US-Informant Edward Snowden hat Hongkong verlassen

Nächste Station Moskau? Edward Snowden fliegt laut einem Pressebericht von Hongkong in die russische Hauptstadt. Angeblich will er von dort nach Südamerika weiterreisen. Der Kreml hat nach eigener Aussage keine Kenntnis von Snowdens Aufenthaltsort und Plänen.
Edward Snowden: Auf dem Weg nach Moskau

Edward Snowden: Auf dem Weg nach Moskau

Foto: BOBBY YIP/ REUTERS

Hongkong - Der US-Informant Edward Snowden hat Hongkong verlassen und befindet sich auf dem Weg nach Moskau. Das berichtet die "South China Morning Post". Ein Behördensprecher in Hongkong bestätigte, Snowden habe die Stadt verlassen. Er sei unterwegs in ein "drittes Land".

Snowden verließ Hongkong der Zeitung zufolge um 10.55 Uhr (Ortszeit) mit einer Maschine der russischen Fluggesellschaft Aeroflot. Er soll am Nachmittag in Moskau eintreffen. Die russische Hauptstadt soll angeblich nicht Snowdens endgültiges Ziel sein. Es wurde kolportiert, er werde nach Island oder Ecuador weiterfliegen. Die russische Nachrichtenagentur Interfax zitiert jedoch eine ungenannte Aeroflot-Quelle, wonach es ein Ticket auf Snowdens Name für einen Flug von Moskau nach Kuba gebe. Von dort wolle der Amerikaner nach Caracas in Venezuela weiterfliegen, berichtet die Agentur Itar-Tass.

Die Enthüllungsplattform WikiLeaks teilte mit, man habe Snowden geholfen, politisches Asyl in einem demokratischen Land zu suchen, Reisepapiere zu bekommen und sicher aus Hongkong abzureisen. Der Geschäftsmann Olafur Vignir Sigurvinsson hatte bereits am Freitag angeboten, sich um Snowdens sicheren Transfer nach Island zu kümmern.

Die russische Botschaft in Peking wollte sich gegenüber der "South China Morning Post" nicht zu Snowdens Reise äußern - ebenso wie das russische Konsulat in Hongkong. Ein Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin sagte, man habe von Snowdens Aufenthaltsort und Plänen keine Kenntnis.

Snowden, der früher für den US-Abhördienst NSA (National Security Agency) gearbeitet hatte, hatte das US-Spähprogramm Prism und das britische Tempora-Projekt der Öffentlichkeit bekannt gemacht. Er suchte in Hongkong Schutz vor der Verfolgung durch US-Behörden.

Auslieferungsgesuch soll Anforderungen nicht erfüllt haben

Am Freitag hatte die US-Justiz den in Hongkong untergetauchten Snowden offiziell der Spionage beschuldigt und einen Haftbefehl ausgestellt. Zudem wurde gefordert, der Informant solle an die USA ausgeliefert werden. Bislang war noch kein Haftbefehl erlassen worden, doch hatten Experten damit gerechnet, dass die Hongkonger Polizei früher oder später eine vorübergehende Festnahme bei Gericht beantragt.

Die Behörden in Hongkong teilten mit , es habe keine juristische Basis dafür gegeben, Snowden festzuhalten. Das Auslieferungsgesuch der USA habe nicht in vollem Umfang den juristischen Anforderungen entsprochen.

Dass Hongkong dem Auslieferungsgesuch nicht nachkommt, dürfte die US-Regierung erheblich verärgern. Ranghohe Regierungsvertreter aus den USA hatten in den vergangenen Tagen erklärt, wenn Hongkong nicht zügig auf die US-Anfrage reagiere, werde dies die bilateralen Beziehungen zwischen beiden Seiten verschlechtern. So hatte etwa der US-Sicherheitsberater Tom Donilon gesagt, er gehe davon aus, dass sich Hongkong an das 1998 mit den USA vereinbarte Auslieferungsabkommen halte.

Aus Hongkong hieß es, Snowden habe die Stadt rechtmäßig und auf normalem Weg verlassen. Man habe die US-Regierung über Snowdens Abreise informiert. Zudem sei von der US-Regierung eine Erklärung zu Berichten erbeten worden, wonach amerikanische Behörden Computersysteme in Hongkong gehackt hätten . Man werde die Sache verfolgen, um die Rechte der Bürger Hongkongs zu beschützen.

ulz/Reuters/AFP/AP
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