Blackout Ausfall des Telefonnetzes - Niederländischer Notruf stundenlang nicht erreichbar

Die Niederlande hatten am Montagabend ein massives Kommunikationsproblem. Ein Netzausfall führte unter anderem dazu, dass deutlich mehr Polizisten und Krankenwagen auf den Straßen Präsenz zeigten.

Mark Rutte, der Ministerpräsident der Niederlande, mit Justizminister Ferd Grapperhaus (rechts)
picture alliance/ ANP

Mark Rutte, der Ministerpräsident der Niederlande, mit Justizminister Ferd Grapperhaus (rechts)


Nach einem Telefonnetzausfall in den Niederlanden laufen Ermittlungen zu den Ursachen. Die Probleme begannen am Montagnachmittag mit dem Ausfall des Telefonnetzes beim Anbieter KPN, der das Mobilfunk- und das Festnetz betraf und die sich dann auf weitere Anbieter ausbreitete. Erst nach knapp vier Stunden waren die Probleme behoben.

Auch die zentrale Notrufnummer 112 und die Polizeinummer 0900-8844 für weniger dringende Anfragen waren von dem Netzausfall betroffen - Polizei, Rettungsdienste und Feuerwehr waren so stundenlang nicht zu erreichen.

Justizminister Ferd Grapperhaus bestellte das Management von KPN am Dienstag zum Gespräch in sein Ministerium. Es müsse geklärt werden, wie es zu dem Blackout habe kommen können, schrieb Grapperhaus auf Twitter.

Medienberichten zufolge sollte auch der Antiterrorkoordinator des Landes an dem Treffen teilnehmen. KPN hatte allerdings versichert, man gehe nicht von einem Hackerangriff aus. Am Dienstagnachmittag teilte das Unternehmen mit, dass ein wahrscheinlich Software-Fehler zu dem Ausfall geführt habe. Unklar ist, warum auch alle Notsysteme versagten.

Wegen der Kommunikationsprobleme wurden am Montagabend Polizisten und Krankenwagen auf die Straßen geschickt, um Präsenz zu zeigen, parallel wurden Informationen über soziale Netzwerke verbreitet. Bürger wurden auch aufgerufen, in Notfällen direkt zur Polizeiwache oder Feuerwehr zu gehen. Bei Gesundheitsproblemen sollten sie direkt selbst in ein Krankenhaus fahren. Bisher ist unbekannt, ob der Ausfall der Notrufnummer Menschenleben in Gefahr gebracht hat.

In keinem Zusammenhang mit dem Vorfall von Montag soll übrigens ein Wechsel an der Spitze bei KPN stehen: Am Dienstag gab der niederländische Konzern bekannt, dass sein Chef Maximo Ibarra zurücktritt. Ibarra werde seinen Posten Ende September aus "dringenden familiären Gründen" abgeben, hieß es. Ibarra selbst erklärte: "Ich bedauere den Zeitpunkt, aber familiäre Gründe ließen mir keine Wahl."

Hinweis: Der Artikel wurde aktualisiert, nachdem bekannt wurde, dass KPN von einem Software-Fehler ausgeht.

mbö/dpa/AFP/Reuters



insgesamt 11 Beiträge
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SonstNichts 25.06.2019
1. Genau hinschauen
Schöne Übung. Ibs. Deutschland, das ja weiter fest am Zusammenbruch seines Stromnetzes abreitet, sollte genau hinschauen, denn ohne Strom sowieso keine Notrufe.
rty 25.06.2019
2. Rutte, nicht Grapperhaus
Leute, wenn Ihr einfach mal auf den Link im Artikel zum Twitter-Profil von Herrn Grapperhaus geklickt hättet, hättet Ihr gemerkt, dass die Bildunterschrift ein bisschen daneben ist. Der abgebildete Mann ist Herr Rutte, nicht Herr Grapperhaus.
MatthiasPetersbach 25.06.2019
3.
wir hatten mal ein Telefonnetz, was funtionierte, auch wenn der Strom ansonsten weg war. HATTEN. Klar, Youtubevideos und zu jeder Zeit Hollywood-Serien gucken oder den Kühlschrank Bier nachbestellen lassen ist wichtiger.
permissiveactionlink 25.06.2019
4. #1, SonstNichts
Und was bitte hat jetzt der Ausfall bestimmter Notrufnummern mit einem angeblich bevorstehenden Blackout der deutschen Stromversorgung zu tun ? Eben, exakt gar nichts ! Da steht nämlich nichts von einem kompletten Blackout der Telekommunikation, sondern nur etwas vom Ausfall der Erreichbarkeit bestimmter Notruf-Teilnehmer. Natürlich könnte es sein, dass Sie noch althergebracht ein SOS über ihren Dreiphasen-Hausanschluss durch Kurzschlüsse morsen und hoffen, dass der Energieversorger dann für Sie Feuerwehr, Rettungsdienste oder Polizei alarmiert. Darauf würde ich allerdings nicht hoffen !
stelzerdd 25.06.2019
5. Ausfall des einzigen Informationsnetzes?
Das in jüngster Zeit international anzutreffende Tendenz, alles - auch alle mobilen und stationären Telefonanschlüsse - in ein singuläres weltweites Informationsnetz (Internet) zu packen, ist mehr als leichtfertig. Wie man weiß, ist diese Technik von jedem Punkt der Erde aus angreifbar. Auch ein autonomer Betrieb bei Ausfall des Stromnetzes dürfte nicht gewährleistet sein. Das gute alte Analognetz konnte das.
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