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01. November 2012, 12:51 Uhr

Gewalt bei "Occupy Oakland"

Polizeichef verbannte kritische Mails in Spam-Filter

Schluss mit den nervigen E-Mails: Der Polizeichef von Oakland ließ Nachrichten über das brutale Vorgehen seiner Sicherheitskräfte gegen die Occupy-Bewegung einfach aus seinem Postfach filtern. Der Spamfilter fraß aber auch offizielle E-Mails. Das könnte dem Behördenchef nun zum Verhängnis werden.

Hamburg - Wenn die Occupy-Bewegung eines auszeichnet, dann ist es ihr großes Geschick im Umgang mit dem Internet. So haben die Kapitalismuskritiker mit Videos über brutale Polizeieinsätze immer wieder für Aufmerksamkeit gesorgt - und so für Druck auf die Polizeibehörden gesorgt. Zum Beispiel in Oakland.

Der Polizeichef der Stadt auf der anderen Seite der Bucht von San Francisco könnte nun über eine traditionellere Form des Internetprotests stürzen: E-Mails. Howard Jordan musste jetzt eingestehen, dass er wichtige Nachrichten im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen seine Behörde weder gelesen noch beantwortet hat - weil sie bestimmte Begriffe enthielten, die Jordan einfach nicht mehr lesen wollte. Vermutlich, weil er einfach zu viele Mails von empörten Bürgern bekommen hatte.

Er habe schon vor mehr als einem Jahr seine IT-Abteilung angewiesen, E-Mails mit Wörtern wie "Polizeibrutalität" oder "Occupy Oakland" aus seinem Posteingang fernzuhalten, gestand Jordan nun ein. Dadurch entgingen ihm jedoch auch wichtige E-Mails, etwa die eines gerichtlich bestellten Ermittlers mit der Betreffzeile "Disziplinarmaßnahmen - Occupy Oakland". Es sei "nie meine Absicht gewesen, den Kontrolleur zu ignorieren", erklärte Polizeichef Jordan nun laut dem "San Francisco Chronicle".

Im Dezember soll ein Richter entscheiden, ob Jordans Polizeibehörde unter die Aufsicht eines Bundesbeamten gestellt wird. Anlass für die Untersuchung und den Prozess sind diverse Fälle von Polizeibrutalität, die im Zusammenhang mit den "Occupy Oakland"-Protesten bekannt wurden. Im Oktober des vergangenen Jahres erlitt ein protestierender Irakkrieg-Veteran namens Scott Olsen einen Schädelbruch, als ihm ein Tränengasbehälter an den Kopf geschossen wurde. Als ihm andere Demonstranten helfen wollten, warf ein Beamter möglicherweise eine Blendgranate in die Gruppe, die sich um den ohnmächtigen Olsen gebildet hatte.

Beide Vorfälle wurden durch Internetvideos dokumentiert und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Olsen trat im Anschluss in TV-Interviews auf und erklärte seine fortgesetzte Solidarität mit der Occupy-Bewegung. Das Video über den Vorfall war einer der Anlässe für Untersuchungen gegen die Polizei von Oakland. Offenbar hatte die Polizei auch versucht, über Google zu erreichen, dass das YouTube-Video von der Seite genommen wird, allerdings ohne Erfolg.

cis

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