Netzausbau "Deutschland läuft Gefahr, zurückzufallen"

In Sachen Vernetzung hinkte Deutschland lange hinterher, inzwischen ist das Thema Chefsache. Höchste Zeit, findet Michael Ganser, Deutschland-Chef von Cisco, im Interview mit manager-magazin.de: Das Netz wird zum Medium für Videos, Spiele, Telearbeit und Telemedizin.


mm.de: Herr Ganser, Cisco setzt sich seit Jahren in der Breitbandinitiative der Bundesregierung für den Ausbau und die Verbreitung von Breitbandanschlüssen ein. Wie ist Ihr Fazit nach sechs Jahren?

Ganser: Es gab viele Jahre Fortschritte. Aber inzwischen muss man sagen, dass Deutschland Gefahr läuft, zurückzufallen. Deutschland ist innerhalb nur eines Jahres im Network Readiness Index der Technologienationen, den das Weltwirtschaftsforum erhebt, im Vergleich zu anderen Ländern vom 16. auf den 20. Platz abgerutscht. Wir gehören aber eigentlich auf einen Platz unter den Top Ten. Bisher sind 15 Millionen Haushalte immer noch nicht an das Breitbandinternet angeschlossen. Dabei ist das eine der wichtigsten Infrastrukturen für die Zukunft.

mm.de: Woran liegt es, dass es nicht vorangeht?

Ganser: Es hat lange an politischen Zielen gefehlt. Erst jetzt mit dem Konjunkturpaket II hat die Bundesregierung endlich den flächenmäßigen Ausbau von Hochgeschwindigkeitsnetzen im gesamten Bundesgebiet beschlossen. Das ist wichtig, denn ohne Informations- und Kommunikationstechnologie (ITK) geht es nicht weiter.

mm.de: Die Bundesregierung hat auch Mobilfunkfrequenzen für Breitbandnutzung freigegeben.

Ganser: Ja, das ist besonders wichtig, um den bisher unterversorgten ländlichen Raum für das schnelle Internet zu erschließen.

mm.de: Hat die Wirtschaftskrise ein Umdenken eingeleitet?

Ganser: Politisch hat sich schon ein wenig geändert. Es gibt jetzt eine Zielsetzung. Nun müssen noch Taten folgen.

mm.de: Was muss die neue Bundesregierung machen?

Ganser: Sie muss für ein sicheres Umfeld für die Unternehmen sorgen, das es beispielsweise der Telekom erlaubt, in den Ausbau des Netzes zu investieren. Gleichzeitig muss natürlich auch der Wettbewerb gesichert sein.

mm.de: Welches Land gilt als Vorbild?

Ganser: Natürlich sind die skandinavischen Länder immer ein Vorbild. Aufsehenerregend war die Entscheidung Australiens, 90 Prozent aller Australier mit einem 100-MBit-Breitband versorgen zu wollen. Die Regierung stellt dafür 43 Milliarden australische Dollar zur Verfügung. Hierzulande sollen die Haushalte mit nur 50 MBit versorgt werden. Australien hat die Wichtigkeit der ITK-Versorgung für die Zukunft verstanden. Wir brauchen den Ausbau des Breitbands, um für die Globalisierung gerüstet zu sein.



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