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31. Oktober 2011, 11:08 Uhr

Neue Bezahlpflicht

Google will für Maps-Einbindung kassieren

Wer eine Google-Maps-Karte in seine Web-Seite einbindet, soll ab einer bestimmten Anzahl von Abrufen künftig dafür bezahlen. Die neuen Regeln, die ab 2012 gelten sollen, könnten viele Nutzer des Dienstes teuer zu stehen kommen - und Google Reichweite kosten.

Mountain View - Google nennt die neue Politik "Nutzungsbeschränkung", de facto aber bastelt der Suchmaschinenkonzern an einem zusätzlichen Erlösmodell. "Anfang 2012" soll das Regularium in Kraft treten, das die derzeit in zahlreiche Web-Seiten eingebundenen Google-Karten kostenpflichtig machen soll. Ab 25.000 Seitenabrufen pro Tag soll die Einbindung künftig Geld kosten, und zwar vier bis zehn Dollar pro 1000 Abrufe.

Entwickler und Sites, die Google-Maps nutzen, können bis zum Übergang mit Hilfe der sogenannten API Console überprüfen, ob sie das Limit überschreiten. Wer feststellt, dass er mehr als 25.000 Maps-Aufrufe am Tag verursacht, muss seine Kreditkartendaten hinterlegen.

Es gibt ohnehin schon seit einiger Zeit Premium-Accounts, die von großen Anwendern des Dienstes bereits genutzt werden. Der Premiumzugang bringt zusätzliche Vorteile, etwa einen jährlichen Festpreis und technische Unterstützung durch Google. Der Dienst lässt sich auch für den internen Gebrauch buchen - etwa für Speditionsunternehmen, die die Reisewege ihrer Fahrzeuge mit einer Maps/GPS-Kombination verfolgen wollen. Das Premiumkonto kostet Google zufolge ab 10.000 Dollar, kann aber auch teurer werden, wenn die Zugriffszahlen sehr hoch sind.

Für Google und seine Kooperationspartner könnte der Schritt weitreichende Folgen haben: Einerseits ist der Konzern dringend auf der Suche nach neuen Erlösquellen, da noch immer über 95 Prozent aller Umsätze aus dem Bereich Werbung stammen. Andererseits könnte die neue Regelung viele kleine und mittlere Unternehmen und Websites davon abhalten, Google Maps zu verwenden und sie dazu bringen, sich stattdessen an die Konkurrenz zu wenden.

Auch Googles Konkurrent Microsoft bietet mit Bing Maps einen Kartendienst an, der allerdings ab 125.000 sogenannten Sessions pro Jahr (Aufs Jahr gerechnet 342 Sessions pro Tag) ebenfalls kostenpflichtig wird. Auch Nokia verfügt über Kartenmaterial, das mit Handys und über den Dienst Nokia Maps abrufbar ist - vor allem aber gibt es da noch den kostenfrei nutzbaren alternativen Kartendienst OpenStreetMap.

"Wer eine kleine Website betreibt, der muss sich wohl zunächst konkret keine Gedanken machen - für große Unternehmen kann das aber schnell teuer werden", so Marcus Thielking von skobbler, einem Anbieter der gleichnamigen Navigations-App. Skobbler nutzt OpenStreetMap-Karten und kann auch deshalb weit günstiger angeboten werden als Navi-Apps, die kommerzielles Kartenmaterial verwenden. Thielkings Einschätzung der Auswirkungen der Google-Ankündigung auf den Kartenmarkt: "Damit bleibt OpenStreetMap, die demokratische Karte in der Art von Wikipedia, die letzte kostenfreie Karte. Dieser Fakt wird der OpenStreetMap weiteren Rückenwind geben."

cis

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