Für neue Bezahlmöglichkeit Moskauer Metro führt Gesichtserkennung ein

Ein kurzer Blick in die Kamera und ab zum Zug: Wer dem neuen System traut, kann seine Nahverkehrsfahrten in Moskau künftig per Gesichtserkennung abrechnen lassen. Bürgerrechtler sind skeptisch.
Metro-Station in Moskau: Das neue System heißt Face Pay

Metro-Station in Moskau: Das neue System heißt Face Pay

Foto: NATALIA KOLESNIKOVA / AFP

Wer in Moskau mit der Metro fährt, kann seit Freitag auch per Gesichtserkennung bezahlen: Die russische Hauptstadt hat mit der Einführung der umstrittenen Technologie im Nahverkehr begonnen. »Um in die Metro zu kommen, brauchen Passagiere weder eine Karte noch ein Smartphone, sie müssen nur in die Kamera am Drehkreuz schauen«, erklärte der für Verkehr zuständige stellvertretende Bürgermeister Maxim Lixutow.

Auch Bürgermeister Sergej Sobjanin warb auf Twitter für das neue System , das an mehr als 240 Stationen genutzt werden kann. Er schrieb, wer mitmachen wolle, müsse sein Foto hochladen und außerdem seine Bankkarte sowie seine Troika-Karte – eine Karte für Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln – per App mit dem neuen System verknüpfen.

Sobjanin gibt an , Moskau sei die erste Stadt weltweit, die die Face Pay genannte Bezahlmethode in einem solchen Umfang einführe. Die Technologie sei neu und komplex, man wolle weiter an ihrer Verbesserung arbeiten.

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Die Moskauer Behörden rechnen damit, dass Face Pay in den kommenden zwei bis drei Jahren von zehn bis 15 Prozent der Fahrgäste genutzt werden wird . Steige das Interesse, werde man nach und nach mehr Drehkreuze mit der Technologie ausrüsten, so Maxim Lixutow. Er betonte aber auch, die Anmeldung für das Bezahlen per Gesichtserkennung sei freiwillig. Bisherige Alternativen würden weiter angeboten.

Die Nutzung des neuen Bezahlsystems ist freiwillig

Die Nutzung des neuen Bezahlsystems ist freiwillig

Foto: NATALIA KOLESNIKOVA / AFP

Die Behörden erhoffen sich von Face Pay eine Beschleunigung der Abläufe in Moskaus weit verzweigtem Metro-System. Sie äußerten zudem das Versprechen, dass die Daten verschlüsselt werden und die Kamera lediglich einen »biometrischen Schlüssel« erkennt, nicht das Gesicht des Fahrgastes. Fotos, die Bürgerinnen und Bürger für Services wie Face Pay zur Verfügung stellen, sollen nicht an die Polizei weitergegeben werden, hieß es außerdem .

Bürgerrechtler warnen vor dem neuen System

Technologien zur Gesichtserkennung haben sich in den vergangenen Jahren in Russland stark ausgebreitet. In Dutzenden Moskauer Supermärkten kann bereits mit dem Gesicht bezahlt werden. Genutzt wurde Gesichtserkennung von den Behörden auch zur Durchsetzung von Lockdown-Maßnahmen. Menschenrechtsaktivisten warnen daher vor einer zunehmenden Anwendung der Technologie, sie befürchten langfristig mehr staatliche Überwachung der Bürgerinnen und Bürger.

»Dies ist ein gefährlicher neuer Schritt in Russlands Streben nach Kontrolle über seine Bevölkerung«, sagte laut der Zeitung »The Guardian«  Stanislav Shakirov, der Gründer der Gruppe Roskomsvoboda, die sich für Bürgerrechte einsetzt. »Wir nähern uns autoritären Ländern wie China an, die den Umgang mit Gesichtserkennungstechnologie bereits beherrschen.« Die Moskauer Metro sei eine staatliche Einrichtung, so Shakirov, daher könnten seiner Einschätzung nach alle Daten in den Händen der Sicherheitsdienste landen.

In der EU und den USA ist Gesichtserkennungstechnologie seit Jahren umstritten. In Deutschland beispielsweise erregte ein Test der Technologie für Überwachungszwecke am Berliner Bahnhof Südkreuz bundesweit Aufsehen. Einen ausführlichen Artikel über die zunehmende Bedeutung von Gesichtserkennungs-Datenbanken lesen Sie hier .

mbö/AFP
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