Netzausbau bis 2025 Bundesregierung legt Fahrplan für Internet der Zukunft vor

Bei zukunftsfähigen Netzen hinkt Deutschland hinterher. Am Dienstag hat Verkehrsminister Alexander Dobrindt mit Vertretern aus der Wirtschaft neue Ziele für den Internetausbau formuliert.
Netzwerkkabel in einem Serverraum

Netzwerkkabel in einem Serverraum

Foto: Sven Hoppe/ picture alliance / dpa

Beim Ausbau der digitalen Netzinfrastruktur in Deutschland soll künftig der Fokus nicht mehr so sehr auf höheren Übertragungsgeschwindigkeiten liegen. Darauf einigten sich Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und Vertreter aus der Wirtschaft am Dienstag nach dem sechsten Treffen der sogenannten Netzallianz Digitales Deutschland  in Berlin. Gemeinsam erarbeiteten sie eine Art Fahrplan in Richtung "Gigabit-Gesellschaft".

Mit einer "Gigabit-Gesellschaft" meint Dobrindt eine nahtlos vernetzte Gesellschaft, in der Daten in Echtzeit, sicher, energieeffizient und mit hoher Bandbreite zur Verfügung stehen. Die digitale Infrastruktur solle dabei flexibel und je nach den Bedürfnissen und Anwendungen der Nutzer verfügbar sein, so der Verkehrsminister. So würden künftig etwa beim automatisierten Fahren Daten über das Netz übertragen.

"Es werden nicht nur neue Anwendungen entstehen, sondern die Qualität der Netze wird sich grundlegend ändern", sagte Dobrindt. "Netze werden eine eigene Intelligenz haben." Zurzeit würden Netze vorwiegend als Transportmittel betrachtet, die Netze der Zukunft könnten allerdings selbst Daten verarbeiten. "Und das nicht irgendwo, sondern möglichst nah an dem Standort, an dem sich die Anwender befinden", so Dobrindt. Deshalb seien Sicherheit und Energieeffizienz zentrale Aspekte beim Ausbau der Netzinfrastruktur, genauso werde es um die Frage der Latenzzeiten gehen.

Auch die Bandbreite sei wichtig, fügte Professor Manfred Hauswirth vom Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (Fokus) hinzu, jedoch nicht allein ausschlaggebend. So müsse etwa eine höhere Kommunikationsdichte ermöglicht werden; auch geeignete Geräte müssten zur Verfügung stehen.

Neue Ziele für den Internetausbau

Eine solch "gigabitfähige konvergente Infrastruktur" soll bis Ende 2025 realisiert werden, sagte Dobrindt. Die Pläne für den Netzausbau verlaufen dabei in drei Phasen. Im ersten Schritt soll sich jeder Bürger bis Ende 2018 mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) im Internet bewegen können, wie es bereits im Koalitionsvertrag von Union und SPD vorgesehen ist. Aktuelle Zahlen lassen allerdings daran zweifeln, dass dies bis Ende 2018 gelingt.

Dobrindt sieht die Umsetzung trotzdem auf einem "exzellenten Weg". Er verwies auf Investitionen der Netzbetreiber von je acht Milliarden Euro in den Jahren 2015 und 2016. Genauso habe der Bund bereits vier Milliarden Euro investiert. "Angesichts der Bedeutung der digitalen Infrastruktur für die Zukunfts- und Innovationsfähigkeit Deutschlands" sagte der Bund zu, seine Fördermittel "bedarfsgerecht" weiter zu erhöhen.

Im nächsten Schritt soll bis Ende 2019 ein Sonderförderprogramm den Mittelstand mit höheren Bandbreiten ausstatten. Auf diese Weise soll vor allem kleinen Firmen der Anschluss zu schnellem Internet ermöglicht werden. Bis Ende 2020 will die Regierung schließlich die Voraussetzungen für die Umsetzung des geplanten 5G-Mobilfunknetzes schaffen.

Neue Diskussion über die Netzneutralität

Die Pläne der Netzallianz könnten die Debatte über die Netzneutralität wieder in Gang bringen. Beim Prinzip der Netzneutralität geht es darum, dass alle Internetprovider alle Daten gleichberechtigt und unabhängig von ihrem Ausgangspunkt, Ziel oder Datentyp durch das Netz schicken. Erst Ende August hatte die Berec  (Body of European Regulators for Electronic Communications), das Gremium der europäischen Regulierungsstellen für den Telekommunikationssektor, nach jahrelanger Debatte klarere Regeln zum Schutz der Netzneutralität beschlossen.

Nun müsse die Diskussion wieder eröffnet werden, sagte Thorsten Dirks, Präsident des Branchenverbandes Bitkom. "Wenn wir über industrielle Netze sprechen, werden wir Qualitätsklassen im Netz definieren müssen", so Dirks. Dies betreffe etwa die Telemedizin oder die Kommunikation autonomer Fahrzeuge. "Das ist etwas anderes, als wir derzeit im Internet für Konsumenten haben", sagte Dirks.

Ähnlich sieht das Telekom-Chef Timotheus Höttges: Es sei "völlig ineffizient", jeden beliebigen Netzdienst mit den hohen Anforderungen industrieller Netze zu versehen. Das hieße nicht, dass die Anwendung schlecht herüberkomme. Jeder Service müsse in guter Qualität gestellt werden und sich am tatsächlichen Bedarf orientieren.

acg/dpa/rtr
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