Datenverarbeitung Microsoft kündigt Cloud-Dienste aus Deutschland an

Cloud-Dienste werden von deutschen Unternehmen nur zögerlich angenommen - auch wegen rechtlicher Bedenken. Microsoft will diesen nun entgegenkommen und eine deutsche Datenwolke anbieten. Die soll für die Kunden teurer werden.

Microsoft-Chef Satya Nadella: Setzt voll auf die Cloud
AP/dpa

Microsoft-Chef Satya Nadella: Setzt voll auf die Cloud


Microsoft will den Kunden seiner Cloud-Dienste künftig anbieten, ihre Daten in Deutschland zu speichern statt in den USA. Dafür wird der Softwarekonzern zwei Rechenzentren der Deutschen Telekom in Frankfurt am Main und in Magdeburg nutzen, kündigte Microsoft-Chef Satya Nadella am Mittwoch in Berlin an.

Unternehmen könnten sich damit in Zukunft entscheiden, ob sie globale Lösungen oder Services aus deutschen Rechenzentren nutzen wollten. Als Treuhänder kann die Telekom-Tochter T-Systems International den Zugang zu den Kundendaten kontrollieren und überwachen.

Microsoft habe bei dieser Konstruktion keinerlei Zugriff auf die Daten, die auf ihren Servern gespeichert werden, betont das Unternehmen. Für diese rechtliche Absicherung wird ein noch nicht bezifferter Aufpreis fällig.

Die Hardware gehört Microsoft

Mit dem neuen Angebot reagiert Microsoft auf Sicherheitsbedenken vieler Kunden, die Microsofts Geschäft mit Cloud-Angeboten ausbremsen. Cloud Computing bedeutet, dass Programme nicht auf einem lokalen Rechner laufen, sondern irgendwo in einem Rechenzentrum. Die Hardware in Frankfurt und Magdeburg, die in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres sukzessive den Betrieb aufnehmen soll, gehört Microsoft.

Der Konzern verwendet weltweit die gleiche Technologie und die gleiche Architektur für seine Cloud-Services. So soll sichergestellt werden, dass überall die gleiche Servicequalität geboten werden kann. Die Rechenzentren selbst werden aber von der Telekom betrieben.

Start in einem Jahr

"Das ist ein bedeutender Schritt in die künftige Rolle des Cloud-Computings", sagte Nadella in Berlin. Die Treuhänder-Konstruktion gewährleiste, "dass die Kundendaten in Deutschland bleiben". Cloud-Dienste seien für Unternehmen und Startups entscheidend, um künftig weiteres Wachstum zu generieren. Microsoft sei das erste Unternehmen, das ein solches Modell anbietet, der Dienst soll ab der zweiten Jahreshälfte 2016 angeboten werden. Auch Microsoft-Konkurrent Amazon bietet Cloud-Dienste aus einem Rechenzentrum in Deutschland an, allerdings ohne eine Treuhänder-Option.

Keine Reaktion auf Safe-Harbor-Urteil

"Wir übernehmen die Rolle des Treuhänders für die Daten der Kunden von Microsoft", erklärte Anette Bronder von T-Systems. Damit könnten diese sich für ein Datenschutzniveau entscheiden, "das die Anforderungen deutscher Unternehmen und vieler Kunden des öffentlichen Sektors erfüllt".

Für Endkunden ist die neue Wahlmöglichkeit allerdings nicht gedacht. Laut Microsoft richtet sich das Angebot der Datenverarbeitung in Deutschland an deutsche und europäische "Organisationen und Unternehmen in datensensiblen Bereichen wie dem öffentlichen Sektor, dem Finanz- oder dem Gesundheitssektor".

Mit dem Safe-Harbor-Urteil der Europäischen Gerichtshofs (EuGH), habe das neue Angebot nichts zu tun, sagt Microsofts Interims-Deutschlandchef Alexander Stüger. Der EuGH hatte im Oktober die Regelung zum Austausch von Daten zwischen den USA und der EU für ungültig erklärt. Vielmehr reagiere man schlicht auf eine steigende Nachfrage nach Cloud-Diensten.

mak/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
archi47 11.11.2015
1. Problem ist nicht der Serverstandort
Das Problem ist die Herrschaft über das Ganze. Im fränkischen git es den Spruch: "Wie der Herr, so dess Gscherr", wie der Herr, so das Geschirr - war ursprünglich auf die Religionszughörigkeit der Untertanen bezogen. Nun ist Microsoft der NSA/USA gestzlich und vertraglich untertan und ich glaube nicht daran, daß in derem Netz eine rechtliche Aufspaltung in deutsches Recht hier und US-Recht für den großen Rest machbar und auch zulässig ist. Dem stehen doch schon US-Gesetze entgegen...
stimmvieh_2011 11.11.2015
2. Klar, hat nix mit Safe Harbor zu tun. Ich schwör! ;)
Hier geht es doch darum, das abgekündigte Safe Harbor für die Geschäftswelt umzusetzen, während der Privatkunde weiterhin zu einer Datenübermittlung in die USA gezwungen wird. Absicht: Keil zwischen Privat- und Geschäftsinteressen treiben, da die Privatleute keine Lobby bei der EU haben. Hätte es wirklich nix mit dem Gerichtsurteil zu tun, wäre das Projekt nicht erst in einem Jahr fertig. Für dumm verschaukeln braucht uns Microsoft nicht.
Markus Frei 11.11.2015
3. Amüsant
Also gerade Deutschland als "sicheren" Standort verkaufen zu wollen grenzt ja schon an Satire. Gabs da nicht mal einen "NSA-Skandal" ? Deutsche Geheimdienste leiten eh alles an NSA & Co weiter, völlig wurscht ob erlaubt oder nicht. Würde Microsoft das Thema Sicherheit ernst meinen würde man Island als Standort wählen.
shardan 11.11.2015
4. Sorry MS, witzlos!
Die amerikanische Gesetzgebung und die dortigen Gerichte haben sehr klar und unmissverständlich geurteilt: Wenn die US-Dienste Daten haben wollen, muss MS liefern - auch aus Servern in Deutschland, auch wenn es sich um die deutsche MS-Tochter handelt. Damit ist die MS-Cloud - wie die meisten anderen - schlicht außerhalb jeder Diskusionswürdigkeit, sowohl für private als auch für geschäftliche Daten. Merke: Die Cloud heißt Cloud, weil man da alles klaut.... So richtig verstehen kann ich das ohnehin alles nicht. Smartes Haus - schön, aber warum muss das auf einer Internet-Cloud laufen? Jedes Telefon, mittlerweile fast jede neue Software von Office über Bildbearbeitung bis zur Datensicherung, alles erzwingt das Anlegen eines Kontos beim Hersteller und damit automatisch einen Cloud-Zugang. Selbst einige Fernsehgeräte wollen nicht so recht ohne Internetzugang und Benutzerkonto. Eine technische Notwendigkeit dafür besteht nicht im Entferntesten.
emobil 11.11.2015
5. stimmt!
Zitat von archi47Das Problem ist die Herrschaft über das Ganze. Im fränkischen git es den Spruch: "Wie der Herr, so dess Gscherr", wie der Herr, so das Geschirr - war ursprünglich auf die Religionszughörigkeit der Untertanen bezogen. Nun ist Microsoft der NSA/USA gestzlich und vertraglich untertan und ich glaube nicht daran, daß in derem Netz eine rechtliche Aufspaltung in deutsches Recht hier und US-Recht für den großen Rest machbar und auch zulässig ist. Dem stehen doch schon US-Gesetze entgegen...
Ich werde trotzdem nichts auf clouds ablegen und schon gar nicht von dort abrufen: clouds sind von den widerwärtigsten Hackern inzwischen als prima Schadsoftwareschleudern entdeckt worden! http://www.heise.de/newsticker/meldung/Cloud-Computing-Nie-war-es-so-einfach-sich-einen-Trojaner-einzufangen-1950540.html Und schon gar nichts lege ich was bei M$ ab - die schöpfen ja eh alle Daten (und noch viel mehr) inzwischen über ihre Spy-Software WIN 10. Frage mich nur, was die damit eigentlich alles machen und wo da der Gewinn liegt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.