Snowden-Enthüllung Geheimdienste konnten trotz Überwachung Mumbai-Attentat nicht verhindern

Britische, amerikanische und indische Geheimdienste sollen den Mumbai-Attentätern auf der Spur gewesen sein, berichtet die "New York Times". Trotz Hightech-Überwachung schlugen die Terroristen zu und töteten 166 Menschen.

Rauch und Flammen in Mumbai 2008: Wie viel wussten die Geheimdienste?
AFP

Rauch und Flammen in Mumbai 2008: Wie viel wussten die Geheimdienste?


Die Attentäter, die 2008 von Pakistan ins indische Mumbai einfielen und 166 Menschen töteten, wurden bei ihren Planungen offenbar von Geheimdiensten überwacht. Das berichtet die "New York Times" unter Berufung auf von Edward Snowden geleakte Dokumente.

Der britische Geheimdienst GCHQ, ein indischer und ein amerikanischer Geheimdienst haben demnach Schlüsselfiguren des Anschlags im Vorfeld elektronisch überwacht. Ehemalige Mitarbeiter britischer und indischer Geheimdienste haben dies der "New York Times" bestätigt.

Trotzdem konnten die Terroristen zuschlagen. Vor allem die Briten sollen sich Zugang zur Kommunikation von Zarrar Shah, einem der Anschlagsplaner, verschafft haben. Doch die Hinweise auf den Anschlag seien nicht stichhaltig genug gewesen, um Indien zu informieren.

Nachträglich sollen die drei Geheimdienste alle möglichen verdächtigen Informationen in ihren Datenspeichern gefunden und zusammengeführt haben. Da war es aber schon zu spät. Aus abgehörten Telefonaten und kopierten E-Mails ging der Anschlagsplan hervor. Der britische Geheimdienst soll aufgezeichnet haben, wie die Terroristen mithilfe von Google-Karten ihren Angriff vorbereiteten.

Offenbar, so berichtet es die Zeitung, saßen die Geheimdienste auf einem riesigen Datenberg, unfähig, die Hinweise miteinander zu verknüpfen. Die elektronische Überwachung führte also nicht dazu, den Terroranschlag zu verhindern. Dafür konnte er nachträglich sehr genau rekonstruiert werden.

ore

Mehr zum Thema


insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fleischwurstfachvorleger 23.12.2014
1. Big Data
Genau das ist das Dilemma: man (die Geheimdienste) sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Und was ist die Antwort der Geheimdienste darauf? Sie brauchen / wollen noch mehr Daten und behaupten frech, mit ihrer Totalüberwachung würden sie Menschenleben retten. Zerschlagt diese Kraken, ehe sie uns in den Abgrund ziehen.
Chatzi 23.12.2014
2. Na Klasse!
Und was sagt uns das? Auch wenn diverse Geheimdienste Datenberge sammeln, können sie damit kaum etwas anfangen, wenn sie nicht rechtzeitig ausgewertet und vor allem geteilt werden! Sicher war es in den USA genauso, kurz vor dem 11. September. Sie hatten viele Hinweise und Daten, aber waren arrogant genug zu glauben, eine Grossmacht wie die USA greift keiner auf ihrem eigenen Territorium an. Na ja, in Pearl Harbour ists ja schon 50 Jahre vorher auch schon passiert und auf das WTC wurde auch schon in den 90ern ein Anschlag verübt. Also ist die Sammelwut wohl nur unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung begründet, in Wahrheit wird das eigene Volk stark kontrolliert und dessen Meinung ausgespäht, zur Sicherstellung des Machterhaltes der Regierenden. Ich kann auf so etwas gerne verzichten, sehr gerne sogar!
raptorx 23.12.2014
3. Zu viele Daten und zu ungenau !
Genau das ist das Problem, auch der NSA ! Keiner kann die wichtigen Daten gezielt erkennen ! Also: gezielt ! und verschlanken, stringend und NICHT alle überwachen ! Dumm sein ist immer keine Kunst ! Die jetzige NSA ist wie ein Messi ! mehr nicht !
james-100, 23.12.2014
4.
Wissen Sie was das schlimme daran ist? Viele Überwachungsfanatiker glauben auch noch daran, das nur eine absolut, wasserdichte Totalüberwachung Terroranschläge verhindert. Und jeder sollte sich mal Gedanken machen, wer, was oder welche Organisationen denn so nach solchen Anschlägen profitieren.
WwdW 23.12.2014
5. der einzigste Schluss den man ziehen muß
ist die Daten in ein Riesenrechenzentrum zu packen, das den Stromverbrauche eines 100 Millionen Einwohner Staates hat und in 10 Jahren den Etat eines Jahresetats aller Staaten dieser Welt verschlingt, um es dann mit BigData in Realtiome auszuwerten. Das kann die einzigste Schlussfogerung sein, die ein Geheimdienst daraus zieht. Alles andere wäre unlogisch. Aus dem Grund gehören sie alle dicht gemacht und das Geld lieber in Projekte gesteckt, das Extremismus reduziert und damit wesentlich effektiver verhindert als jegliche Geheimdiensttätigkeit.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.