Jahrestagung von Netzwerk Recherche im Livestream Journalismus an der Grenze

Wie sollen Reporter mit Populisten umgehen? Wie gelingt die Recherche in großen Datenmengen? Auf der Jahrestagung von Netzwerk Recherche geben Journalisten Einblicke in ihre Projekte. Wir zeigen den Livestream.

netzwerk recherche

"An der Grenze" arbeiten Journalisten in diesen Zeiten oft. Etwa, wenn sie über die Grenzen Europas berichten und über diejenigen, die diese zu überwinden versuchen. Oder wenn sie an ihre eigenen Grenzen stoßen, weil ihre Glaubwürdigkeit infrage steht oder weil sie unter widrigen Bedingungen arbeiten müssen. Unter diesem Motto treffen sich am 8. und 9. Juli mehrere Hundert Journalisten auf der Jahreskonferenz von Netzwerk Recherche (nr) in Hamburg.

Neben Diskussionen rund um Themen wie Pressefreiheit und Populismus werden auf der Konferenz viele Journalisten zeigen, wie sie arbeiten und welche Werkzeuge sie dabei nutzen. Wir zeigen neun ausgewählte Panels und Workshops im Livestream. Weitere Streams und Mitschnitte finden Sie auf der Homepage der Spreerunde, mehr Informationen zu den Veranstaltungen stehen im Onlineprogramm der Tagung. SPIEGEL ONLINE gehört zu den Medienpartnern der Konferenz.


Freitag, 8. Juli

10.45 Uhr Belehren und bekämpfen oder nur berichten? Die Populisten und die Medien

Wie sollen Journalisten über Populisten berichten, wie weit dürfen sie bei Berichten und Interviews gehen, etwa mit Anhängern von AfD, FPÖ und PEGIDA? Darüber diskutieren SPIEGEL-ONLINE-Kolumnist Jakob Augstein (Der Freitag), Thomas Krüger (Bundeszentrale für politische Bildung), Stefan Niggemeier (Übermedien), Anja Reschke (NDR), Patricia Schlesinger (RBB) und Armin Wolf (ORF).

14.00 Uhr Investigativer Datenjournalismus: zur exklusiven Story mit Daten, Dokumenten und Leaks

Die Arbeit mit Daten und Dokumenten gehört genauso zum investigativen Journalismus wie das Repertoire klassischer Fähigkeiten von traditionellen Reportern. Dabei geht es nicht nur um technische Werkzeuge, sondern vor allem um die evidenzbasierte Recherche. Was das konkret bedeutet, zeigen und diskutieren die Datenjournalisten Daniel Drepper (Correctiv), Sylke Gruhnwald (Journalismfund.eu) und Vanessa Wormer (Süddeutsche Zeitung).

15.15 Uhr Panama Papers - Inside the Research Cooperation

Das Rechercheprojekt "Panama Papers" begann mit einer anonymen Nachricht, aus der ein Projekt mit 370 internationalen Journalisten von etwa hundert Medien wurde. Wie funktionierte die Zusammenarbeit? Frederik Obermaier und Bastian Obermayer (beide Süddeutsche Zeitung) sowie Emilia Diaz-Struck und Jóhannes Kristjánsson (beide ICIJ) geben Einblicke hinter die Kulissen.

16.30 Uhr Preisverleihung: Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen an Can Dündar

"Der Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen" geht in diesem Jahr an Can Dündar. Der Chefredakteur der türkischen Zeitung "Cumhuriyet" wird für die mutigen Recherchen seiner Zeitung sowie für seinen Kampf um die Pressefreiheit ausgezeichnet. Obwohl ihm knapp sechs Jahre Haft drohen, kämpft er weiter für die Meinungsfreiheit in der Türkei. Netzwerk Recherche ehrt mit dem Preis an Dündar auch die gesamte Redaktion seiner Zeitung.

17.00 Uhr Die Medien und ihre Verantwortung

Olaf Scholz ist das, was man einen Vollblutpolitiker nennt, vor über 40 Jahren wurde er Mitglied der Jusos und absolvierte fortan eine stetige politische Karriere: als Generalsekretär der SPD, Innensenator Hamburgs, Erster Bürgermeister Hamburgs. Im Umgang mit den Medien war er sehr kontrolliert, nie hat er viel von sich preisgegeben. Hier gibt Scholz einen Impulsvortrag zur Verantwortung der Medien und stellt sich der Diskussion.

18.15 Uhr Anklage: Journalismus! Das Ende der Pressefreiheit in der Türkei

Als Chefredakteur der türkischen Zeitung "Cumhuriyet" ist Can Dündar zu einem profilierten Kritiker von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan geworden. Auch EU-Parlamentspräsident Martin Schulz kritisierte Erdogan, als er dessen diffamierende Aussagen gegenüber türkischstämmigen Bundestagsabgeordneten im Zuge der Armenien-Resolution als Tabubruch bezeichnete. Über die Pressefreiheit in der Türkei diskutieren Can Dündar und Martin Schulz in diesem Panel mit Antonia von der Behrens (Rechtsanwältin), Katja Gloger (stern) und Özlem Topçu (Die Zeit).


Samstag, 9. Juli

10.45 Uhr Die große Verunsicherung: Medien zwischen Glaubwürdigkeitskrise und Zukunftssorgen

Was müssen, was sollen Medien tun, um ihre Glaubwürdigkeit zu sichern und Vertrauen zu gewinnen? Und wie finanziert sich angesichts sinkender Anzeigenerlöse und fallender Auflagen der Journalismus der Zukunft? Über Strategien und Lösungen sprechen Klaus Brinkbäumer (Der Spiegel), Jürgen Kaube (FAZ), Giovanni di Lorenzo (Die Zeit) und Karola Wille (MDR/ARD).

12.00 Uhr Lob, Hass und Hetze: Wie Betroffene das Netz erleben

Einige Journalisten, die mit pointierten Aussagen, mit klarer Haltung in der Öffentlichkeit präsent sind, erleben das Feedback im Internet als unmittelbare Bedrohung. Sie werden nicht nur beschimpft, sondern erhalten auch perfide Morddrohungen. Wie gehen die Betroffenen damit um, wie können sie sich wehren, was können sie überhaupt tun? Darüber sprechen Anja Reschke (NDR), Sarah Tacke (ZDF) und Armin Wolf (ORF).

14.30 Uhr Virtual Reality oder Virtual Insanity? Neue Möglichkeiten des journalistischen Storytellings

Virtuelle Welten eignen sich nicht nur für Computerspiele, sondern auch für journalistische Storys. Welche konkreten Möglichkeiten bietet Virtual Reality (VR) für den Journalismus? Und: Wenn sich User zunehmend autonom in diesen Geschichten bewegen, wie müssen diese dann erzählt werden? Einblicke in Projekte und Herausforderungen geben Lorenz Matzat (Lokaler), Kay Meseberg (Arte) und Linda Rath-Wiggins (VRagments).

che



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