Geheimdienst-Enthüllungen Neue NSA-Dokumente zeigen Ausmaß der Überwachung

Der "Guardian" hat neue NSA-Folien aus dem Fundus von Edward Snowden veröffentlicht. Die Dokumente beschreiben das System XKeyscore, auf das auch deutsche Geheimdienste Zugriff haben. Es wird als Werkzeug zur totalen Internetüberwachung beschrieben - mit Standorten auf der ganzen Welt.
XKeyscore-Standorte auf einer Weltkarte: 700 Server an 150 Standorten

XKeyscore-Standorte auf einer Weltkarte: 700 Server an 150 Standorten

Berlin/London/Hamburg - Die britische Tageszeitung "The Guardian " hat eine weitere NSA-Präsentation veröffentlicht. Demnach hat der US-Geheimdienst praktisch unbegrenzten Zugriff auf Internetdaten weltweit. Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden hatte bereits Anfang Juni in seinem ersten Interview behauptet, er hätte auch den US-Präsidenten belauschen können, wenn ihm dessen E-Mail-Adresse bekannt gewesen wäre. Dies war von US-Regierungsmitarbeitern dementiert worden.

Der in Brasilien lebende US-Journalist Glenn Greenwald, mit dem Snowden zusammenarbeitet, veröffentlichte am Mittwoch in der Online-Ausgabe des "Guardian" eine Präsentation aus dem Jahr 2008 zum Programm XKeyscore . Geheimdienstmitarbeiter können danach in "enormen Datenbanken" der NSA nach Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Schlagworten suchen. Für die einzelnen Anfragen bräuchten sie keine gesonderte Zustimmung eines Richters oder eines anderen NSA-Mitarbeiters, schreibt der "Guardian". Auch die Beobachtung der Internetaktivität einzelner Internet-Nutzer sei mit XKeyscore in Echtzeit möglich.

Informationen des SPIEGEL zufolge nutzen auch der deutsche Auslandsgeheimdienst BND und das im Inland operierende Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) die Spähsoftware der amerikanischen NSA . Die deutschen Geheimdienste erklärten, sie testeten die Software lediglich.

Die jetzt veröffentlichte Präsentation stammt wie vorige Veröffentlichungen aus dem Bestand des ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden. Diesmal stellte der "Guardian" allerdings den kompletten Schriftsatz ins Netz. Einige Seiten wurden geschwärzt, weil sie Details zu konkreten Geheimdiensteinsätzen enthielten, die man nicht verraten wolle.

Einer weiteren Präsentation zufolge könne der US-Geheimdienst auf "fast alles, das ein typischer Nutzer im Internet tut" zugreifen - E-Mails, Suchanfragen und Verbindungsdaten von Millionen Menschen.

cis/lis/mak/dpa
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