"Newsweek"-Titelstory Vermeintlicher Bitcoin-Gründer dementiert umfassend

Der Erfinder der Digitalwährung Bitcoin ist eine geheimnisumwitterte Gestalt. Das US-Magazin "Newsweek" behauptete kürzlich, es habe Satoshi Nakamoto aufgespürt. Doch der vermeintlich Enttarnte wehrt sich - sein neues Dementi lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.

"Newsweek"-Cover: Hartes Dementi vom vermeintlichen Bitcoin-Gründer

"Newsweek"-Cover: Hartes Dementi vom vermeintlichen Bitcoin-Gründer


Für "Newsweek" ist der Vorgang mehr als peinlich, er könnte noch ein juristisches Nachspiel haben. In einer Titelgeschichte berichtete das US-Magazin vor einigen Tagen, seine Reporterin Leah McGrath Goodman habe "das Gesicht hinter Bitcoin" gefunden. Der mysteriöse Satoshi Nakamoto sei endlich enttarnt - jener Mann, dessen Name über dem technischen Grundlagenpapier steht, auf dem das Bitcoin-System basiert. Als McGrath Goodman einen Mann namens Dorian Satoshi Nakamoto vor seinem Haus in Kalifornien ertappt und konfrontiert habe, seien seine Antworten "vorsichtig, aber enthüllend" gewesen. Er habe "stillschweigend seine Rolle im Bitcoin-Projekt eingestanden".

Der vermeintlich Enttarnte reagierte umgehend und schaltete einen Anwalt ein. Nun hat Dorian Satoshi Nakamoto ein Dementi an einen Reuters-Journalisten geschickt, das an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt. "Ich habe Bitcoin nicht geschaffen, erfunden oder auf andere Weise daran mitgearbeitet", schreibt Nakamoto. "Ich bestreite den 'Newsweek'-Bericht ohne jede Einschränkung." Er habe den Begriff Bitcoin zum ersten Mal von seinem Sohn gehört - im Februar 2014.

"Newsweek" hatte den Mann als mathematisches Genie beschrieben, er selbst erklärt nun, er habe "seit zehn Jahren keine feste Anstellung als Ingenieur oder Programmierer finden können". 2013 habe er aufgrund finanzieller Schwierigkeiten sogar seinen Internetanschluss gekündigt. Der "Newsweek"-Bericht habe ihm und seiner Familie viel Ungemach bereitet und "meine Aussichten auf eine bezahlte Anstellung geschädigt". "Newsweek" hatte ihn aufgrund des Bitcoin-Höhenfluges als mutmaßlichen Multimillionär dargestellt.

Dies werde seine letzte öffentliche Äußerung zum Thema sein, so Nakamoto, "ich bitte Sie, von nun an unsere Privatsphäre zu respektieren".

"Newsweek" veröffentlicht zweite Stellungnahme

Schon vergangene Woche hatte "Newsweek" auf Nakamotos erstes Dementi und die massive Kritik an seiner Titelgeschichte mit einer Stellungnahme reagiert. "Die Fakten, wie sie berichtet wurden, deuten auf Mr. Nakamotos Rolle bei der Gründung von Bitcoin hin", hieß es darin.

Am Montagabend deutscher Zeit veröffentlichte das Magazin nun eine weitere Stellungnahme. Sie besteht nur aus zwei Sätzen: "Newsweek hat keine Stellungnahme, keinen Brief von Mr. Nakamoto oder seinem Rechtsbeistand erhalten. Falls und wenn das geschieht, werden wir in der gegebenen Weise reagieren."

cis

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