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21. September 2016, 17:42 Uhr

Mini-Internet

Nordkorea hat nur 28 Websites

Das ist schnell durchgesurft: Nordkorea verfügt offenbar nur über 28 Websites. Ein falsch konfigurierter Server ermöglichte einen seltenen Blick in die Internetwelt des abgeschotteten Regimes.

Nordkorea ist eine Mangelwirtschaft. Der Bevölkerung fehlt es an allem. Offenbar auch an Internetseiten. Dank der Fehlkonfiguration eines Servers zur Verwaltung nordkoreanischer Internetadressen war es kurze Zeit möglich, eine Liste aller Webseiten des Landes abzurufen, berichtet unter anderem "Techcrunch". Doch diese Liste ist kurz, umfasst nur insgesamt 28 Webseiten.

Der Sicherheitsexperte Matt Bryant, der den Fehler in dem koreanischen Server entdeckte, sagte gegenüber der Tech-Seite "Motherboard": "Wir haben jetzt eine komplette Liste von Nordkoreas Domain-Namen und sie ist überraschend - oder vielleicht wenig überraschend - sehr kurz." Auf dem Programmiererportal GitHub veröffentlichte er die komplette Liste.

Viele der dort aufgeführten Webseiten gehören staatlichen Organisationen wie dem "Komitee für kulturelle Beziehungen". Zudem finden sich unter anderem eine Webseite der staatlichen Fluglinie Air Koryo, die offizielle Nachrichtenagentur KCNA, eine Tourismus-Website und mit cooks.org.kp auch eine Seite mit Kochrezepten. Die meisten nordkoreanischen Webseiten waren am Mittwochnachmittag allerdings nicht erreichbar. Auf "Hacker News" scherzte ein Nutzer, dass das Netz des Landes wegen der derzeit vielen Anfragen zusammenbrechen könnte.

Die jetzt kursierende Liste enthalte laut Martyn Williams, der das Blog "North-Korea-Tech" betreibt, aber keine Hinweise auf das von der Regierung betriebene Intranet. Dies sei vom Internet aus nicht zugänglich, schreibt er. Wirklich neue Erkenntnisse über das kommunistische Land bringt die Liste jedenfalls nicht, nur kuriose Einblicke in eine völlig fremde Netzkultur.

brt

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