Thanksgiving und Weihnachten NSA verteilt Leitfaden für familiäre Feiertagsgespräche

Auf manchen NSA-Mitarbeiter könnten beim weihnachtlichen Familientreffen unangenehme Fragen warten. Deshalb hat der Geheimdienst offenbar einen Leitfaden verteilen lassen: Wie sind Fragen der Verwandtschaft nach Spähprogrammen und Überwachung zu kontern?
NSA-Chef Keith Alexander: Argumentationshilfe unterm Tannenbaum

NSA-Chef Keith Alexander: Argumentationshilfe unterm Tannenbaum

Foto: MARK WILSON/ AFP

Mit Thanksgiving wurde in den USA die Weihnachtszeit eingeläutet, bis Ende des Jahres wird jetzt gefeiert: Auf das Truthahn-Gelage mit der ganzen Familie folgen Weihnachtsfeiern und Cocktail-Empfänge, Familientreffen unterm Tannenbaum und Silvesterpartys. Solche Veranstaltungen können recht viele Stolperfallen bieten, vor allem wenn man bei der NSA arbeitet. Denn zu dieser Jahreszeit trifft man auch die entferntere Verwandtschaft - und die könnte nach dem Spähskandal des Jahres ein paar Fragen haben an den Onkel vom Geheimdienst.

Deshalb hat die NSA vorgesorgt: Kurz vor Thanksgiving gab sie ihren Mitarbeitern offenbar eine schriftliche Argumentationshilfe für Feiertagsgespräche mit nach Hause. Der Blogger Kevin Gosztola hat jetzt ein entsprechendes Schriftstück vom 22. November  veröffentlicht.

Aus diesem vorweihnachtlichen Leitfaden ließen sich auch Gesprächskärtchen oder eine schräge Tischrede basteln: "Die NSA-Programme schützen die Amerikaner und unsere Verbündeten", steht zum Beispiel auf dem Spickzettel fürs Weihnachtsessen, seit dem 11. September 2001 seien damit 54 "terroristische Ereignisse" verhindert worden. Oder: "Die NSA bringt die besten Sprachwissenschaftler, Analysten, Mathematiker, Ingenieure und Computerspezialisten der USA zusammen, um einige der schwierigsten Probleme der Welt anzugehen." 20 Kryptologen hätten allein im Einsatz in Irak und Afghanistan ihr Leben verloren, während sie "unseren Truppen halfen, ihre Mission zu erfüllen".

Motivationsbrief an die Familien

Die Argumente sind in fünf Kernpunkte eingeteilt:

1. Die Arbeit der NSA sei wertvoll für die Nation.

2. Der Geheimdienst halte sich an Gesetze und schütze die Privatsphäre.

3. Die NSA erfülle ihre Aufgabe außerordentlich gut.

4. Die Mitarbeiter seien loyale Amerikaner, die Opfer brächten, um "Freiheiten zu schützen, die wir alle schätzen".

5. Dem Geheimdienst selbst sei an Transparenz und einem öffentlichen Dialog gelegen.

Zumindest der engere Familienkreis der NSA-Mitarbeiter sollte die Leier mittlerweile kennen: Schon im September hatte sich Geheimdienstchef Keith Alexander mit einem Motivationsbrief an die Familien seiner Untergebenen gewandt. Darin stand sehr Ähnliches, auch damals wurde an Opfer im Dienste der NSA-Arbeit erinnert. Vor allem war es der Chefetage damals ein Anliegen, das angeschlagene Image des Geheimdienstes wieder aufzubessern.

Die Anschläge vom 11. September als Rechtfertigung

Auch an den Feiertagen gilt es offenbar zu dementieren: Die NSA stehle keine Betriebsgeheimnisse, um amerikanischen Firmen einen Vorteil zu verschaffen, heißt es in dem Schreiben etwa - und sie werde es auch nicht tun. Auch würden amerikanische Bürger nicht zu Zielpersonen. Es sei denn, es bestehe der Verdacht, dass die entsprechende Person im Auftrag eines anderen Staates handele.

Ob und wie die Geheimdienstmitarbeiter den Gesprächsleitfaden im Kerzenschein nutzen, bleibt der Phantasie eines jeden Einzelnen überlassen. Unüblich ist die Praxis der Argumentationshilfe für Angestellte bei der NSA jedenfalls nicht. Im Oktober kam ein ähnliches Schriftstück an die Öffentlichkeit. Al-Dschasira hatte ein solches Dokument veröffentlicht. Hier ging es um einen Gesprächsleitfaden für NSA-Beamte im Kontakt mit Kongressabgeordneten oder den Medien. In den dort aufgeführten Punkten wurden die Anschläge vom 11. September 2001 als bevorzugte Rechtfertigung für die Überwachung herangezogen. Unter der verheißungsvollen Überschrift "Sound bites, die nachklingen" war dort etwa der Formulierungsvorschlag zu lesen: "Ich erkläre lieber hier und heute diese Programme, als einen weiteren 11. September zu erklären, den wir nicht verhindern konnten."

juh