Netzneutralität Indien verbietet Facebooks kostenlosen Internet-Service

Mit kostenlosem Internet will Facebook-Gründer Mark Zuckerberg Milliarden Menschen online und in sein Netzwerk bringen. In Indien ist der Plan gescheitert - weil er Facebook selbst zu stark bevorteilte.
Facebook-Plakat in Mumbai: "Ein erster Schritt in Richtung digitaler Gleichberechtigung"

Facebook-Plakat in Mumbai: "Ein erster Schritt in Richtung digitaler Gleichberechtigung"

Foto: DANISH SIDDIQUI/ REUTERS

Indische Behörden haben den kostenlosen Internetzugang Free Basics, den Facebook im zweitbevölkerungsreichsten Land der Erde angeboten hat, faktisch verboten. Die Regulierungsbehörde des Landes verwies am Montag auf eine strikte Umsetzung der Regeln zur sogenannten Netzneutralität, nach denen alle Daten in den Netzen gleich behandelt werden müssen.

Bei Free Basics und ähnlichen Angeboten sei das aber nicht der Fall. So bietet der kostenlose Facebook-Dienst in Indien beispielsweise nur einen stark eingeschränkten Internetzugang. Neben Facebook selbst sind nur einige Bildungs-, Gesundheits- und Job-Webseiten erreichbar. Andere Webseiten lassen sich über Free Basics nicht aufrufen und wären somit benachteiligt. Die Regulierer untersagen Telekom-Anbietern solche Ausnahmeregelungen für einzelne Onlineangebote aber grundsätzlich.

Für Facebook ist es eine schmerzhafte Niederlage - der US-Konzern hatte angesichts des drohenden Verbots in den vergangenen Wochen eine massive PR-Kampagne in dem Land gefahren. Auch Nutzer waren aufgerufen worden, sich für Free Basics starkzumachen.

Der Service ist Teil der von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ins Leben gerufenen Initiative Internet.org, die Milliarden Menschen ins Internet bringen soll. Dafür sollen unter anderem Drohnen mit Internettechnik in entlegenen Gebieten eingesetzt werden.

Free Basics ging vor elf Monaten ans Netz und war bis vor Kurzem unter dem Namen Internet.org bekannt. Der viertgrößte indische Netzanbieter, Reliance Communications, zahlte dafür, dass Nutzer umsonst Facebook und 37 weitere Webseiten aufrufen dürfen.

Etwa eine Milliarde der knapp 1,3 Milliarden Inder haben noch keinen Zugang zum Internet. Für die, die sich den Internetzugang bislang nicht leisten konnten, schien Free Basics auf den ersten Blick eine gute Sache zu sein, nach dem Motto "Besser wenig Internet als keins".

Facebook ist auf neue Internetnutzer aus Entwicklungs- und Schwellenländern angewiesen, um weiterhin schnell zu wachsen. Er hoffe auf fünf Milliarden Mitglieder zum Jahr 2030, sagte Zuckerberg jüngst bei einem Auftritt. Aktuell hat das Netzwerk rund 1,6 Milliarden Nutzer.

mak/dpa