Zu wenig Schutz vor Desinformation Nobelpreisträgerin Ressa nennt Facebook Gefahr für Demokratie

Gerade erst wurde Maria Ressa mit dem Friedensnobelpreis geehrt. In einem ihrer ersten Interviews attackiert sie Facebook. Die Algorithmen der Plattform würden eher Lügen und Hass streuen, als Fakten zu verbreiten.
Maria Ressa am Tag nach der Verleihung des Friedensnobelpreises in einem Restaurant auf den Philippinen

Maria Ressa am Tag nach der Verleihung des Friedensnobelpreises in einem Restaurant auf den Philippinen

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Aaron Favila / picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Die Friedensnobelpreisträgerin und Journalistin Maria Ressa schätzt Facebook als Bedrohung für die Demokratie ein. Der US-Konzern scheitere daran, seine Nutzerinnen und Nutzer vor Hass und Desinformation zu schützen, sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters. Stattdessen sorgten die Algorithmen von Facebook dafür, dass die Verbreitung von Lügen, die mit Wut und Hass durchsetzt seien, der Verbreitung von Fakten vorgezogen würde.

Ressa hat am Tag zuvor den Friedensnobelpreis erhalten. Sie teilt sich die Auszeichnung mit dem russischen Journalisten Dmitri Muratow. Beide werden für ihren Kampf für die Pressefreiheit und ihren Einsatz bei der Aufdeckung von Korruption und Machtmissbrauch geehrt.

Facebook sei der weltweit größte Verbreiter von Nachrichten geworden und sei dennoch voreingenommen gegenüber Fakten und Journalismus, sagte Ressa weiter. »Wenn man keine Fakten hat, kann man keine Wahrheiten haben, kann man kein Vertrauen haben. Wenn man nichts davon hat, hat man keine Demokratie.« Ohne Fakten sei auch die Lösung existenzieller Probleme wie des Klimawandels und der Coronapandemie nicht möglich.

Facebook wird von mehr als 3,5 Milliarden Menschen genutzt. Eine frühere Mitarbeiterin wirft dem Konzern vor, Profit über den Kampf gegen Hassrede, die Gesundheit der Nutzerinnen und Nutzer sowie Falschinformationen gestellt zu haben. »Ich glaube, dass die Produkte von Facebook Kindern schaden, Spaltung anheizen und unsere Demokratie schwächen«, sagte Whistleblowerin Francis Haugen. (Mehr dazu lesen Sie hier .) Der Konzern hat die Kritik zurückgewiesen.

Ressa: Noch nie sei es so schwer wie heute, ein Journalist

Ihre Ehrung mit dem Friedensnobelpreis nannte Ressa in einem weiteren Interview »eine globale Anerkennung der Rolle des Journalisten bei der Reparatur, der Wiederherstellung unserer kaputten Welt«. Noch nie sei es so schwer gewesen wie heute, ein Journalist zu sein, sagte die 58-Jährige der Nachrichtenagentur AFP. »Dies ist wirklich für alle Journalisten auf der ganzen Welt.«

Sie hoffe, dass der Nobelpreis sie und ihre Kollegen in ihrem Land vor physischen Angriffen und Bedrohungen im Netz schützen werde. »Ich hoffe, dies erlaubt es den Journalisten, ihre Arbeit gut und ohne Angst zu erledigen«, sagte Ressa.

Ressa hatte 2012 auf den Philippinen mit Kollegen das Investigativmedium »Rappler« gegründet. Laut Nobelkomitee kämpft sie so gegen »den Machtmissbrauch und den wachsenden Autoritarismus in ihrem Heimatland«. »Rappler« habe unerschrocken über die »umstrittene, mörderische Antidrogenkampagne« von Präsident Rodrigo Duterte berichtet, die »einem Krieg gegen die eigene Bevölkerung gleichkommt«.

Die philippinischen Behörden gehen auch gerichtlich gegen Ressa vor. Die ehemalige CNN-Korrespondentin ist derzeit nur gegen Kaution auf freiem Fuß. Ihr drohen wegen Verleumdung bis zu sechs Jahre Gefängnis – ein Schicksal, das Dutzenden Medienschaffenden weltweit droht.

irb/AFP/Reuters
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