Kampagne "Save.org" Proteste gegen Verkauf der .org-Registry an Investor

.org ist eine der weltweit wichtigsten Top-Level-Domains für gemeinnützige Organisationen. Doch viele Gruppen schauen skeptisch in die Zukunft: Sie befürchten Preiserhöhungen - und Schlimmeres.

Florian Schuh/ imago images

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Weltweit setzen Schulen, Open-Source-Initiativen, Umweltschutzgruppen und ähnliche Organisationen für ihre Internetauftritte auf die .org-Top-Level-Domain. Die Abkürzung "org" - kurz für Organisation - hat sich mittlerweile als digitales Erkennungszeichen für gemeinnützige Verbände und Vereinigungen durchgesetzt.

Derzeit jedoch ist die Szene verunsichert. Denn vor kurzem wurde bekannt, dass die sogenannte Public Interest Registry (PIR) an die Investmentgesellschaft Ethos Capital verkauft wird. Die PIR ist die Registrierungsstelle für .org-Domains und damit für deren Verwaltung zuständig.

Organisationen wie Wikimedia, Creative Commons und die Electronic Frontier Foundation (EFF) warnen nach der Verkaufsankündigung vor negativen Konsequenzen. Sie protestieren mit einem offenen Brief gegen die Übernahme der PIR durch Ethos Capital.

"Nicht-staatliche Organisationen weltweit sind auf die .org-Top-Level-Domain angewiesen", heißt es in dem offenen Brief der Kampagne "Save.org" an den bisherigen Besitzer der PIR, den nicht-gewinnorientierten Dachverband Internet Society. "Wir bitten Sie dringend, den Verkauf der Public Interest Registry (PIR) an Ethos Capital zu stoppen." Bisher haben rund 8000 Unterstützer für das Anliegen unterzeichnet.

NGOs warnen vor "erheblichem Schaden"

Ihren Vertragsabschluss mit Ethos Capital hatte die Internet Society Mitte November in einer Mitteilung bekannt gemacht. Die Übernahme soll ihr zufolge im ersten Quartal 2020 abgeschlossen werden. Die genauen Folgen des Verkaufs für Domain-Inhaber sind zwar noch unklar - die Initiatoren der Protestkampagne befürchten aber Preiserhöhungen.

Die zentrale Vergabestelle der Internetadressen ICANN hatte die Preisbeschränkung für die .org-Domains bereits im Sommer dieses Jahres aufgehoben - schon dies hatte heftige Kritik ausgelöst.

"Eine Preiserhöhung bei .org würde viele NGOs mit knappen Kassen in die schwierige Lage versetzen, entweder die erhöhten Gebühren zu zahlen oder die Legitimität und Markenbekanntheit einer .org-Domain zu verlieren", argumentieren die Kritiker des Verkaufs in ihrem Brief.

Sie äußern zudem die Sorge, dass zu viel Entscheidungsmacht bei der PIR und deren zukünftigem Besitzer Ethos Capital liegen werde - und dass die gemeinnützigen Organisationen nicht mehr in Entscheidungsprozesse einbezogen werden würden. So könnten Staaten etwa mit Verweis auf bestehende Gesetze die Arbeit von NGOs behindern und die Sperrung von Domains veranlassen, heißt es: Schutzmechanismen gegen solche Attacken müssten in Zusammenarbeit mit NGOs entwickelt werden.

Die Top-Level-Domain müsse von einer Einrichtung verwaltet werden, die die Bedürfnisse von NGOs über die Gewinne stellt, so die Hauptforderung: "Eine Registrierungsstelle könnte Befugnisse missbrauchen, um dem globalen NGO-Sektor erheblichen Schaden zuzufügen, ob absichtlich oder nicht", warnen die Initiatoren der Protestkampagne.

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