Online-Händler Amazon-Seiten in Europa zeitweise lahmgelegt

Eine halbe Stunde lang ging gar nichts mehr: Die Seiten des Online-Händlers Amazon waren am Sonntag in mehreren westeuropäischen Ländern blockiert. Spekuliert wird über einen neuen Hackerangriff - das Unternehmen spricht von einem Hardware-Fehler.
Amazons-Website: Ausfall wegen eines Hackerangriffs oder eines Hardwarefehlers?

Amazons-Website: Ausfall wegen eines Hackerangriffs oder eines Hardwarefehlers?

Foto: Armin Weigel/ dpa

Frankfurt am Main - Das Weihnachtsgeschäft brummt - doch wer am Sonntagabend beim Online-Händler Amazon einkaufen wollte, konnte die Web-Seite der Firma zeitweise nicht erreichen. In Deutschland, Frankreich und Großbritannien konnte die Amazon-Seite mehr als eine halbe Stunde lang nicht aufgerufen werden.

WikiLeaks

Es war zunächst unklar, ob die Ursache ein Angriff von Hackern war. Vermutungen machten die Runde, dass Sympathisanten der Enthüllungsplattform verantwortlich sein könnten. Amazon hatte WikiLeaks die Unterstützung aufgekündigt und die Web-Seite der Organisation von seinen Servern verbannt. Vermutungen, das Unternehmen habe dem Druck einiger US-Politiker nachgegeben, machten die Runde. Amazon widersprach, berief sich auf seine Geschäftsbedingungen, die eine Veröffentlichung von Daten, an denen man nicht alle Rechte hält, verbieten.

Am Donnerstag hatten Anhänger der Plattform versucht, die Amazon-Geschäfte in einem großangelegten gemeinschaftlichen Angriff lahmzulegen. Ziel war insbesondere die US-Seite der Firma. Doch Amazon widerstand dem virtuellen Ansturm weitgehend unbehelligt.

Zu dem Ausfall am Sonntag erklärte ein Sprecher von Amazon am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, die Probleme seien auf einen "Hardware-Fehler" und nicht auf Hacker-Attacken zurückzuführen.

Seit dem 7. Dezember - dem Tag, an dem WikiLeaks-Gründer Julian Assange wegen Vergewaltigungsvorwürfen in London verhaftet wurde - haben sich die Hack-Attacken gegen die Finanz- und Internetbranche verstärkt. Nicht nur Amazon war das Ziel.

Auch Firmen wie die Schweizer PostFinance, die Kreditkartenunternehmen Mastercard und Visa, PayPal und Moneybookers hatten ihre Dienstleistungen für WikiLeaks aufgekündigt und alle Überweisungen an die Enthüllungsplattform gestoppt. Damit zogen sie den Zorn der WikiLeaks-Unterstützer auf sich. Die Hacker zwangen zahlreiche Web-Seiten zeitweise in die Knie und erreichten Unterbrechungen bei MasterCard und Visa.

Firmen contra WikiLeaks

Die Hacker-Gruppe Anonymous kündigte vergangene Woche in einem Internetchat mit der Nachrichtenagentur AFP die Fortsetzung ihrer Offensive an. Jeder mit einer "Anti-WikiLeaks-Agenda ist in unserem Angriffsbereich", teilte sie mit. Die Gruppe zähle rund 4000 Unterstützer.

WikiLeaks hatte vor wenigen Wochen mehr als 250.000 Depeschen aus dem internen Netz des US-Außenministeriums veröffentlicht - und damit ein politisches Beben ausgelöst. Auch der SPIEGEL wertete die Dokumente aus, ebenso wie die "New York Times", die Pariser "Le Monde" und die Madrider "El País".

kgp/dapd/Reuters
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