Prism, XKeyscore und Co. NSA-Überwachungsprogramme im Überblick

XKeyscore, Blarney, Prism: Hinter wolkigen Codenamen verbergen sich geheime Programme zur Ausspähung von Millionen unbescholtenen Bürgern. Immer klarer wird: Auch deutsche Geheimdienste sind in die Überwachung verstrickt. Die Enthüllungen im Kurzüberblick.
Internet- und Telefonüberwachung (Symbolbild): Zugriff auf Knotenpunkte

Internet- und Telefonüberwachung (Symbolbild): Zugriff auf Knotenpunkte

Foto: Arne Dedert/ dpa

Während die deutsche Bundesregierung von der Massenüberwachung durch NSA und Helfer noch immer keine Kenntnis haben will, enthüllt der SPIEGEL nun: Es gibt eine streng geheime, enge Zusammenarbeit zwischen amerikanischen und deutschen Geheimdiensten - die sich mit dem Grundgesetz wohl nur schwer vereinbaren lässt. Die eifrigen Deutschen werden in internen NSA-Papieren dafür gelobt. Doch wer späht eigentlich mit welchem Programm welche Art von Daten aus? Hier ein kurzer Überblick:

  • Bundesnachrichtendienst, Verfassungsschutz und Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik arbeiten nach SPIEGEL-Informationen eng mit dem US-Geheimdienst NSA zusammen. Sie nutzen außerdem eine NSA-Software namens XKeyscore zur Auswertung großer Datenmengen. Monatlich erfasst die NSA mit dieser Software einen Großteil der monatlich bis zu 500 Millionen Datensätze aus Deutschland. XKeyscore kann offenbar benutzt werden, um sich bei Bedarf Vollzugriff zu verschaffen, etwa auf angerufene Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Log-ins und Nutzer-Aktivitäten einer Zielperson.
  • Die NSA sammelt in ihrem Heimatland auch weiterhin die Verbindungsdaten von US-Bürgern darüber, wer mit wem telefoniert hat. Das geheime FISA-Gericht hat eine entsprechende Anordnung am Freitag erneuert. Diesmal wurde dies den Bürgern sogar mitgeteilt, zuvor hatte die NSA sich bemüht, die Speicherung der Verbindungsdaten geheim zu halten.
  • Die Speicherung ist nicht auf die USA beschränkt. Mit Hilfe des britischen Nachrichtendienstes GCHQ wird im Rahmen des Tempora-Projekts an den Transatlantikverbindungen Traffic abgezweigt und analysiert, Teile des kompletten Internetverkehrs sollen sogar für Tage zwischengespeichert werden können. Dabei helfen offenbar Telekommunikationsanbieter mit, die zum Schweigen verpflichtet werden.
  • Die Liste mit den Telekommunikationsunternehmen, die direkt mit der NSA zusammenarbeiten, bezeichnete Edward Snowden als die "Kronjuwelen" des Geheimdienstes. Offenbar gibt es ein internationales Unterfangen mit dem Codenamen Blarney, in dessen Rahmen mit Hilfe von willigen Firmen auf Internetknotenpunkte zugegriffen wird . Der NSA-Whistleblower Thomas Drake enthüllte  außerdem ein Projekt namens Fairview, bei dem Unternehmen zur Bereitstellung von Späh-Schnittstellen verpflichtet werden.
  • Ein weiterer Zugriff auf Inhalte findet auf anderem Weg über eine Operation namens Prism statt. Dazu kooperieren große IT-Konzerne mit dem US-Geheimdienst. Um einen Zugriff auf Daten zu ermöglichen, bevor diese verschlüsselt übertragen werden, helfen Unternehmen wie Microsoft mit speziellen Abhörschnittstellen. Für die Überwacher hat das einen entscheidenden Vorteil: Bei den Unternehmen liegen die Daten einzelner Zielpersonen säuberlich geordnet - und unverschlüsselt - vor. Sie aus dem Glasfaser-Datenstrom zu fischen ist deutlich aufwendiger.
  • Das Ausmaß der Datenspionage erläuterte der stellvertretende NSA-Direktor bei einer Anhörung: Für jeden irgendwie Verdächtigen können die Daten mehrerer Millionen Menschen analysiert werden. Ausgeforscht werden unter Umständen die Zielperson, deren Kontakte, die Kontakte dieser Kontakte und schließlich auch noch die Kontakte dieser Kontakte. Bei einem einzigen Nutzer können das schon weit mehr als drei Millionen Menschen sein. Die Mathematik der Überwachung sorgt dafür, dass zwangsläufig gewaltige Gruppen von Mensch als Beifang mitüberwacht werden.

Erst jetzt beginnen einige Unternehmen, zumindest die Geheimhaltung bei der Überwachung ihrer Kunden und Nutzer öffentlich in Frage zu stellen. Jahrelang wurde stillschweigend kooperiert. Während Apple, Microsoft und Yahoo mehr Transparenz von der US-Regierung fordern, ist es auf einem anderen wichtigen Sektor bisher ruhig geblieben: Die Infrastrukturanbieter, Betreiber von Netzknoten, Datenleitungen und Tiefseekabeln, spielen bei der Überwachung offenbar eine wichtige Rolle, schweigen aber bislang.

Diese Unternehmen, deren Namen Otto Normalnutzer kaum kennt, haben keine wütenden Endkunden zu fürchten - sie machen ihre Geschäfte mit großen Firmen.

ore