Unternehmen die Zahlung von bis zu 250.000 Euro, hieß es in dem am Mittwoch veröffentlichten aber noch nicht rechtskräftigen Urteil. Die Deutsche Telekom hat nach Angaben des Gerichts Berufung beim Oberlandesgericht Köln eingelegt.

Die Telekom erklärte, sie habe die Geschwindigkeitsbegrenzung bislang noch gar nicht umgesetzt, "insofern können wir die Aufregung nicht verstehen". Auf die vertragliche Regelung weise das Unternehmen inzwischen in einer Fußnote hin. Die Werbeaussage "Sie surfen rund um die Uhr zum Festpreis - ohne Zeit- und Volumenbeschränkung" sei auch mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung richtig.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hatte gegen die Werbung geklagt. Die Telekom hatte mit "Luxus-Highspeed-Surfen" geworben "ohne Zeit- oder Volumenbeschränkung". Die Geschwindigkeit sei kaufentscheidend, hieß es in dem Urteil. Über den wesentlichen Aspekt der Drosselung müsse der Verbraucher "in geeigneter Form" aufgeklärt werden.

Tatsächlich habe der Hinweis versteckt in einem PDF-Dokument zur Leistungsbeschreibung gestanden. Selbst ein aufmerksamer Verbraucher habe diese Regelung an der Stelle nicht vermuten können. Mitten in einem eng bedruckten dreiseitigen Text gab es demnach die Information, dass ab einem übertragenen Datenvolumen von 100 Gigabyte in einem Monat die Übertragungsgeschwindigkeit des Internetzugangs für den Rest des Monats reduziert werde.

Aktenzeichen: 1 O 448/10

ore/dpa/AFP



insgesamt 31 Beiträge
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Hercules Rockefeller, 26.10.2011
1. Mobilfunk
Das sollten die mal den Mobilfunkern vorschreiben, da ist viel größerer Handlungsbedarf. Wobei es schon albern ist, dass die Telekom Festnetzzugänge limitiert, diese Geizbacken vor dem Herrn.
Dosengabel 26.10.2011
2. Tolle Sache
Find ich gut. Transparenz für den Kunden! Weitermachen.
plastikjute 26.10.2011
3. Dreiste Lügenbande Telekom
Volumenbeschränkungen sind (im Mobilbereich gang und gäbe), aber nicht im Festnetz. Und wer so wirbt, Highspeed "ohne Zeit- oder Volumenbeschränkung", der führt Verbraucher bewusst in die Irre. Man kann es auch anders formulieren: Die Telekom belügt ihre potentiellen Kunden. Was machen die erst, wenn sie einen in ihren Fängen haben? Dass diese Firma auch noch Berufung einlegt, das zeigt, dass für sie der Verbraucher nur ein Vollpfosten ist, den es zu melken gilt.
ulrich_frank 26.10.2011
4. Diese Hinterhältigkeit ist normale T-Online-Praxis
dasselbe war zu erleben bei der Angabe der Surf-Geschwindigkeiten: wo Konkurrenz-Anbieter schrieben: /bis/ 6 etc. MB/sec, verheißt T-Online die jeweilige Tarif-Spitzengeschwindigkeit (ohne /bis/), auch wenn sie am Ort aus technischen Gründen gar nicht erreicht wird und an diesem Umstand fürs weitere auch gar nichts geändert werden soll. Dazu frech-freie Auskunft eines T-Online-hotline-Mitarbeiters: "Werbung muß nicht wahr sein".
ohne_sorge 26.10.2011
5. .
Na das ist ja super. Mir wollte jemand von der Telekom erst letztens so eine Flatrate umhängen. Ich habe mit dem Verweis, dass mit die 100 GB Limitierung stören würde abgelehnt. Dann kamen noch die Argumente, dass das ja gar nicht der Fall sei und es hier keinerlei Einschränkungen geben würde. Ich habe trotzdem abgelehnt und das war wie immer gut so. Alle Telekommunikationsfirmen schrauben derzeit stark daran, dass die Branche einen immer schlechteren Ruf bekommt. Aus meiner Sicht ist der ganze Markt viel zu schlecht überwacht, denn es gibt hier nur schware Schafe. Wer ein Weißes kennt, der kann ja mal eines nennen...
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