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Desinformation Putin-Unterstützer koordinieren Propaganda gegen den Westen auf Telegram

In Telegram-Gruppen wird Trollen erklärt, was sie Politikern etwa zu den Gräueltaten in Butscha schicken sollen. Zu den Zielen gehören neben Bundeskanzler Scholz auch Journalisten wie der »Welt«-Chefredakteur.
aus DER SPIEGEL 17/2022
Telegram: »Schlüsselplattform«, um kremlfreundliche Desinformation koordiniert zu verbreiten

Telegram: »Schlüsselplattform«, um kremlfreundliche Desinformation koordiniert zu verbreiten

Foto: Andy Wong/ dpa

Kreml-Propagandisten koordinieren über den Messenger Telegram Troll-Aktivitäten gegen deutsche und europäische Spitzenpolitiker. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse des »Disinformation Situation Center«, in dem sich Nichtregierungsorganisationen aus der EU und der Ukraine zusammengetan haben. Die Desinformations-Attacken richten sich gegen Politiker wie Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) oder den EU-Außenkommissar Josep Borrell. Allein in Deutschland sind über 100 weitere betroffen. Auch 50 Medienhäuser wie der britische Guardian oder prominente Journalisten wie »Welt«-Chefredakteur Ulf Poschardt wurden ins Visier genommen.

Aus: DER SPIEGEL 17/2022

Die Schatten der Vergangenheit

Bundeskanzler Olaf Scholz wehrt sich im SPIEGEL-Gespräch gegen den Vorwurf, der Ukraine nur halbherzig zu helfen. Doch seine Partei steht vor den Trümmern ihrer Russlandpolitik und verweigert die Aufarbeitung der Fehler im Umgang mit Wladimir Putin.

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In den Telegram-Gruppen wird den Trollen erklärt, was sie den genannten Politikern und Medien schicken sollen, inklusive Links zu deren Profilen. Darunter finden sich etwa Fotos und Videos mit der Behauptung, die Gräueltaten von Butscha nahe Kiew hätten nicht stattgefunden oder seien von der ukrainischen Armee begangen worden. Außerdem sollten die vermeintlichen Belege auf anderen Plattformen wie Instagram und Facebook weiterverbreitet werden. Telegram sei inzwischen die »Schlüsselplattform«, um kremlfreundliche Desinformation koordiniert zu verbreiten, heißt es in der Analyse.

Ein großer Kanal, der entsprechende Nachrichten verbreitet, ist der von Propagandist Wladimir Solowjow. Der Russe ist Fan des italienischen Diktators Benito Mussolini und nannte Adolf Hitler einen »sehr mutigen Menschen«. Ein anderer komme aus dem Umfeld des Oligarchen Jewgeni Prigoschin, einem Putin-Vertrauten, der als Finanzier von Trollfabriken bekannt ist.

»Die Taktiken von Putins Propagandamaschinerie sind spätestens bekannt, seit sich Russland in den US-Wahlkampf von 2016 einmischte«, sagt Felix Kartte, Experte von Reset, einer Initiative, die gemeinsam mit der Alfred Landecker Stiftung das »Disinformation Situation Center« finanziert. Kartte fordert die EU auf, gegen die Kanäle und Plattformen stärker vorzugehen: »Mit dem kommenden Digital Services Act muss die EU die Sicherheitssysteme der Tech-Konzerne endlich unter öffentlichen Aufsicht stellen.«

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