Nach Pegasus-Enthüllungen NSO Group blockiert angeblich mehrere Kunden

Die israelische Regierung untersucht das Geschäftsgebaren der umstrittenen NSO Group. Ein Mitarbeiter sagte einem US-Sender, einige Regierungskunden seien derzeit gesperrt – wegen des Verdachts auf Missbrauch der Technik.
NSO Group: »In fast allen Fällen, die wir geprüft haben, fanden wir keine Verbindung zu Pegasus«

NSO Group: »In fast allen Fällen, die wir geprüft haben, fanden wir keine Verbindung zu Pegasus«

Foto: JOEL SAGET / AFP

Das Pegasus-Projekt geht auch am Hersteller von Pegasus nicht spurlos vorbei: Die NSO Group aus Israel hat am Mittwoch Besuch von den Behörden ihres Landes bekommen – »um die Vorwürfe gegen das Unternehmen zu überprüfen«, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Zudem sagte ein NSO-Mitarbeiter dem US-Radiosender NPR , mehrere Regierungskunden seien derzeit vom Zugriff auf Pegasus ausgeschlossen. Das Unternehmen untersuche, ob sie Pegasus missbraucht hätten.

»Wir untersuchen einige unserer Kunden, manche davon wurden vorübergehend suspendiert«, sagte die Person laut NPR. Details wie die Namen der Kunden nannte sie nicht, das würden israelische Vorschriften verbieten. Da NSO derzeit offiziell einen Presseboykott ausgerufen hat, wollte die Person anonym bleiben. Ihre Aussagen sind damit nicht offiziell bestätigt.

NSO kooperiere vollständig mit der staatlichen Untersuchung, sagte die Person weiter, man wolle den Beamten beweisen, dass die in den Medien genannten Personen keine Pegasus-Ziele waren. Man habe einige der Mobilfunknummern überprüft, die laut der am Pegasus-Projekt beteiligten Medien mindestens potenzielle Ziele waren. Das Ergebnis: »In fast allen Fällen, die wir geprüft haben, fanden wir keine Verbindung zu Pegasus«. Zu den anderen Fällen, in denen es möglicherweise doch eine Verbindung zu Pegasus gab, machte sie keine Angaben.

Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben 60 Kunden in 40 Ländern, allesamt Geheimdienste, Strafverfolgungsbehörden und Militäreinrichtungen. Es betont immer wieder, Pegasus werde nur im Kampf gegen Kriminelle und Terroristen eingesetzt. Wer unter diese Definition fällt, legt allerdings die jeweilige Regierung fest.

Eine Sperre für den Zugang zu Pegasus gegen NSO-Kunden wäre wohl nichts gänzlich Neues. Im Ende Juni veröffentlichten »Transparency and Responsibility Report«  des Unternehmens heißt es, seit 2016 seien fünf Kunden »vom System getrennt« worden. In dem Bericht steht ebenfalls, die Zusammenarbeit mit fünf Kunden sei beendet worden, weil sie gegen Menschenrechte verstoßen hätten. Ob es sich um dieselben fünf handelte, geht aus dem Bericht nicht hervor. Dafür verweist NSO auf die eigenen Umsatzverluste: Die Kündigungen hätten das Unternehmen geschätzt 100 Millionen Dollar Umsatz gekostet.

pbe
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