NSO-Spionagesoftware Pegasus Israels Polizei soll unerlaubt Handys überwacht haben

Im Visier sollen Aktivisten und Oppositionelle, aber auch der Sohn von Ex-Premier Netanyahu gestanden haben. Innenministerin Ajelet Schaked forderte eine Untersuchung der Vorwürfe.
Firmengebäude der BSO Group in der Aravasenke zwischen dem Roten und dem Toten Meer

Firmengebäude der BSO Group in der Aravasenke zwischen dem Roten und dem Toten Meer

Foto: AMIR LEVY / Getty Images

Nach einem Abhörskandal um die Überwachungssoftware Pegasus mehren sich in Israel die Forderungen nach einer unabhängigen Untersuchung der Vorgänge. Laut Medienberichten soll die Polizei jahrelang ohne richterliche Beschlüsse unter anderem Regierungskritiker, Geschäftsleute, Kommunalpolitiker und einen der Söhne von Ex-Regierungschef Benjamin Netanyahu abgehört haben. Innenministerin Ajelet Schaked forderte am Montag auf Twitter  eine Untersuchung der Vorwürfe durch eine externe Kommission, indem sie schrieb: »Die Knesset und die ganze Öffentlichkeit verdienen Antworten, heute«.

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Erste Vorwürfe, die Software der israelischen NSO Group werde auch innerhalb Israels verwendet, waren bereits im Januar durch die Zeitung »Calcalist« laut geworden. Die Polizei wies die Anschuldigungen zunächst strikt zurück. Nach einer durch den Generalstaatsanwalt angekündigten Untersuchung hieß es am Montag lediglich, man werde mit den Ermittlern kooperieren. Israels Premierminister Naftali Bennet sagte, die Vorwürfe seien »sehr ernst«, sofern sie sich als wahr erweisen sollten.

Ausspähen von Aktivisten und Oppositionellen

Im November hatte das palästinensische Außenministerium Israel vorgeworfen, Mitarbeiter des Ministeriums und palästinensische Menschenrechtsaktivisten mit der Pegasus-Software ausspioniert zu haben.

Mitte Juli vergangenen Jahres hatte ein internationales Journalistenkonsortium berichtet, dass mit Pegasus auch Oppositionelle und Reporter in verschiedenen Ländern ausgespäht worden seien. Auf Dutzenden Smartphones von Journalisten, Menschenrechtsaktivisten, deren Familienangehörigen sowie Geschäftsleuten seien Spuren von Angriffen entdeckt worden. NSO entgegnete, Pegasus werde »ausschließlich an Strafverfolgungsbehörden und Geheimdienste von geprüften Regierungen verkauft, mit dem alleinigen Ziel, durch Verhinderung von Verbrechen und Terrorakten Menschenleben zu retten«.

Die Pegasus-Software nutzte Schwachstellen in Apples iPhone-Betriebssystem aus und konnte so unbemerkt auf den Geräten der Opfer installiert werden. (Wie der spektakuläre Hack funktionierte, erfahren Sie hier.) Erst im September 2021 gelang es dem US-Unternehmen, die fragliche Lücke in seiner Software zu schließen.

Anfang November setzte die US-Regierung NSO auf eine Sanktionsliste. Es gebe Beweise, dass die Spionagesoftware an Regierungen geliefert worden sei, die sie zur böswilligen Überwachung unter anderem von Regierungsbeamten, Journalisten und Wissenschaftlern eingesetzt hätten. Apple hat – wie zuvor bereits WhatsApp und Facebook  – Klage eingereicht und will vor Gericht erreichen, dass der NSO Group die Nutzung jeglicher Geräte und Software von Apple verboten wird. Zudem fordert Apple von NSO eine »Wiedergutmachung« für das Ausspähen von Nutzern.

mak/dpa
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