Votum im EU-Parlament Das Selfie bleibt frei

Muss man künftig eine Genehmigung für das Fotografieren öffentlicher Gebäude einholen? Ein Ausschuss des EU-Parlaments forderte das, das Plenum widersprach nun beim Votum über eine Reform des Urheberrechts.
Touristen am Alexanderplatz: "Weiterhin unbesorgt Selfies machen"

Touristen am Alexanderplatz: "Weiterhin unbesorgt Selfies machen"

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Das Fotografieren von öffentlichen Gebäuden und Kunstwerken wird europaweit nicht weiter eingeschränkt. Das EU-Parlament lehnte einen Angriff auf die sogenannte Panoramafreiheit ab. Die Parlamentarier stimmten mit überwältigender Mehrheit gegen eine Erweiterung des Urheberrechts.

Dabei ging es um die Frage, ob man für die kommerzielle Nutzung von Fotos von öffentlichen Gebäuden und Skulpturen künftig eine Einwilligung einholen muss.

Der Rechtsausschuss des Europaparlaments hatte dies vor einer Woche empfohlen. Demnach hätte man für die kommerzielle Nutzung von Fotos jener Kunstwerke und Gebäude, bei denen der Urheber noch keine 70 Jahre tot ist, eine Genehmigung einholen müssen. Dagegen gab es heftige Proteste.

Nun widersprach eine Mehrheit des Parlaments dieser Empfehlung. Bei der Abstimmung bezog das Parlament Position zur anstehenden Reform des europäischen Urheberrechts. Es nahm den Bericht der Piraten-Europaabgeordneten Julia Reda, die das Thema federführend betreut, an. Der eigentliche Vorschlag für ein neues Gesetz, also eine EU-Richtlinie, kommt im Herbst von der Kommission.

"Man kann also in vielen Mitgliedstaaten weiterhin unbesorgt Selfies posten und sich berühmte Bauwerke bei Wikipedia ansehen", sagte Reda nach der Entscheidung. "Ich werde mich weiter darum bemühen, dieses Recht auf ganz Europa auszudehnen."

Genehmigung für Nachtaufnahmen am Eiffelturm

Die Regelungen in Europa unterscheiden sich derzeit. In Deutschland darf man etwa von der Straße aus Fotos von Gebäuden und öffentlichen Kunstwerken machen und sie frei verwenden, auch für kommerzielle Produkte wie Kalender oder Postkarten.

In Frankreich, Italien, Belgien, Luxemburg und Griechenland dagegen gibt es weiter keine grundsätzliche Panoramafreiheit. So bedürfen etwa kommerzielle Aufnahmen der Nachtbeleuchtung des Eiffelturms in Paris einer Zustimmung der Veranstalter.

Vor der Abstimmung im EU-Parlament hatte der Gründer des freien Online-Lexikons Wikipedia vor dem Passus gewarnt. Sollte die Panoramafreiheit beschränkt werden, wäre Wikipedia massiv davon betroffen, schrieb Jimmy Wales in der britischen Tageszeitung "The Guardian". "Hunderttausende Bilder auf Wikipedia wären Gegenstand dieser Urheberrechtsrestriktionen und der Gefahr ausgesetzt, entfernt zu werden."

Eine Reform des EU-Urheberrechts in diesem Sinne würde "schreckliche Konsequenzen für die Art und Weise haben, wie wir Kultur und Wissen teilen und schaffen", so Wales.

fab/dpa
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