Online-Währung Warum Bitcoin Liberty Reserve ersetzen könnte

Mit der Online-Währung Liberty Reserve wurde offenbar illegal Geld in Milliardenhöhe über das Internet verschickt - jetzt sitzen die Betreiber in Haft. Mit Bitcoin geht das Überweisen weiter. Und es gibt keine zentrale Schaltstelle, die stillgelegt werden könnte.

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Mit Hilfe von Liberty Reserve ließ sich bis vor kurzem noch Geld über das Internet verschicken. Am Wochenende haben Ermittler den Zahlungsdienstleister stillgelegt, die Betreiber sollen sich wegen illegaler Geldwäsche verantworten. Denn zum Geschäft von Liberty Reserve gehörte auch, die Herkunft von Zahlungen zu verschleiern. Das habe Kriminelle geradezu angezogen, heißt es in der Anklage.

Auch wenn Liberty Reserve nicht nur von Kriminellen genutzt wurde, sondern auch von Menschen in Ländern, in denen Firmen wie PayPal oder Western Union keine oder nur eingeschränkte Dienste anbieten: Staaten wollen wissen, wer wem welches Geld schickt. Es könnte sich dabei ja um Schwarzgeld handeln, um Einnahmen aus kriminellen Geschäften oder um Finanzierung von Terrorismus.

Liberty Reserve hat dieses Anliegen gezielt unterlaufen. Für die Ermittler ist das Aus der Plattform ein Erfolg. Beim Online-Bezahlsystem Liberty Reserve gab es eine zentrale Anlaufstelle, eine Website, Profiteure mit Luxusautos, denen die Staatsgewalt zu Leibe rücken konnte. Bei anderen Zahlsystemen ist das schon schwieriger.

95 Prozent legal

Mit Hilfe des muslimischen Hawala-Systems wird schon seit Hunderten Jahren Geld verschickt: Der Absender übergibt Geld einem Händler, der wiederum einen weiteren Händler am Ort des Empfängers informiert. Das informelle System beruht auf Vertrauen, die Transaktionen werden meist nicht schriftlich festgehalten. Gastarbeiter verschicken so beispielsweise Geld an ihre Familien in der Heimat.

Ein paar Dutzend Hawala-Unternehmen sind offiziell in Deutschland angemeldet. Der Ökonom Friedrich Schneider sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vor vier Jahren, dass es bis zu 2000 inoffizielle Hawala-Händler gebe. Schneider schätzt, dass 95 Prozent der Überweisungen legal seien. Genutzt werden ähnliche Systeme, die auf Vertrauen aufbauen, aber auch von der Wettmafia und organisierten Kriminellen.

Bei der Online-Währung Bitcoin wurde das Vertrauen ersetzt durch kryptografische Verfahren. Bitcoin funktioniert, grob gesagt, so ähnlich wie Filesharing: Es gibt keinen zentralen Server, stattdessen stellen Nutzer Rechenkapazität zur Verfügung, damit die Transaktionen bestätigt und abgewickelt werden können, dafür werden sie belohnt. Um Euro in Bitcoin zu tauschen, muss man jemanden finden, der Bitcoin hat und zum Tausch bereit ist.

Dezentrale Bitcoin, künftig auch anonym

Dienstleister nehmen den Nutzern die Suche ab. Wo der Staat beim dezentralen Bitcoin-Netzwerk wie auch beim Filesharing nicht viel ausrichten kann, sind Profi-Wechselstuben das Einfallstor für Regulierung. Viele Online-Anbieter haben ihren Sitz allerdings in Ländern mit weniger strengen Regeln.

Während bei Liberty Reserve Zahlungen anonym durchgeführt werden konnte, lassen sich sämtliche Bitcoin-Zahlungen nachweisen. Das Internet-Geld trägt seine komplette Geschichte als Datenspur mit sich. Man kann Bitcoins mit einem Pseudonym nutzen - wer dabei nicht sorgfältig vorgeht, fliegt auf.

Es gibt bereits Dienste, um die Herkunft von Bitcoins zu verschleiern. Laut einer Studie sind viele Bitcoin-Händler aber nicht zuverlässig, 45 Prozent der Wechselstuben würden scheitern und zum Teil Guthaben nicht zurückzahlen. An einer wirklich anonymen Bitcoin-Variante arbeiten IT-Experten bereits. Wie die "New York Times" berichtet, hat ein Team der Johns Hopkins University eine Erweiterung namens Zerocoins präsentiert.

Was Liberty Reserve mit kino.to verbindet

Findet Zerocoins genügend Nutzer, sind Zahlungen künftig nicht nur dezentral, sondern auch anonym möglich, ohne dass ein Dienstleister daran verdient und sich strafbar macht. Ohne professionelle Wechselstuben dürfte es zwar für Kriminelle schwerer werden, große Beträge zu verschieben. Aber bei Netzwerken, die auf Vertrauen auf Gegenseitigkeit aufbauen oder dafür technische Entsprechungen gefunden haben, fällt der staatliche Zugriff schwerer.

Ähnliches ließ sich bei illegalen Filmkopien beobachten: Auf der Website kino.to liefen illegale Streams, im Hintergrund verdiente eine Clique Millionen mit Premium-Zugängen und Werbung. Die illegale Unternehmung rief Ermittler auf den Plan, die Webserver, Luxusautos und Vermögen beschlagnahmen konnten. Mitglieder der Bande landeten im Knast.

Das Ende von kino.to feierten die Ermittler als Erfolg. Trotzdem werden über dezentrale Netzwerke im Internet weiter illegale Kopien getauscht. Nur fehlt den Behörden ohne zentrale Anlaufstelle die Möglichkeit zum großen Schlag.



insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
W. Robert 29.05.2013
1. Todsicher
Ich wittere da von Anfang an für viele Bitcoin-Gläubige den Totalverlust. Wie kann man nur annehmen, dass irgendwelche Verschlüsselungen auf Dauer unangreifbar sind? Vermutlich wird auch dieses Schlupfloch bald geschlossen werden. Ich empfehle Silber, wenn es schon ein anonymes Zahlungsmittel sein muss. Oder man macht einfach einen Automatensalon auf, so wie alle anständigen Geschäftsleute.-) Streit über Geldwäsche: Automatenlobby entschärft Gesetz - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/streit-ueber-geldwaesche-automatenlobby-entschaerft-gesetz-a-858299.html)
artusdanielhoerfeld 29.05.2013
2. Der Artikel...
...erscheint mir reichlich blauäugig, was Darstellung und Prognose des "Bitcoin"-Systems betrifft. Sollte diese "Währung" tatsächlich einmal marktrelevant werden, wird sich garantiert irgendein Vorwand finden, um sie zu kriminalisieren. Und dann treten bei allen Beteiligten freundliche Rollkommandos die Türen ein...
duke_van_hudde 29.05.2013
3. Hmm
Der Elite im Form der Banken und Staatsmacht das Geldmonopol zu entziehen ist natürlich ein Traum und würde zur grössten Befreiung deR Menscheit der letzten Jahrunderte beitragen. Nur wird die Elite alles verushcen das zu verhindern und natürlich wird der "Rechtsstaat" vor dne Karren gespannt um so etwas zu stoppen. Die Frage bleibt aber ob diese Internetwährungen das Ziel erreichen können.Den das grosse Problem bei Währungen sind das Vertrauen in dieser.Hier hat unsere Elite halt ein super System geschaffen zum einen steht der Rechtstaat in sienen diesnsten und zum anderen versteht fast niemand genau wie neues Geld ins System kommt und wieder verschwindet.Den genau das ist die grösste Gewinnmöglichkeit der Elite. Leider muss es erst wohl zum zusammenbruch kommen und wir werdne vorher der abschaffung alles Bargeldes erleben.Den dann kann die Elite ihren grossen Traum durchsetzen negative Zinsen auf Geldbeträge der normalen Bürger und dazu noch die totale Kontrolle aller Geldbewegungen.
Der Mop 29.05.2013
4. Das ist auch gut so
Zitat von sysopMit der Online-Währung Liberty Reserve wurde offenbar illegal Geld in Milliardenhöhe über das Internet verschickt - jetzt sitzen die Betreiber in Haft. Mit Bitcoin geht das Überweisen weiter. Und es gibt keine zentrale Schaltstelle, die stillgelegt werden könnte. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/online-waehrung-warum-bitcoin-liberty-reserve-ersetzen-koennte-a-902496.html
Mit Bitcoins kann man all die Dinge kaufen, die durch Lobbyisten reglementiert wurden.
wanneeickel, 29.05.2013
5.
Ach Gott, ja, warum soll man halbseiden seine Gelder verschleiern und/oder verschicken wenn man auf ganz legale Weise Geld mehr oder weniger illegal verdienen kann? z.B. mit Hilfe der EZB oder Banken, von denen Politiker standhaft mit dem Brustton der Überzeugung behaupten, deren "Geschäfte" (aka EURO-Spielcasino auf Steuerzahler's Kosten) seien legal. Oder, um es mit Bertolt Brecht selig zu sagen: "Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?" Wir leben in einer Abzockerwelt, vom bayerischen Landtag bis nach Brüssel, sich über LR oder Bitcoin aufregen ist da eher heiße Luft...
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