Interne NSA-Newsletter Wassersport-Tipps für Guantanamo Bay

"The Intercept" hat weitere Snowden-Dokumente veröffentlicht: Es handelt sich um Newsletter einer NSA-Abteilung, die tiefe Einblicke in den Geheimdienst-Alltag geben - samt Freizeittipps für Guantanamo Bay.

Guantanamo Bay
AFP

Guantanamo Bay


"Die Spione des Geheimdienstes erklären überraschend viel darüber, was sie getan haben, wie sie es gemacht haben und warum": Mit diesem Satz fasst "The Intercept" zusammen, warum seine neuesten Veröffentlichungen es wert sind, gelesen zu werden. Die Enthüllungswebsitehat am Montag begonnen, Artikel aus internen Newslettern des US-Geheimdienstes National Security Agency (NSA) ins Netz zu stellen, die aus dem Jahr 2003 stammen. Zunächst sind 166 Dokumente veröffentlicht worden.

Das am 31. März 2003 gestartete Newsletter-Format "SIDtoday" richtet sich an das Signals Intelligence Directorate, die NSA-Abteilung, die für das Sammeln, Aufarbeiten und Zur-Verfügung-Stellen von abgefangenen Informationen zuständig ist. "The Intercept" vergleicht den Newsletter in einem Erklärtext mit einer "Kleinstadt-Zeitung". "SIDtoday" würde den Geheimdienst menschlich und verständlich machen, anders als technische Dokumente.

Die Newsletter gehörten zum Dokumente-Fundus von Whistleblower Edward Snowden und sind vor der Veröffentlichung redigiert worden: So sind zum Beispiel Namen von bislang unbekannten NSA-Mitarbeitern oder Kontaktpersonen geschwärzt worden. Ebenso seien Informationen entfernt worden, deren Bekanntwerden dazu führen könnten, dass "Unschuldige ernsthaft verletzt oder getötet werden". Insgesamt will "The Intercept" Artikel aus neun Jahren Geheimdienst-Kommunikation zugänglich machen, von 4500 Geschichten ist die Rede.

In den "SIDtoday"-Artikeln berichten NSA-Mitarbeiter unter anderem, wie sie im Irak nach möglichen Massenvernichtungswaffen gesucht haben und wie sie mit Informationen bei Verhören im Gefangenenlager Guantanamo Bay halfen.

Wassersport-Tipps für Geheimdienst-Mitarbeiter

In Sachen Guantanamo wird aber auch darauf hingewiesen, dass man als vor Ort Arbeitender die "Tiki Bar" besuchen oder Wassersport machen könne. Man könne zum Beispiel angeln, segeln, schnorcheln und binnen eines Wochenendes lernen, ein Boot zu steuern. Abseits der Arbeit warte der Spaß schon, heißt es da.

In einem Artikel aus dem Mai 2003 wird beschrieben, wie die NSA "viele Monate" damit verbrachte, die Telefonnummer eines russischen Kriminellen herauszubekommen, damit dessen Anrufe abgehört werden konnten. Das Außenministerium hatte die NSA nach Informationen über die Person gefragt - und danach, ob sein Netzwerk Verbindungen zum russischen Präsidenten habe.

"SIDtoday" sei technisch eigentlich eine Website, schreibt "The Intercept", abrufen lasse sie sich allerdings nur von Computern aus dem NSA-Netzwerk. Die HTML-Daten, die man von Snowden bekommen habe, seien daher ins PDF-Format umgewandelt worden. Journalist Glenn Greenwald ruft Journalisten, Wissenschaftler und andere Interessierte dazu auf, die Dokumente durchzuarbeiten: "Andere könnten Geschichten finden, die wir nicht gefunden haben, oder Indizien, die zu Geschichten führen."

mbö/AP



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.