Fotostrecke

Google+: So funktioniert das neue soziale Netz

Offener Brief an Google Aktivisten fordern Abkehr vom Klarnamenzwang

Internet-Aktivisten und Politiker verlangen von Google, im sozialen Netzwerk Google+ wieder die Verwendung von Pseudonymen zu gestatten. Mit ihrer Kritik wollen die Akteure eine Diskussion um grundsätzlichen Prinzipien des Internets anstoßen.

Hamburg - Die Forderung ist klar: Google soll bei Google+ die Verwendung von Pseudonymen zulassen. In einem Offenen Brief an Googles Europachef Philipp Schindler fordern 28 Internet-Aktivisten und Politiker das US-Unternehmen auf, sich einer öffentlichen Diskussion zu stellen. Die Unterzeichner des Briefes ziehen in Zweifel, ob der für das soziale Netzwerk geltende Klarnamenzwang sinnvoll und notwendig ist.

Man wolle mit dem Offenen Brief allerdings keinen sogenannten Shitstorm heraufbeschwören, den Konzern also nicht mit Hasstiraden oder unsachlichen Vorwürfen bombardieren. Vielmehr wollen die Unterzeichner mit ihrem Schreiben einen Dialog mit Google aufnehmen "und die Argumente und Gründe austauschen", mit denen beide Seiten ihre Positionen vertreten, heißt es auf der Website , auf der der Brief veröffentlicht wurde.

Das Schreiben geht zurück auf eine Initiative des Hamburger Unternehmers Christoph Kappes. Unter anderem haben die Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär (CSU), Peter Tauber (CDU), Manuel Höferlin (FDP), Jimmy Schulz (FDP), Lars Klingbeil (SPD) und Konstantin von Notz (Grüne) unterschrieben. Auf Seiten der Internet-Aktivisten zählen Sascha Lobo, Markus Beckedahl, Jürgen Kuri, Christiane Link, Peter Glaser und Lars Hinrich dazu.

Klarnamen zur Spam-Bekämpfung

In dem Brief wird Google angemahnt, sich endlich verbindlich zu der seit gut einem Monat anhaltenden Diskussion um die Nutzung von Klarnamen zu äußern. Googles Schritt, die Profile von Nutzern zu sperren, die sich unter einem Pseudonym bei Google+ angemeldet hatten, sorgt seit Mitte Juli für Verwunderung und Proteste. Der Konzern verweist auf die Nutzungsbedingungen von Google+, in denen es heißt: "Verwenden Sie den Namen, mit dem Sie normalerweise von Freunden, Familie und Kollegen angesprochen werden. Dies dient der Bekämpfung von Spam und beugt gefälschten Profilen vor."

In dem Brief wird bezweifelt, dass sich die genannten Ziele mithilfe von Klarnamen erreichen lassen. Zum einen sei die Maßnahme kein geeigneter Schutz dagegen, dass sich Nutzer mit Scheinidentitäten anmelden, die "mit gängigen Online-Verfahren" schwer überprüfbar seien. Zum anderen könne man Spammer auf diese Weise kaum fernhalten, "da jeder Spammer versuchen wird, sich einen glaubwürdigen Echtnamen zu geben".

Zudem, argumentieren, die Unterzeichner, ließe Google die Einrichtung eines Google-Kontos unter Pseudonym durchaus zu. Schließlich verweisen sie auf das Telemediengesetz (TMG), in dem es heißt, dass "die Nutzung von Telemedien und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen" sei, "soweit dies technisch möglich und zumutbar ist." Lakonisch fragen die Autoren, ob Google die "Bereitstellung mit pseudonymer Nutzung technisch nicht möglich oder nicht zumutbar" sei.

Ist das Lebensecht?

In dem Brief wird außerdem darauf hingewiesen, dass Anonymität im Internet eine wichtige Schutzfunktion darstelle, weil sie Menschen Meinungsäußerungen und Diskussionen ermögliche, die nicht unter ihren echten Namen in Erscheinung treten können oder dürfen. Menschen mit privaten Problemen, politische Akteure oder politisch Andersdenkende würden von dieser Möglichkeit profitieren, blieben ohne Pseudonym ungehört. Zudem würden Pseudonyme den Bürgern totalitärer Staaten einen Schutz vor Repressionen geben.

Außerdem entspreche die dauernde und zwangsweise Verwendung von Klarnamen nicht dem gelebten Alltag, heißt es weiter. Schließlich würden sich Menschen im normalen Leben zunächst auch "ohne Namensnennung begegnen und einander vorstellen, wenn sie selbst es für geboten halten." Mit anderen Worten: Wenn man morgens beim Bäcker mit Namen angesprochen wird, passiert das, weil man sich dem Bäcker irgendwann selbst vorgestellt hat und nicht, weil man zum Tragen eines Namensschilds verpflichtet ist.

Die ersten Reaktionen aus dem Netz sind erwartungsgemäß positiv. In den Kommentaren unter der Online-Version des Offenen Briefes wird überwiegend Zustimmung geäußert.

Nun ist Google am Zug.

mak