"Dagger-Komplex" Deutsche Steuerzahler finanzierten Ausbau von NSA-Standort

In der Nähe von Darmstadt betreibt der US-Geheimdienst NSA einen seiner wichtigsten Standorte in Europa. Für den Ausbau des "Dagger-Komplexes" mussten in den vergangenen Jahren auch deutsche Steuerzahler aufkommen.
Dagger-Komplex in Hessen: Wichtiger NSA-Stützpunkt in Europa

Dagger-Komplex in Hessen: Wichtiger NSA-Stützpunkt in Europa

Foto: DPA

Die deutschen Steuerzahler haben geholfen, einen der wichtigsten Standorte der NSA in Europa aufzurüsten, den "Dagger-Komplex". In den vergangenen zehn Jahren liefen Kosten in Höhe von 858.000 Euro auf, wie das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE erklärte.

Der Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele hatte sich nach den Baumaßnahmen und Kosten erkundigt und erste Hinweise erhalten. Der Geheimdienst-Experte kritisiert die Kostenübernahme: "Ich gehe davon aus, dass die Bundesregierung dadurch mit unseren Steuergeldern die dort ansässige NSA finanzierte."

Die Kostenübernahme ist deshalb so brisant, weil aus internen Dokumenten der NSA hervorgeht, dass Deutschland erklärtes Spionageziel ist : Die Amerikaner interessieren sich unter anderem für Rüstungsgeschäfte, Außenpolitik und neue Technologien.

Im Dagger-Komplex in Griesheim bei Darmstadt beschäftigt die NSA Hunderte Mitarbeiter. Hier fließen abgefangene Daten zusammen und werden ausgewertet. Zweimal pro Woche findet die Arbeit der Spione Eingang in den Lagebericht des US-Präsidenten, heißt es in einem internen Dokument  aus dem Jahr 2011. Außerdem sind hier offenbar Spezialisten der NSA-Einheit für maßgeschneiderte Operationen stationiert.

Rund 858.000 Euro vom Steuerzahler

Der US-Stützpunkt wurde in den vergangenen Jahren aufgerüstet: 2003 wurde ein Anbau für Computer und Telekommunikationsanlagen errichtet, 2011 eine Kühlwasserleitung gelegt, 2013 das Elektroniksystem erneuert, rechnet das Bundesministerium vor. Kosten: rund 3,9 Millionen Euro. Die wurden von den US-Streitkräften zwar komplett erstattet.

Die deutschen Steuerzahler haben die drei Maßnahmen am NSA-Stützpunkt dennoch Geld gekostet: insgesamt 858.000 Euro für Planungs- und Bauherrenkosten. Denn wenn an den Stützpunkten der US-Streitkräfte in Deutschland etwas gebaut oder erneuert wird, kümmert sich darum die Bundesbauverwaltung. So sieht es ein Abkommen aus dem Jahr 1975 vor.

Darin geregelt ist, dass für die Planungs- und Bauherrenkosten von den Amerikanern eine Pauschale überwiesen wird. Die ist mit sechs Prozent der Baukosten festgeschrieben. Die tatsächlichen Kosten sind mittlerweile jedoch um ein Vielfaches höher. Rund eine Million Euro waren es für Planung und Durchführung der drei Projekte am Dagger-Komplex. Überwiesen wurden aber nur 234.000 Euro: Der Bund zahlt für die militärische Infrastruktur drauf.

Nicht nur beim Dagger-Komplex: Die "Süddeutsche Zeitung" hatte im vergangenen November zusammengerechnet , was die Steuerzahler für alle US-Stützpunkte seit 2003 insgesamt ausgegeben haben, und kam auf rund eine Milliarde Euro. Laut Ministerium waren es in den vergangenen zehn Jahren rund 824 Millionen Euro.

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