Ben Scott auf der re:publica "Das Internet ist ein öffentliches Gut"

Weg von technischen Details, hin zu grundsätzlichen Fragen: In der Debatte um Netzneutralität warb der US-Politikberater Ben Scott auf der Konferenz re:publica für ein offenes Internet, das nicht nur kommerziellen Interessen dient. Provider hätten daran kein Interesse.

Berlin - Die Telekom arbeitet am Zwei-Klassen-Internet, eigene Multimedia-Angebote haben künftig Vorfahrt, andere Web-Angebote werden ausgebremst - und weitere Provider folgen dem Beispiel des Konzerns. Schnell wird es bei der Debatte um die sogenannte Netzneutralität technisch, streiten sich Gegner und das als "Drosselkom" verspottete Unternehmen um Details.

Der Politikberater Ben Scott , der schon für US-Außenministerin Hillary Clinton gearbeitet hat, will weg von den technischen Details. Ihm geht es um die Grundsatzfrage, ob das Internet nun offen oder geschlossen ist, ein öffentliches Gut oder ein kommerzieller Service. Auf der Netzkonferenz re:publica in Berlin warb er dafür, die Grunderwartung der Nutzer an das Internet nicht zu enttäuschen.

Daten sollen von A nach B übertragen werden, ohne dass sich jemand einmischt, so bezeichnet er diese Grunderwartung an die Funktionsweise des Internets. Er berichtete von den USA, wo dieses Prinzip zwar für herkömmliche Internetanschlüsse gelte, leider aber nicht aber für den Mobilfunkmarkt. In Deutschland war es bisher ähnlich, doch jetzt will die Telekom auch bei herkömmlichen Anschlüssen neue Erlösquellen erschließen.

Ben Scott auf der re:publica
Foto: re:publica 13

Scott warnte, dass Provider Internetzugänge als knappe Ressource vermarkten würden. Die Unternehmen würden dann mit garantierten oder schnellen Datendurchleitungen Geld verdienen und hätten kein wirtschaftliches Interesse daran, die Zugänge insgesamt für alle schneller zu machen - dann müsste ja niemand zusätzliche oder garantierte Geschwindigkeit kaufen, weder die Anbieter noch die Nutzer.

Das aber ginge gegen das Grundprinzip der Offenheit, sagte Scott. Das Internet müsse man als öffentliches Gut betrachten, in dem nicht nur Unternehmen Dienste und Waren verkaufen, sondern auch ein Raum für Kultur, Bildung und Kunst, jenseits kommerzieller Interessen. Das Grundprinzip müsse deshalb in Form eines Gesetzes festgeschrieben werden, forderte Scott.

In den USA sei eine solche Regelung nicht so schnell zu erwarten. Seine Regierung würde auf die Europäische Union warten, dort schaue man auf Deutschland. "Washington guckt auf Brüssel, Brüssel guckt auf Berlin, und Berlin guckt auf euch", sagte er den re:publica-Besuchern.

ore
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