Mobile Connect Telekom, Telefónica und Vodafone werben gemeinsam für Log-in-Dienst

Bei Onlineportalen ohne Mail-Adresse und Passwort anmelden: Das verspricht das Log-in-Verfahren Mobile Connect. Drei sonst meist konkurrierende Mobilfunkfirmen rühren dafür nun die Werbetrommel.

Anmelden per Mobilfunknummer: Das bietet das neue Angebot Mobile Connect
Fernando Gutierrez-Juarez / DPA

Anmelden per Mobilfunknummer: Das bietet das neue Angebot Mobile Connect


Die führenden deutschen Netzbetreiber steigen Seite an Seite in den Wettstreit der Log-in-Plattformen ein. Die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica haben am Montag offiziell den Dienst Mobile Connect gestartet, der bei bestimmten Webangeboten eine Anmeldung per Mobilfunknummer ermöglicht - ganz ohne Eingabe einer E-Mail-Adresse oder eines Passworts.

Das Log-in-Verfahren nutzt die persönliche Handynummer, um Anwender bei Interneteinkäufen oder Anmeldungen bei Onlineportalen eindeutig zu identifizieren. Für den Kunden kann das praktisch sein, da er sich kein Passwort mehr merken muss - oder auch ärgerlich, falls mal jemand auf das eigene Handy beziehungsweise dessen SIM-Karte zugreifen kann.

Mobile Connect arbeitet zum Start mit der Identitätsplattform Verimi zusammen, heißt es, wobei diese Kooperation ursprünglich bereits Anfang 2018 angekündigt wurde. Damals war die Einführung des Angebots "demnächst" und noch für das Jahr 2018 geplant. Bei Verimi wird Mobile Connect jetzt dazu verwendet, Kunden die zusätzliche Anmeldung per Mobilfunkrufnummer zu bieten.

Verimi konkurriert mit NetID

Verimi wird von Großunternehmen wie der Deutschen Telekom, der Allianz, der Deutschen Bank, Lufthansa und dem Medienkonzern Axel Springer getragen. Außerdem sind Konzerne wie die Deutsche Bahn und Volkswagen mit an Bord. Das Angebot konkurriert mit der Plattform NetID, hinter der die Fernsehkonzerne ProSiebenSat.1 und RTL sowie United Internet mit seinen Marken GMX und Web.de stehen.

Verimi und NetID haben ambitionierte Ziele, sie standen aber auch schon in der Kritik. Die Dienste sollen unter anderem als Gegengewicht zu amerikanischen Plattformen etabliert werden, die bislang wohl deutlich mehr Nutzer an ihre Log-in-Services binden konnten.

Facebook, Google und Twitter etwa bieten ihren Nutzern schon lange die Möglichkeit an, sich mit ihren Account-Daten auf verschiedenen Seiten anzumelden. Auch Apple will seinen Kunden demnächst einen eigenen Log-in-Dienst zur Verfügung stellen.

Alternative zu Systemen mit Passwörtern

Die Identifikation des Kunden erfolgt bei Mobile Connect über das Handy. Nach Eingabe der Mobilfunknummer auf einer Website wird eine SMS an das Mobiltelefon des Kunden geschickt - einen alternativen, besser gesicherten Übertragungsweg scheint es zunächst nicht zu geben. Über den in der Textnachricht integrierten Link bestätigt der Kunde auf seinem Smartphone den Erhalt der SMS.

Die Bestätigung erlaube dem Netzbetreiber die verschlüsselte Übermittlung einer "pseudonymisierten Kundenreferenznummer" an den Portalbetreiber, heißt es in einer Erklärung des Verfahrens durch die Telekom. So könne der Betreiber "den Kunden immer wieder zuordnen" und ihm auch ohne Passwort Zugang zum Onlineportal gewähren.

"Das neue Log-in-Verfahren bringt Kunden sicher in den Shop und schnell zum Kauf", wird im Telekom-Text weiter von Mobile Connect geschwärmt. Das Ergebnis seien angeblich "höhere Abschlussquoten, mehr Umsatz und geringeres Betrugsrisiko".

Zur Zukunft von Mobile Connect heißt es allgemein: "Weitere Authentifizierungsmethoden und neue Verfahren sollen mehr Bedienkomfort und -geschwindigkeit bringen." Die Unternehmen würden das Angebot kontinuierlich "auch wachsenden Sicherheitsanforderungen" anpassen.

Mobile Connect ist ein Standard der GSM Association (GSMA). Nach Angaben dieser Industrievereinigung haben ihn bereits 70 Netzbetreiber in fast 40 Ländern eingeführt. Das Verfahren lässt sich auch als "zweiter Faktor" im Rahmen einer Zwei-Faktor-Authentifikation nutzen, heben die Anbieter hervor - als zusätzliche Absicherung, ergänzend zum Passwort.

mbö/dpa

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
tafka_neowave 12.08.2019
1. Ich schätze,
Ich schätze, es werden sich wieder einmal genügend Dumme finden lassen, die sich für nahezu nichts aufgeben und mit ihren Daten anderen die Taschen voll machen. Nur zu... ist ein Schnäppchen!
Georg_Alexander 12.08.2019
2. Gab es da nicht schon einmal eine technische Lösung?
Die nannte sich elektronische Identifizierung per Personalausweis (eID). Dies wurde jedoch derart diletantisch umgesetzt (und wohl nicht ohne Hintergedanken von der kommerziellen Seite ignoriert, um nicht zu sagen boykottiert), dass dieser Ansatz faktisch bereits 'gestorben' ist. Schade.
frenchie3 12.08.2019
3. Echt klasse
Jetzt muß man nur noch das Handy klauen um abzuräumen, was eine Erleichterung. Wie viele Handys gehen mit einfachem Wischen auf....
stabilobacter 12.08.2019
4. mee too
war schon immer die schlechteste Marketingstrategie. warum soll das hier anders sein. mehr Kundenorientierung ermöglicht auch neue Produkte. keine Sorge. der Markt bestraft Dilentantismus unerbittlich. in dem Bereich wirkt er noch. daher: alles wird gut!
jsr+spiegel 14.08.2019
5. Ein Horror
Also sind zukünftig alle Logins, die jemand damit einrichtet indirekt über die Telefonnummer mit Klarnamen. Da werden sich die Klarnamenfans aus der CDU (Schäuble und AKK in erster Reihe) aber drüber freuen... Für alle, die sich über Logins ärgern: Ein Passwortmanager die KeepassXC läuft auf allen Geräten, kann synchronisiert werden, man kann seine Passworter Ordnen und zur Not in unterschiedlichen Datenbanken lagern und es ist kein Problem mehr lange, komplexe Passwörter zu generieren und zu nutzen.
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