NSA-Skandal 207 Wissenschaftler protestieren gegen Totalüberwachung

Juristen, Informatiker, Soziologen, Philosophen: Forscher aus aller Welt wenden sich in einer Erklärung gegen die Online-Spähattacken der Geheimdienste. Die Wissenschaftler verlangen ein Ende der Grundrechtsverstöße.
Lichtwand beim 30C3: Weltweit stellen sich Forscher gegen die Netz-Überwachung

Lichtwand beim 30C3: Weltweit stellen sich Forscher gegen die Netz-Überwachung

Foto: Patrick Lux/ Getty Images

Hamburg - Ulrich Beck, Bruce Schneier, Beate Roessler: Die Unterzeichner des Aufrufs "Wissenschaftler gegen Massenüberwachung " kommen aus unterschiedlichen Disziplinen. Der Soziologe Beck, der in IT-Sicherheitskreisen berühmte Informatiker Bruce Schneier, die renommierte Philosophin Roessler - sie repräsentieren die Vielfalt der Unterzeichner dieses Protestaufrufs.

Die Forscher fordern ein Ende der Online-Massenüberwachung durch europäische und amerikanische Geheimdienste. Sie kritisieren, dass die massenhafte Speicherung von Online-Kommunikation aller Menschen die Unschuldsvermutung in eine Schuldvermutung umkehrt. Ihre Warnung:

"Die aktuelle geheime und unbeschränkte Überwachungspraxis verletzt die Grundrechte und die Rechtsstaatlichkeit, sie untergräbt die Demokratie."

Beate Roessler hat mit Kollegen den Protest initiiert. Sie vermisst eine breite Debatte über die gesellschaftlichen Folgen des im Geheimen installierten Überwachungsregimes: "Wir müssen ein Problembewusstsein schaffen. Was bedeuten die Überwachungsmaßnahmen für den Einzelnen, für die Gesellschaft und den demokratischen Prozess?"

SPIEGEL ONLINE dokumentiert den Aufruf im Wortlaut.

Mitte Dezember hatten sich bereits 562 Schriftsteller gegen die Angriffe westlicher Geheimdienste auf die Freiheit gewandt. Nobelpreisträger wie Elfriede Jelinek, Günter Grass, Orhan Pamuk oder J.M. Coetzee argumentierten damals: "Ein Mensch unter Beobachtung ist niemals frei."

Die Forscher treibt nun dieselbe Sorge um. In ihrem Aufruf heißt es: "Ohne Privatsphäre können Menschen ihre Meinung nicht frei äußern, sie können Informationen nicht frei suchen und empfangen."

hof/lis
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