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26. Januar 2014, 17:12 Uhr

NSA-Affäre

Snowden fürchtet tödliche Rache der USA

Der frühere US-Geheimdienstler Edward Snowden mied bislang nach Möglichkeit die Öffentlichkeit. Den Grund dafür erklärt er jetzt im deutschen Fernsehen: Angst vor der Rache der US-Regierung.

Hamburg - Ein Artikel auf der Internetseite "Buzzfeed" jagte Edward Snowden gehörigen Schrecken ein. Dort habe er gelesen, dass Mitglieder des Pentagon und der NSA dem Reporter von Mordabsichten gegen ihn erzählt hätten, erklärte er in seinem weltweit ersten Fernsehinterview, das er der ARD gab (die Sendung wird am Sonntagabend um 23:05 Uhr ausgestrahlt). "Diese Leute, und das sind Regierungsbeamte, haben gesagt, sie würden mir nur zu gerne eine Kugel in den Kopf jagen oder mich vergiften, wenn ich aus dem Supermarkt komme und dann zusehen, wie ich unter der Dusche sterbe."

Zuvor hatte Snowden seine Überzeugung bekräftigt, dass der US-Geheimdienst auch ausländische Wirtschaftsunternehmen ausforscht. Aus seiner Sicht sei es überhaupt keine Frage, dass die USA sich so verhielten. Es gehe eben nicht nur um Politiker und andere Bürger: "Wenn es etwa bei Siemens Informationen gibt, die dem nationalen Interesse der Vereinigten Staaten nutzen, aber nichts mit der nationalen Sicherheit zu tun haben, dann nehmen sie sich diese Informationen trotzdem", sagte er in dem Interview mit dem NDR.

Derzeit hält sich Snowden in Russland auf, wo er Asyl erhalten hat. Die Rückkehr des NSA-Enthüllers in sein Heimatland scheint vorerst ausgeschlossen. US-Justizminister Eric Holder bekräftigte, dass ein Gnadenerlass für den in Russland gestrandeten Computerspezialisten nicht in Frage komme. Ohne Amnestie fürchtet Snowden jedoch ein unfaires Gerichtsverfahren und hält eine Heimkehr deshalb für unmöglich, stellte er in einer Online-Fragerunde klar. Die USA suchen ihn wegen Geheimnisverrats.

US-Regierung stellt Deal in Aussicht

Ein entscheidendes rechtliches Hindernis ist Snowden zufolge das amerikanische Anti-Spionage-Gesetz von 1917, das die Staatsanwälte für die Anklage heranziehen. Unter den derzeitigen Gesetzen zum Schutz von Whistleblowern könne er nicht geltend machen, bei seinen spektakulären Enthüllungen rund um den US-Geheimdienst NSA im öffentlichen Interesse gehandelt zu haben. "Ich bin mir dessen bewusst, dass mein Leben direkt bedroht ist, aber ich werde mich davon nicht einschüchtern lassen", schrieb Snowden auf der Unterstützer-Website freesnowden.is.

Im Streit um den weltweit bekannten Ex-Geheimdienstmitarbeiter signalisierten die USA aber Gesprächsbereitschaft. Holder stellte in einem Interview mit dem Sender MSNBC klar, für Lösungen in der Causa Snowden offen zu sein. "Wenn Herr Snowden in die Vereinigten Staaten kommen und ein Schuldbekenntnis abgeben wollte, würden wir uns mit seinen Anwälten auseinandersetzen", sagte Holder. Nach Snowdens Enthüllungen wurde mehrfach diskutiert, ob die USA ihn mit einem Immunitäts-Versprechen locken könnten, um dann bei Befragungen mehr über ihn und die von ihm tausenden gestohlenen Dokumente zu erfahren.

mik/dpa

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