Promi-Affäre Twitter will tratschende Nutzer verraten

Zehntausende Twitter-Nutzer lästern über den verheirateten Fußballer Ryan Giggs, der mit einem juristischen Maulkorb eine angebliche Affäre vertuschen wollte. Twitter kündigte nun an, die Tratscher zu identifizieren - sollte ein Gericht das verlangen.

Fußballer Ryan Giggs: Mit der "super injunction" gegen Twitter-Gerüchte
REUTERS

Fußballer Ryan Giggs: Mit der "super injunction" gegen Twitter-Gerüchte


Hamburg - Wer hat die angebliche Affäre von Fußballstar Ryan Giggs mit dem Big-Brother-Busenwunder Imogen Thomas auf Twitter ausgeplaudert? Der Kurznachrichten-Dienst ist bereit, bei der Spurensuche zu helfen. Sollte ein Gericht in Großbritannien die Herausgabe von Nutzer-Daten fordern, werde Twitter diesem Gesuch nachkommen. Das erklärte der für Europa zuständige Manager Tony Wang, wie der "Guardian"berichtet.

In einem solchen Fall würde Twitter die betroffenen Nutzer aber vorab informieren. Man stehe zwar nicht in der Verantwortung, die Nutzer zu verteidigen, sagte Wang. Man müsse als Internet-Plattform das Recht der Nutzer auf Selbstverteidigung schützen, halte sich aber auch an nationale Gesetze.

Das Gerücht über den verheirateten Fußballer und das Model und TV-Sternchen durfte in Großbritannien eigentlich niemand öffentlich erwähnen. Eine Boulevardzeitung wollte berichten, mit der Geliebten gab es offenbar einen Deal. Doch vor Gericht erwirkte Gibbs gerade noch rechtzeitig ein Verbot, eine sogenannte "super injunction". Nicht einmal über das Verbot durfte geschrieben werden.

Das Tratschverbot kümmerte Zehntausende Twitter-Nutzer wenig, die über den gerichtlichen Maulkorb und die Affäre schrieben. Also setzt Giggs seinen rechtlichen Beistand auf Twitter an. Die Geschichte schlug hohe Wellen. In Großbritannien wehren sich Prominente regelmäßig mit "super injunctions" gegen eine Berichterstattung. Mit dem juristischen Maulkorb werden aber auch investigative Enthüllungsgeschichten verhindert. In Großbritannien ist derzeit eine grundsätzliche Debatte über dieses Rechtsmittel im Gange. Premier Cameron kritisierte, die Gerichte führten mit solchen Entscheidungen ein De-Facto-Privatsphärengesetz ein, das aber sei die Aufgabe des Parlamentes

Schon am Montag hat ein Abgeordneter im Unterhaus die angeblichen Ehebrecher beim Namen genannt, ein Privileg der Parlamentarier, die nicht an die "super injunctions" gebunden sind. Ein Gericht stellte aber fest, dass die "super injunction" für Zeitungen weiterhin gilt. Áuch wenn das Gerücht über die Affäre nun ganz offiziell in der Welt ist, direkt aus dem House of Commons, worüber die Presse in Großbritannien natürlich genüsslich und unter Nennung des vollen Fußballer-Namens berichtete. Die "Sun" scheiterte am Montag trotzdem mit einem dritten Anlauf, den Maulkorb aufheben zu lassen.

Mit den Twitter-Nutzerdaten könnte Giggs versuchen, den Urheber des Gerüchts ausfindig zu machen. Sollte jemand aus dem Umfeld der Boulevardzeitung, genervt vom gerichtlichen Verbot, den entscheidenden Hinweis getwittert haben, könnte er vor Gericht landen.

ore



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avollmer 26.05.2011
1. Mitmachen?
Soll das heißen, wenn wir alle diese Mitteilungen retweeten oder darüber selbst twittern, dass wir dann alle auf der Liste landen und die Liste eventuell identisch wird mit der aller Twitterer?
Searchio 26.05.2011
2. ?
Gilt das Verbot auch für Privatmenschen die auf Twitter darüber schreiben? Und wenn ja darf darüber auch verbal in keinster Weise geredet werden, öffentlich? Twitter schreibt doch keine Nachrichten... also darf niemand auch privat darüber schreiben?
Porgy, 26.05.2011
3. Redefreiheit ist wichtiger
Zitat von sysopZehntausende Twitter-Nutzer lästern über den verheirateten Fußballer Ryan Giggs, der mit einem juristischen Maulkorb eine angebliche Affäre vertuschen wollte. Twitter kündigte nun an, die Tratscher zu identifizieren - sollte ein Gericht das verlangen. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,765021,00.html
Mich interessiert es so wenig, wann Ribéry oder sonst ein Fußballer mit wem fremdgangen ist wie wann sie das letzte mal gefurzt haben. Und das wünsche ich mir auch bezüglich der Bedeutung von Ehebruch in der öffentlichen Meinung: Dass es, abesehen vielleicht für den Ehepartner, nebensächlich ist, wer wann mit wem "die Ehe gebrochen" hat. Es tut sowieso die Hälfte der Bevölkerung. Aber Redefreiheit und damit verbunden Informationsfreiheit ist nun mal das kostbarste Gut in einer Demokratie, und wenn nun Briten, Spanier (http://www.taz.de/1/netz/netzpolitik/artikel/1/recht-auf-vergessen/), Deutsche (http://www.zeit.de/digital/internet/2010-02/abmahnung-bgh-sedlmayer), Amis (Stichwort: "Wikileaks") oder andere nicht bereit sind, sich darauf einzustellen, dass mit dem Internet das erste mal die Menschheit ein Medium hat, dass Redefreiheit auch uneingeschränkt tatsächlich ermöglicht, dann müssen sie mit entsprechend harschem Gegewind rechnen. Denn das wird zu einer trotzigen "Jetzt erst recht!"-Haltung bei vernetzten Öffentlichkeit führen. Denn die Zensur im Internet (http://de.wikipedia.org/wiki/Zensur_im_Internet) ist das reinste "Hase und Igel" (http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Hase_und_der_Igel)-Spiel, das gilt nicht nur in China, Ägypten oder Birma sondern auch bei "Super Injunctions" in England. "Freedom of the press is guaranteed only to those who own one." sagte der amerikanische Journalist Abbot Joseph Liebling (http://en.wikipedia.org/wiki/A._J._Liebling) im Jahre 1960. Und das ist im Internetzeitalter zum Glück eben nicht mehr so.
DJ Doena 26.05.2011
4. .
Zitat von sysopZehntausende Twitter-Nutzer lästern über den verheirateten Fußballer Ryan Giggs, der mit einem juristischen Maulkorb eine angebliche Affäre vertuschen wollte. Twitter kündigte nun an, die Tratscher zu identifizieren - sollte ein Gericht das verlangen. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,765021,00.html
Das würde interessant werden. Die "Super Injunctions" sind ein britisches Gesetz. Twitter Inc. ist eine US-Firma mit Sitz und Server in den USA. D.h. Erstmal müsste Ryan vor ein US-Gericht ziehen und nach US-Recht darlegen, warum Twitter die Userdaten rausgeben sollte. Und da dürfte allein schon "Ober schlägt Unter" zuschlagen, mämlich die amerikanische Freedom of Speech vs. die britische Super Injunction. Dann hat aber Twitter nur IP-Adressen, mit denen ein bestimmter Tweet zu einer bestimmten Zeit abgesetzt wurde. Dann müsste Ryan also die IP-Adressen nehmen und wiederum britische / amerikanische / deutsche? Internet-Provider verklagen, auf dass sie die Echtdaten der Kunden rausgeben. Die muss wiederum vor den Gerichten passieren, in denen die Provider sitzen und muss mit Gesetzen des Landes begründet werden. Und selbst wenn er dann endlich die Klarnamen hat, muss er wieder vor Gericht ziehen und 10.000e Privatpersonen vor verschiedenen nationalen Gerichten verklagen. Spiel Vaß!
PiNcH 27.05.2011
5. Wahrscheinlich...
...dachte sich das Twitter auch und kam zu dem Schluss, es wär juristisch gesehen am sinnvollsten sich dem Gesetz zu beugen, weil den Nutzern eh keine Gefahr droht. Trotzdem kann ich die Politik Twitters an sich nicht verstehen. Anfangs auf derlei gerichtliche Drohungen sche*ßen und jetzt einknicken? Warum? Gerade Twitter hätte die "Jetzt erst recht!"-Mentalität durchziehen müssen. So setzt Twitter u.U. Kunden auf's Spiel. Ich käme nur zumindest verraten vor...
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