NetzDG und Facebook-Regeln Facebook entfernte 160.000 Hasskommentare im ersten Quartal

Facebook hat neue Zahlen dazu veröffentlicht, wie es gegen Hassrede im sozialen Netzwerk vorgeht. Der Konzern trennt dabei zwischen Beschwerden nach NetzDG und Vergehen gegen seine eigenen Standards.

REUTERS

Im ersten Quartal dieses Jahres hat Facebook in Deutschland mehr als 160.000 Inhalte entfernt, die als Hassrede eingestuft wurden und damit gegen die sogenannten Gemeinschaftsstandards des sozialen Netzwerks verstießen. Rund 70 Prozent davon seien ohne eine Meldung der Nutzer von Facebooks Kontrollsystemen selbst entdeckt worden, erklärte der Konzern am Freitag.

Die große Zahl gelöschter Hassrede-Inhalte unterstreiche den Fortschritt, den das Unternehmen bei der Durchsetzung seiner Gemeinschaftsstandards gemacht habe, betont Facebook. Entsprechende Angaben zum zweiten Quartal liegen noch nicht vor.

Facebook veröffentlichte die Daten zusammen mit seinem halbjährlichen Transparenzbericht (PDF) zur Umsetzung des sogenannten Netzwerkdurchsetzungsgesetzes (NetzDG). Die darin genannten Zahlen sind wesentlich kleiner: Laut Facebook wurden im ersten Halbjahr 1050 Inhalte in 674 NetzDG-Beschwerden gemeldet. Von diesen seien 349 gelöscht oder gesperrt worden.

Aus Sicht des Unternehmens ist die Differenzierung der Meldewege notwendig, um zwischen rechtswidrigen Inhalten nach NetzDG und Verstößen gegen Facebooks Hausregeln trennen zu können.

Zwei Millionen Euro Bußgeld

Mit Inkrafttreten des NetzDG hatte das Unternehmen einen gesonderten Meldeweg für Beschwerden nach dem Gesetz in Form eines NetzDG-Meldeformulars eingerichtet. In dem halbjährlich fälligen Bericht werden entsprechend nur die auf diesem Kanal eingegangenen Meldungen aufgeführt. Das sorgte für einen Bußgeldbescheid über zwei Millionen Euro vom Bundesamt für Justiz.

Die Behörde kritisierte unter anderem, dass der Bericht angesichts der vielen Hassrede-Beschwerden gemäß der Gemeinschaftsstandards unvollständig sei. Bemängelt wurde auch, dass das NetzDG-Meldeformular "zu versteckt" sei. Facebook legte Widerspruch gegen den Bußgeldbescheid ein.

Das vor zwei Jahren beschlossene Netzwerkdurchsetzungsgesetz verpflichtet Internetplattformen zu einem härteren Vorgehen gegen Hass, Hetze und Terrorpropaganda. Eindeutig rechtswidrige Inhalte müssen binnen 24 Stunden gelöscht oder für deutsche Nutzer gesperrt, auf Nutzerbeschwerden soll nach spätestens 48 Stunden reagiert werden. Zudem müssen die Unternehmen alle sechs Monate einen Bericht über ihren Umgang mit entsprechenden Beschwerden veröffentlichen.

Konkret verfügte das Bundesamt für Justiz das Bußgeld wegen des Facebook-Berichts für das erste Halbjahr 2018. Auch in dem nun veröffentlichten Bericht zum ersten Halbjahr dieses Jahres nennt Facebook nur die Zahlen aus dem NetzDG-Meldeweg.

mak/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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postmaterialist2011 26.07.2019
1. 160.000 Hasskommentare im 1. Quartal ?
Wenn dies 160.000 Hasskommentare pro Tag wären würde es gut klingen, ansonsten ist Facebook weiterhin am Erstarken von Rechtspopulisten auf der ganzen Welt massgeblich beteiligt. Facebook schliesst eher die aus, die sich gegen oft menschenverachtende, rechtsextreme Kommentare und Abbildungen wehren, aber nicht die Verursacher. Wer sich da nicht abmeldet, dem ist nicht zu helfen !
mumuwilli1975 26.07.2019
2. postmaterialist2011
So wie mich. So viele Hasskommentare habe ich schon gemeldet, aber nichts...Aber wehe, ich zeige meine nackten Brüste. Sobald meine 30 Tage Sperrung vorbei ist, nehme ich meine Kontakte und bis raus. Das gleiche gilt für Instagram und Whatsapp. Es gibt Alternativen.
queerulant 26.07.2019
3. Facebook kann es
sich ganz einfach machen. Alle Konten der AfD, Pegida und IB und deren Ableger schließen. Schön gibt es 90% weniger Hass bei Facebook Deutschland!!!
abc_bis_z 27.07.2019
4. Kritik = Hass / Hass = in Ordnung
das Prinzip, nach dem gelöscht wird, funktioniert folgendermaßen: Hass, Hetze, Gewaltaufrufe dürfen stehen bleiben, solange sie aus einem religiösen Kontext kommen. Kritik, politische Meinungen, die keinerlei Hetze und keinerlei Hass enthalten, werden gelöscht, sobald sich die Kritik auf Hass, Hetze & Gewaltaufrufe einer religiösen Ideologie bezieht.
maphry 28.07.2019
5. Hoffentlich angezeigt
Ich hoffe mal es hat hier auch reichlich Anzeigen gegeben. Da geht es nicht nur um Gemeinschaftsstandard, sondern auch der Standard unserer Gesellschaft und Kultur. Es muss hier in vielen Fällen auch die volle Härte des Gesetzes greifen, inklusive Gefängnisstrafen.
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