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12. August 2011, 09:59 Uhr

Öffentliche Einladungen

Facebook warnt vor Facebook-Partys

Kleiner Hinweis auf große Wirkung: Facebook warnt jetzt minderjährige Mitglieder, wenn sie eine öffentliche Einladung erstellen - damit ihre Party nicht versehentlich von Tausenden Feierwütigen gestürmt wird. Genau das war mehrfach passiert.

Köln - Facebook-Partys, ein Wort, das Eltern und Hausbesitzer erzittern lässt. Denn nicht selten laufen eigentlich als privat geplante Veranstaltungen im zumeist jugendlichen Freundeskreis aus dem Ruder. Schon des öfteren versammelten sich bis zu mehrere hundert Feierwütige, von denen nicht wenige zu randalieren begannen, zerstörte Autos und verwüstete Vorgärten hinterließen.

Nun haben die Verantwortlichen bei Facebook ein Einsehen - und haben zumindest für minderjährige Nutzer testweise einen besonderen Warnhinweis eingeführt, wenn sie dabei sind, eine Party-Einladung abzusetzen. Seit Donnerstag werden sie darauf hingewiesen, diese Einladung nicht aus Versehen auf "öffentlich" zu stellen, so dass sie theoretisch jedes der rund 750 Millionen Mitglieder sehen kann. Facebook bestätigte den Schritt auf Anfrage: "Ein auffälliger Hinweis wird bei den ersten beiden Malen angezeigt, wenn eine öffentliche Veranstaltung erstellt wird."

In den vergangenen Monaten war es zu mehreren ungewollten Massenpartys gekommen. Erst Ende Juli endete eine Facebook-Party im saarländischen Heusweiler in Chaos und Verwüstung. Unter den insgesamt 2000 Teilnehmern randalierten vermummte Gewalttäter. Die Polizei nahm 69 Personen fest. Daraufhin forderte der saarländische Innenminister Stephan Toscani Facebook auf, dem Treiben durch veränderte Einstellungen einen Riegel vorzuschieben.

Der Politiker zeigte sich mit der neuen Regelung im Ansatz zufrieden und erklärte: "Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Das Internet ist das demokratischste aller Medien. Facebook spielt hier eine wesentliche Rolle. Ein Instrument, das richtig genutzt werden will und größtmöglichen Schutz vor Fehlern mit weitreichenden Folgen bieten muss."

Allerdings geht dem CDU-Politiker Toscani die Änderung noch nicht weit genug. Er bekräftigte seine Forderung nach einem adäquaten Schutz für alle Nutzer. Die standardmäßige Voreinstellung "Öffentliche Veranstaltung" solle komplett entfernt werden. Auf der nächsten Innenministerkonferenz soll über die öffentlichen Einladungen und die Kosten für Polizeieinsätze und Schadensbeseitigung gesprochen werden.

Warum die Facebook-Warnung nur für Minderjährige eingeblendet wird, ist unklar: Zuletzt hatten auch volljährige CDU-Mitglieder zu Sommerfesten der Partei eingeladen, ganz öffentlich.

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