Entrüstung über die NSA Google-Entwickler schleudern ein "Fuck You" heraus

Zwei Google-Mitarbeiter haben klare Worte gegen die Späherei gefunden. Nach eigenen Angaben sind sie bei dem Konzern für Sicherheitsvorkehrungen zuständig, die offensichtlich von den Geheimdiensten umgangen wurden. In einem sozialen Netzwerk schreiben sie, was sie davon halten.
Google-Rechenzentrum Council Bluffs: "Dieses System zu umgehen, ist illegal"

Google-Rechenzentrum Council Bluffs: "Dieses System zu umgehen, ist illegal"

Foto: Google Handout/ dpa

Zwei Google-Mitarbeitern ist der Kragen geplatzt. Ja, das sei seine persönliche Meinung, und nein, er spreche nicht im Namen seines Arbeitgebers, aber: "Fuck these guys", schreibt Brandon Downey in einem Eintrag auf dem sozialen Netzwerk Google+ . Sein Kollege Mike Hearn bezieht sich darauf in einem eigenen Beitrag  und schreibt: "Ich schließe mich ihm jetzt an mit einem riesigen 'Fuck You' gegen die Leute, die diese Folien gemacht haben."

Konkret geht es dabei um die Folien aus dem Snowden-Fundus, die die "Washington Post" ausgewertet hat , um zu zeigen, dass die Geheimdienste Datenverbindungen zwischen den Rechenzentren von Google und Yahoo anzapfen. Nachdem sich die NSA gegen diesen Vorwurf gewehrt hat, legte die Zeitung noch einmal mit belastenden Details nach.

Die beiden Männer macht offenbar wütend, dass es bei diesen Veröffentlichungen um ihre eigene Arbeit geht, die sie mit viel Hingabe erledigt haben. Nach eigenen Angaben kümmern sich die beiden bei dem Internetunternehmen um Sicherheitsfragen. "Ich habe zehn Jahre meines Lebens damit verbracht, Googles Nutzer vor den vielen Bedrohungen, denen Google ausgesetzt ist, zu schützen", schreibt Downey.

Hearn erklärt, die besagten Folien zeigten unter anderem ein "Anti-Hacking-System, an dem wir mehr als zwei Jahre gearbeitet haben". "Wir haben das System entwickelt, um Kriminelle draußen zu halten", heißt es in seinem Posting. "Dieses System zu umgehen, ist aus gutem Grund illegal."

Nur leider, so der Google-Mitarbeiter weiter, lebten wir in einer Welt, in der Gesetze viel zu oft nur für die kleinen Leute gälten. Kein Mitarbeiter der GCHQ oder der NSA würde für so etwas jemals vor Gericht gestellt.

"Danke, Edward Snowden"

Ebenso desillusioniert gibt sich sein Kollege Downey: "Auch wenn wir befürchtet haben, dass das passiert, macht es mich schrecklich traurig. Es macht mich traurig, weil ich an Amerika glaube." Die Arbeit eines Sicherheitsexperten wirke wie eine Sisyphos-Aufgabe, mehr als je zuvor.

Ausgerechnet Google, die Firma, die mit dem Slogan "Don't be evil" ("Tu nichts Böses") wirbt, bekommt nun über Bande eine solch negative Presse und dürfte wohl das Vertrauen so mancher Nutzer verloren haben.

Der britische Google-Angestellte Mike Hearn aber scheint entschlossen, um dieses Vertrauen zu kämpfen. Ihm und seinen Kollegen bleibe nur eine Möglichkeit, schreibt er: noch sicherere Software zu entwickeln. Damit hätten sie auch schon angefangen: "Der Traffic, den die Folien zeigen, ist jetzt verschlüsselt", damit sei all die Arbeit, die NSA/GCHQ-Mitarbeiter zum Lauschen betrieben haben, dahin. Er selbst sei übrigens kein Amerikaner, sondern Brite, das sei aber kein Unterschied, "es stellt sich heraus, dass der GCHQ noch schlimmer ist als die NSA".

Er schließt seinen flammenden Text mit: "Danke, Edward Snowden. Für mich persönlich ist das die interessanteste Enthüllung des ganzen Sommers."

juh
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