Ausweis auf dem Handy CSU im Bundestag will sich für »Smartphone-Perso« starkmachen

Der Personalausweis direkt auf dem Handy? Das könnte manchen digitalen Behördengang oder Online-Kontoeröffnungen vereinfachen. Jetzt treibt die CSU im Bundestag das Thema voran.
Handynutzerin: Digitales Ausweisen soll einfacher werden, findet die CSU im Bundestag

Handynutzerin: Digitales Ausweisen soll einfacher werden, findet die CSU im Bundestag

Foto: PeopleImages / Getty Images

Elektronische Funktionen hat der Personalausweis seit nunmehr zehn Jahren . Doch obwohl die Nutzungszahlen zuletzt anstiegen sind und die Online-Ausweisfunktion bei neuen Ausweisen seit 2017 standardmäßig eingeschaltet ist, nutzt im Alltag nach wie vor nur ein kleiner Teil der Deutschen diese Form der digitalen Identifizierung. Das liegt einerseits an Skepsis gegenüber der Technik, anderseits am bisher übersichtlichen Angebot an Diensten. Zudem setzt das Nutzen des Personalausweises im Netz neben einem Lesegerät oder einem Smartphone samt passender App  auch den Ausweis selbst in physischer Form voraus . Das ist nicht besonders bequem.

Die CSU im Bundestag will das Thema digitale Identifizierung nun vorantreiben, wie der SPIEGEL erfuhr. Zu ihren wichtigsten digitalpolitischen Plänen für das neue Jahr wird voraussichtlich der Einsatz für die Einführung eines »Smartphone-Perso« zählen.

»Während der Coronakrise hat sich die Nutzung des Online-Ausweises um 250 Prozent gesteigert«, steht in einem Entwurf für ein Beschlusspapier zum Thema Digitalpolitik für die Klausurtagung der CSU im Bundestag kommende Woche in Berlin. »Daran wollen wir anknüpfen und die Akzeptanz für die Online-Ausweisfunktion von Personalausweisen weiter steigern.«

Dann heißt es: »Wir wollen, dass die Verwendung des Online-Ausweises im Internet künftig noch einfacher wird und der Ausweis direkt auf dem eigenen Smartphone gespeichert werden kann. Das Gleiche gilt für weitere offizielle Dokumente wie den Führerschein.«

»In der digitalen Welt brauchen wir eine digitale ID«

Alexander Dobrindt, Vorsitzender der CSU im Bundestag, teilt dem SPIEGEL mit: »In der digitalen Welt brauchen wir eine digitale ID. Deshalb wollen wir den fälschungssicheren digitalen Personalausweis, der auf dem Smartphone genutzt werden kann und als offizielles Ausweisdokument anerkannt ist.«

Unter der Ziel-Zusammenfassung »Wir wollen einen Smartphone-Perso einführen« heißt es in dem Beschlusspapier-Entwurf außerdem, die CSU im Bundestag wolle »Behördengänge möglichst komplett digitalisieren«, nach dem Vorbild der digitalen Autozulassung »i-Kfz«. Gerade häufig genutzte Leistungen müssten »so einfach sein wie eine Bestellung in einem Onlineshop«: »Die Sicherheit aller Anwendungen muss dabei stets gewährleistet und garantiert sein.«

Samsung ist vorn mit dabei

Wie so eine digitale ID konkret umgesetzt werden soll, damit sie nicht zur Einladung an Hacker zum Identitätsdiebstahl wird, sagt die CSU im Bundestag bislang nicht. Die Forderung nach einer zeitgemäßen Personalausweis-Variante fürs Smartphone dürfte trotzdem auf viel Zustimmung treffen. Behörden, aber auch Handyhersteller beschäftigen sich schon länger mit Ausweisdokumenten für Mobilgeräte .

Als ein Vorreiter gilt Samsung, das den elektronischen Personalausweis gemeinsam mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), der Bundesdruckerei und Telekom Security auf bestimmte Samsung-Galaxy-Smartphones bringen will – und das bereits 2021 . Das Bundeswirtschaftsministerium fördert das Projekt Optimos 2.0 , das dabei helfen soll, sich online per Smartphone auszuweisen .

Und erst kürzlich lud Bundeskanzlerin Angela Merkel Vertreter der Wirtschaft  zu einem Gedankenaustausch ein, bei dem es ums Ausweisen per Smartphone ging. In einer Präsentation von Markus Richter , Staatssekretär im Bundesinnenministerium, hieß es: »Alle relevanten verifizierbaren und personalisierten Nachweise sollten dem Nutzer digital zur Verfügung stehen, zum Beispiel in einer Wallet.«

Von Bedeutung ist das Thema kurz- wie langfristig auch auf EU-Ebene: Im November sprach EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager mit der »FAZ« über das Ausweisen im Netz. »Einen Vorschlag dazu legen wir im nächsten Jahr vor«, sagte die Kommissarin. Mit der sogenannten eID  wolle man »eine alternative Möglichkeit schaffen, sich im Internet zu identifizieren«.