SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

23. Dezember 2014, 15:41 Uhr

Snowden-Enthüllung

Geheimdienste konnten trotz Überwachung Mumbai-Attentat nicht verhindern

Britische, amerikanische und indische Geheimdienste sollen den Mumbai-Attentätern auf der Spur gewesen sein, berichtet die "New York Times". Trotz Hightech-Überwachung schlugen die Terroristen zu und töteten 166 Menschen.

Die Attentäter, die 2008 von Pakistan ins indische Mumbai einfielen und 166 Menschen töteten, wurden bei ihren Planungen offenbar von Geheimdiensten überwacht. Das berichtet die "New York Times" unter Berufung auf von Edward Snowden geleakte Dokumente.

Der britische Geheimdienst GCHQ, ein indischer und ein amerikanischer Geheimdienst haben demnach Schlüsselfiguren des Anschlags im Vorfeld elektronisch überwacht. Ehemalige Mitarbeiter britischer und indischer Geheimdienste haben dies der "New York Times" bestätigt.

Trotzdem konnten die Terroristen zuschlagen. Vor allem die Briten sollen sich Zugang zur Kommunikation von Zarrar Shah, einem der Anschlagsplaner, verschafft haben. Doch die Hinweise auf den Anschlag seien nicht stichhaltig genug gewesen, um Indien zu informieren.

Nachträglich sollen die drei Geheimdienste alle möglichen verdächtigen Informationen in ihren Datenspeichern gefunden und zusammengeführt haben. Da war es aber schon zu spät. Aus abgehörten Telefonaten und kopierten E-Mails ging der Anschlagsplan hervor. Der britische Geheimdienst soll aufgezeichnet haben, wie die Terroristen mithilfe von Google-Karten ihren Angriff vorbereiteten.

Offenbar, so berichtet es die Zeitung, saßen die Geheimdienste auf einem riesigen Datenberg, unfähig, die Hinweise miteinander zu verknüpfen. Die elektronische Überwachung führte also nicht dazu, den Terroranschlag zu verhindern. Dafür konnte er nachträglich sehr genau rekonstruiert werden.

ore

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung