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Netz-Hohn nach Wulff-Interview ZDF-Journalistin Schausten und die 150 Euro

Als Journalist sollte man sich in Interviews nicht auf Gegenfragen einlassen. Bettina Schausten, Leiterin des ZDF-Hauptstadtbüros, hatte das im Gespräch mit Bundespräsident Wulff vorübergehend wohl vergessen. Nun wird sie selbst zum Ziel von Spott im Netz - und wehrt sich dagegen.

Berlin - Für manche wäre es ein Ritterschlag, für Bettina Schausten, Leiterin des ZDF-Hauptstadtbüros, ist es dann wohl doch eher unangenehm: Seit Donnerstagmittag ist der Name der Journalistin, die am Mittwoch gemeinsam mit ihrem ARD-Kollegen Ulrich Deppendorf Bundespräsident Christian Wulff befragen durfte, "trending topic" bei Twitter, also einer der derzeit meistbenutzten Begriffe in dem Kurznachrichten-Internetdienst. Und das liegt nicht daran, dass Schausten so knallhart nachgefragt hätte. Es liegt an dieser Passage des Gesprächs, in der es um Wulffs Urlaubsaufenthalte in den Ferienhäusern von Freunden ging:

Wulff: "Da erhebe ich auch keine Rechnung, wenn mich die Freunde hier in Berlin besuchen."

Schausten: "Hm, aber da hätten Sie natürlich auch sagen können: 'Ich geb' euch mal pro Nacht 150 Euro!'. Was spricht dagegen eigentlich?"

Wulff: "Machen Sie das bei Ihren Freunden so?"

Schausten: "Ja!"

Wulff: "Dann unterscheidet Sie das von mir, in dem Umgang mit den Freunden."

Der Bundespräsident hatte die Journalistin überrumpelt, sie ließ sich zu einer zumindest anfechtbaren Antwort hinreißen, und das bringt ihr nun Spott und Hohn ein. Einen der ersten Schausten-Witze platzierte schon am Mittwochabend der Mediendienst DWDL über seinen Twitteraccount. Nicht ohne Seitenhieb auf die TV-Gebühren, von denen Schaustens Gehalt bezahlt wird: "150 Euro die Nacht? Wir dachten, Bettina Schausten kostet 17,96 Euro im Monat".

Seitdem türmt sich Schausten-Witz auf Schausten-Witz, von originelleren Varianten wie "Potential zum Wort des Jahres: Wann Schausten vorbei?" über einen Querverweis zum nicht nur bei Twitter populären "Chuck-Norris-Witz"-Mem ("Chuck Norris darf bei Bettina Schausten umsonst übernachten") bis hin zu einer überwiegend von glühenden Christian-Wulff-Fans bevölkerten Facebook-Gruppe namens "Fr. Schausten muss ihre bezahlten Übernachtungen bei Freunden offenlegen", die immerhin bereits mehr als 3600 Nutzer aufweist. Etwas heiterer geht es in der Gruppe "Übernachte bei Bettina Schausten" zu (über 850 Mitglieder). Diverse Facebook-Nutzer bieten dort Schlafplätze ("inkl. Frühstück!") feil. Vielerorts wird gefragt, ob Schausten wohl Mitglied bei einem Mitwohn-Dienst wie AirBnB oder 9flats sei.

Schausten: "Die Welle, die durch das Internet ging, fand ich amüsant"

Bettina Schausten selbst gibt sich am Donnerstagabend gelassen. "Die Welle, die da heute durch das Internet ging, fand ich amüsant", sagte die Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. "Ich darf Ihnen sagen: Nein, ich nehme kein Übernachtungsgeld von Freunden, die auf meiner Gästematratze übernachten. Darum ging es in dem Interview mit Wulff aber auch nicht."

Schausten erklärte den Widerspruch zu ihrer Aussage beim Interview so: "Es ging im Gesprächskontext nicht um mich, sondern um die Frage, ob man als Ministerpräsident wirklich kostenlosen Urlaub bei Millionärsfreunden annehmen darf." Der Bundespräsident habe versucht, das ganze Thema auf die Ebene von normalen Besuchen bei Freunden herunterzubrechen. Sie habe sich dabei den Einwand erlaubt, dass man bei Urlaubsaufenthalten selbstverständlich auch Freunden anbieten könne, einen finanziellen Beitrag zu leisten, betonte Schausten. Das habe sie in der Vergangenheit auch selbst schon getan.

Die Häme gegen sich am Donnerstag habe sie wahrgenommen, sagte die ZDF-Moderatorin. "Ich hatte mit dem journalistischen Ertrag des Interviews heute allerdings mehr zu tun." Die Entwicklung im Fall Wulff gehe weiter. "Der Bundespräsident hat neue Maßstäbe in Sachen Transparenz versprochen und wird sich daran messen lassen müssen."

Zunächst hatte Bettina Schausten jeden Kommentar zu dem Thema abgelehnt. Das hatte das ZDF auf Anfrage des "Kölner Stadtanzeigers" mitgeteilt: "Frau Schausten wird sich zu der 150-Euro-Frage nicht äußern, da das Thema der Stunde der Bundespräsident ist und nicht die privaten Gepflogenheiten von Frau Schausten."

Dem einen oder anderen ist die Witzelei längst zu viel. Twitterer André Pechmann etwa flehte am Donnerstag : "Achtung, Achtung: Witze über Bettina Schausten und diverse Übernachtungsportale sind ab sofort nicht mehr witzig. Danke!"

cis/bos/dpa