NSA und GCHQ Geheimdienste hacken Sim-Karten-Hersteller

NSA und GCHQ sollen im großen Stil Sim-Karten-Daten von einem europäischen Unternehmen gestohlen haben. Mit den Verschlüsselungscodes können sie die Kommunikation der Nutzer überwachen.
Die RAF Menwith Hill Station des GCHQ (Archiv): Geheimdienste sollen Sim-Karten-Daten gestohlen haben

Die RAF Menwith Hill Station des GCHQ (Archiv): Geheimdienste sollen Sim-Karten-Daten gestohlen haben

Foto: ? Nigel Roddis / Reuters/ REUTERS

Die NSA und ihr britisches Pendant GCHQ sollen Verschlüsselungscodes für Sim-Karten gestohlen haben. Die Geheimdienste hätten dabei den führenden Sim-Karten-Hersteller Gemalto im Visier gehabt, berichtet das Investigativ-Portal "The Intercept ".

Die Schlüssel zu den SIM-Karten ermöglichten es, unauffällig die Kommunikation von Nutzern zu überwachen. Dadurch könnten die Geheimdienste sowohl Handygespräche abhören, als auch Datenströme von Smartphones anzapfen. Belege, dass die Geheimdienste die Daten tatsächlich missbraucht haben, gibt es bislang nicht.

"The Intercept" berief sich auf ein NSA-Dokument aus dem Jahr 2010, das der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden heruntergeladen und weitergegeben hatte. Der GCHQ und die NSA verschafften sich demnach die Verschlüsselungscodes, indem sie die private Kommunikation von Gemalto-Informatikern durchforsteten. Die NSA äußerte sich auf Nachfrage bislang nicht zu den Vorwürfen.

Gemalto hat seinen Sitz in den Niederlanden. Eine Unternehmenssprecherin teilte mit, der Bericht von "The Intercept" werde "sehr ernst" genommen. Gemalto werde "alle notwendigen Ressourcen" aufwenden, um den Vorwürfen nachzugehen. Das Unternehmen sei in den vergangenen Jahren immer wieder von Hackern angegriffen worden und verhalte sich "besonders wachsam". Das Wichtigste sei, jetzt zu verstehen, wie der Angriff passieren konnte, um eine Wiederholung zu verhindern, sagte Gemalto-Manager Paul Beverly "The Intercept". Derzeit sei noch keine Verbindung zwischen früheren Hackerattacken und mutmaßlichen Aktivitäten von NSA und GCHQ festgestellt worden.

Die Website "The Intercept" wertet die Unterlagen aus, die Edward Snowden während seiner Zeit bei der NSA sicherstellte. Er hatte die Dateien im Juni 2013 Journalisten um den Enthüllungsreporter Glenn Greenwald übergeben; seitdem werden sie schrittweise von Medien wie dem britischen "Guardian" oder dem deutschen Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL veröffentlicht.

isa/dpa/AFP