Neuseeland Facebook löscht 1,5 Millionen Videos vom Attentat

Der Rechtsterrorist Brenton Tarrant übertrug seine Attacke in Christchurch live auf Facebook - nun bemüht sich das Unternehmen, Kopien zu entfernen. Doch die Zahl der Uploads ist gewaltig.
Polizist in der Nähe eines der Tatorte

Polizist in der Nähe eines der Tatorte

Foto: Kai Schwoerer/ Getty Images

17 Minuten lang streamte der Attentäter im neuseeländischen Christchurch seine tödlichen Schüsse auf wehrlose Zivilisten. Zwar baten die Behörden bereits unmittelbar nach dem Angriff, die Aufnahmen nicht zu verbreiten. Doch neben einigen Medienunternehmen hielt sich auch eine große Zahl privater Nutzer nicht an diese Vorgabe.

Facebook, dessen System der Täter Brenton Tarrant nutzte, versucht nun, so viele Kopien wie möglich aus seinem Angebot zu entfernen.

"In den ersten 24 Stunden haben wir weltweit 1,5 Millionen Videos der Attacke gelöscht, davon mehr als 1,2 Millionen bereits beim Hochladen", erklärte Facebook am Samstag in einem Tweet.

Bei den Attacken auf zwei Moscheen am Freitag hatte Tarrant insgesamt 50 Menschen getötet. Zuletzt hatten die Behörden die Zahl der Todesopfer mit 49 angegeben, am Sonntag entdeckten sie in einem der Gebäude jedoch eine weitere Leiche.

Auch die Zahl der Verletzten wurde nach oben korrigiert: Es gebe 50 Verletzte, von denen sich noch 36 im Krankenhaus befänden, teilte die Polizei mit. Zwei von ihnen seien in einem kritischen Zustand.

Die Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass der Australier Tarrant seine Tat allein verübte. Zwei am Freitag festgenommene Männer hatten offenbar keine direkte Verbindung zu dem Anschlag und dem Attentäter. Sie seien an einer Polizeisperre festgenommen worden und hätten Schusswaffen bei sich gehabt, so ein Polizeisprecher.

Diskussion über Livestreams geht weiter

Facebook erklärte darüber hinaus, dass es auch bearbeitete Versionen des Tatvideos ohne eindeutige Gewalthandlungen löschen werde. Dies geschehe aus Respekt vor den Betroffenen und wegen Bedenken der Behörden.

Fotostrecke

Terroranschläge auf Muslime: Neuseeland in Trauer vereint

Foto: DPA

Tarrant nutzte bei den Aufnahmen seiner Bluttat eine Streaming-App, die eigentlich für Extremsportler konzipiert wurde. Der Vorgang hat eine neue Debatte über die Verantwortung und Aufgabe der Anbieter entsprechender Live-Angebote im Internet ausgelöst (einen Kommentar lesen Sie hier). Auch die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern kündigte an, mit Facebook über Livestreams zu diskutieren.

jok/Reuters